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Stadt feilt an neuen Kitabeiträgen für Eltern

Stadt feilt an neuen Kitabeiträgen für Eltern

Foto: Archiv

Bautzen. Rein statistisch betrachtet bringen Bautzenerinnen im Alter von 15 bis 45 Jahren 2,2 Kinder zur Welt. Dieser Wert liegt weit über dem deutschen Durchschnitt von nur 1,5 und zeigt, dass die Bevölkerung das Modell Familie noch zu schätzen weiß und grundsätzlich Vertrauen in die Zukunft hat.

Für die Stadt Bautzen ist diese Entwicklung allerdings eine Herausforderung, wie dieser Tage aus dem Rathaus zu erfahren war. Die Verwaltung muss sich eigenen Angaben zufolge die Frage stellen, ob die Betreuungsplätze in Kinderkrippen, Kindergärten und Horteinrichtungen künftig noch dem Bedarf entsprechen.

Antworten soll die Bedarfsplanung für Kindertageseinrichtungen geben, die dem Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung vorgelegt wurde.

Das Papier wird im Rhythmus von zwei bis drei Jahren erneuert. Es zeigt beispielsweise, dass noch im Jahr 2002 rund 1.900 städtische Plätze, Angebote von freien Trägern und sonstige Betreuungsplätze zur Verfügung standen. Inzwischen sind es bereits über 3.000, also 72 Prozent mehr. Und sie werden in Zukunft nicht ausreichen. Die Prognose der Geburtenrate sagt für die Jahre 2024/25 einen Mehrbedarf von 481 Krippen-, Kita- und Hortplätzen voraus.

„Die für 2020 geplante neue Kita am Schützenplatz wird diesen Bedarf nicht decken können“, meint Stadtsprecher André Wucht. „Sie ist lediglich für 30 Krippen-, 60 Kita- und 75 Hortkinder konzipiert.“

Damit kommt die avisierte Schließung der Weigang-Krippe nicht länger in Frage. Sie müsse vielmehr ertüchtigt werden und mindestens bis 2027 in Betrieb bleiben, hieß es.

In Bezug auf den Schiller-Kindergarten an der Dr.-Peter-Jordan-Straße soll über eine Erweiterung nachgedacht werden. André Wucht: „Trotz aller Maßnahmen sind die Stadträte gefordert, sich Gedanken über den Neubau einer weiteren Betreuungseinrichtung zu machen.“ Kritik kommt indes von der FDP. „In dem Bedarfsplan sind Dinge aufgelistet, für die bislang keine Stadtratsbeschlüsse vorliegen“, moniert Mike Hauschild.

Um die Personal- und Betriebskosten zu decken, stehen im aktuellen Haushalt etwa 15,5 Millionen Euro zur Verfügung. Allein acht Millionen davon sind für freie Träger vorgesehen, deren Kosten durch die Stadt zu einem Großteil übernommen werden. Die Spanne reicht dabei von 97,5 bis 100 Prozent. Sollte die Verwaltung ihre geplanten Vorhaben im Stadtrat durchbringen, werden die kommunalen Ausgaben aller Voraussicht nach weiter steigen. Schon jetzt kostet ein Platz bei einer durchschnittlichen Betreuung von neun Stunden am Tag circa 1.000 Euro. Lediglich elf Prozent steuern die Eltern bei, den Rest trägt die Kommune. Auch bei diesem Niveau wird es nicht bleiben, schränkt der Stadtsprecher ein. „Die Bundesgesetzgebung hat beispielsweise aktuell den Betreuungsschlüssel in Krippen von 6 auf 5 Kinder pro Erzieher geändert. Für Kindergärten gab es diese Veränderung schon in den Jahren 2015 und 2016. Das bedeutet definitiv mehr Personal – gut für die Kinder aber eben auch nicht umsonst.“

Unterm Strich bedeutet das: Höchstwahrscheinlich werden Eltern ab dem kommenden Jahr nicht um eine Angleichung der Kitabeiträge herumkommen. Wie genau die aussehen könnte, ist noch zu klären. In diesem Zusammenhang setzt das Rathaus auf eine Kooperation mit Stadtrat und Eltern. Sie sollen dabei helfen, die von der Verwaltung noch zu unterbreitenden Lösungsvorschläge mit auf den Weg zu bringen.

„Das ist kein leichtes Stück Arbeit“, weiß André Wucht, „aber eine zwingend notwendige Investition in die Zukunft unserer Stadt.“            

Redaktion / 17.04.2017

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