Der Bautzener Kornmarkt wird zur Ausgrabungsstätte - zumindest teilweise. Archäologen haben bei Voruntersuchungen Hinweise auf historische Funde aus dem frühen 15. Jahrhundert gefunden.
Konkret handelt es sich um eine Brandschicht in einer kleinen Ecke des Kornmarktes. Als Brandschicht bezeichnet man in der Archäologie ein Erdpaket, das hauptsächlich durch das Verbrennen von Gegenständen oder Gebäuden entstanden ist.
Stefan Krabath vom Landesamt für Archäologie in Sachsen nimmt an, dass es sich dabei um Überreste nach dem Hussitenangriff handelt. "Wir hoffen natürlich, auf eine Kloake zu stoßen", sagt der Archäologe. In den Fäkaliengruben wurden nicht nur Essensreste sondern praktisch der gesamte Restmüll eines Haushalts, wie Scherben, Haushaltsgegenstände und ähnliches, entsorgt. Sie sind deshalb für Archäologen interessante Zeitzeugen. Da auch Geschirr der Mode unterliege könne man anhand der Muster und Gestaltung zum Beispiel Rückschlüsse auf die Herkunft ähnlicher Gegenstände an anderen Fundorten ziehen. "Eine recht genaue Datierung wird möglich", so Krabath.
An der Stelle, auf der das ehemalige Hochhaus erbaut worden war, haben die Archäologen nichts gefunden. "Das ist alles ausgekoffert worden, dort gab es nur noch Betonstücke, mit denen anschließend verfüllt wurde", erzählt Lutz Jansen, der die Grabung vor Ort leitet.
Für den Investor - die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft mbH (BWB), die hier ein Wohn- und Geschäftshaus errichten will, könnte der Fund Verzögerungen bedeuten. "Das ist aber nicht automatisch so", stellt Stefan Krabath klar. Vielmehr müsse man sich nun abstimmen und eine Kompromisslösung finden.
Zu klären sei, wann spätest möglicher Baubeginn sein könne, ob Bau und Grabung sich teilweise überschneiden könnten und vor allem, wie tief man überhaupt graben müsse, um die Schicht freizulegen und zu untersuchen. Dass es hier zu einer Einigung kommt, daran zweifelt Krabath nicht, der die BWB lobt: "Der Investor ist bereits lange im Vorfeld wegen der Untersuchungen auf uns zugekommen."