Bleibt es bei der angekündigten Änderung der GEMA-Tarife, rechnen viele Veranstalter in der Region mit dem Aus für ihre Feste und Partys im kommenden Jahr. Der Oberlausitzer Kurier hat sich umgehört.
Anfang des Jahres informierte die GEMA über eine ab 2013 geltende "einfachere und transparentere Tarifstruktur". Angekündigt wird in dem Schreiben auch, dass 60 Prozent aller Veranstaltungen nach dem neuen Tarif günstiger werden oder genauso viel Gebühren kosten, wie heute. Doch die Veranstalter in Deutschland befürchten eine deutliche Steigerung der zu bezahlenden GEMA-Gebühren. Der Ausgang des beim Deutschen Patent- und Markenamt laufenden Schlichtungsverfahren ist noch nicht absehbar. Deshalb werden die Tarife trotz aller Proteste zum 1. Januar 2013 wirksam. Der Oberlausitzer Kurier hat Veranstaltern nach ihren Einschätzungen gefragt.
Bernd Kluwe vom Kulturverein Ohorn erklärt: "Wenn wir das sechs- bis zehnfache der heutigen Summe an die GEMA bezahlen müssten, ist ein Dorffest nicht mehr durchführbar." Ihn selbst wird es nicht mehr betreffen. Nach fast 30 Jahren zieht er sich als Organisationsleiter nach dem 25. Dorffest in diesem Jahr zurück. Doch für die Nachfolger werde es schwer.
Heiko Düring, Chef des Bischofswerdaer "Eastclub" glaubt nicht, dass die GEMA mit diesem Tarifmodell durchkommt. "Sie werden einlenken müssen", so Düring. Für ihn bedeutet das neue Gebührenmodell eine deutliche Kostenerhöhung, die existenzbedrohend ist. Für Großveranstalter mag es funktionieren, aber für kleine Veranstalter und die Clubszene bedeutet es das Aus. Und weil sich Heiko Düring nicht vorstellen kann, dass man in Berlin ein Sterben der Szeneclubs zulassen will, glaubt er, dass die GEMA ihre Forderungen zurückschrauben wird.
Die GEMA ist die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte.
Als Verwertungsgesellschaft vertritt sie die Nutzungsrecht, die sich aus dem Urheberrecht derjenigen Komponisten, Textdichtern und Verlegern von Musikwerken ergeben, die bei der GEMA organisiert sind.
Rund 64.000 Komponisten, Textdichter und Verleger aus Deutschland gehören der GEMA an. Hinzu kommen noch rund 2 Millionen Berechtigte im Ausland.
Veranstalter Thomas Träber sieht in den neuen GEMA-Tarifen ein "ganz großes Problem". Wenn die GEMA nach neuer Regelung zehn Prozent des Eintrittspreises haben wolle, bedeutet dies für ihn, dass er das vier bis sechsfache der aktuellen Gebühren an die GEMA bezahlen muss. Bei der Schlossparty in Oberlichtenau mit rund 3.000 Besuchern sei dies vielleicht noch zu verkraften. Hier müsse man sparen und können durch finanzkräftige Sponsoren einiges ausgleichen. Für die Partyreihe "Main Event" im Lindengasthof Oberlichtenau gilt dies nicht. Schon jetzt müsse er teure Akts bieten, damit überhaupt jemand zur Party kommt.
An den Eintrittspreisen hat sich aber seit Jahren kaum etwas geändert. "Sechs Euro sind für Jugendliche zwischen 18 und 23 Jahren die Schmerzgrenze", so Träber, der seit 2004 Disco- und Tanzveranstaltungen organisiert. Er prognostiziert große Einschnitte, wenn die GEMA-Gebühren wie angekündigt eingeführt werden und stellt seine eigenen Jugendveranstaltungen zur Disposition. Die höheren Kosten seien durch höhere Eintritts- oder Getränkepreise nicht auszugleichen.
Roland Kaiser Double Torsten Dehnert hat bis jetzt noch keine Änderungen bei den Buchungen für das kommende Jahr bemerkt. Er selbst führt keine Gebühren an die GEMA ab. Bei öffentlichen Auftritten ist dies Aufgabe des Veranstalters und im privaten Rahmen, wo der Königsbrücker viele Termine absolviert, ist dies nicht nötig.
Auch der Königsbrücker Carnevalsclub hat im Januar die Information der GEMA zu den neuen Tarifen bekommen. Präsident Marko Anders schlussfolgert für den KCC, dass man keine Veranstaltungen organisieren brauche, wenn alles eingenommene Geld an die GEMA geht. Schon jetzt sei es beim Kinder- und Rentnerfasching grenzwertig. Doch als ortsansässiger Karnevalsverein fühlt sich der KCC verpflichtet, seinen Anteil zum kulturellen Angebot beizutragen.
Es sieht also nicht gut aus für die Unterhaltungskultur im kommenden Jahr. Bleibt zu hoffen, dass das Schiedsverfahren einen fairen Schiedsspruch bringt. Thomas Träber jedenfalls unterstützt die Proteste, die Veranstalter und Künstler angeschoben haben.
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