18.02.2012
GÖRLITZ
Königshufen wird zur Gartenstadt
FRANK-UWE MICHEL

So wie die von der Wohnungsgenossenschaft in ihrer Höhe dezimierten Häuser (links) will es auch die Wohnungsgesellschaft 2012/13 mit dem Großteil ihres Bestandes in Königshufen machen: Verringerung der Gebäudehöhe um zwei bis drei Etagen.

In einigen Wochen beginnt Königshufen, sein Aussehen weiter zu verändern. Denn im Frühjahr, spätestens Sommer, wird im Auftrag der Wohnungsbaugesellschaft die Zahl der Etagen in mehreren Blöcken reduziert. Insgesamt sollen bis Ende 2013 mehr als 800 Wohneinheiten verschwinden.

Bei der Görlitzer Wohnungsbaugesellschaft hat man Großes vor in diesem und im nächsten Jahr. Bis zu 13 Millionen Euro nimmt das Unternehmen in die Hand, um sie in den Rückbau zu investieren. Allerdings wird nur in einem Fall komplett abgerissen: In der Gersdorfstraße verschwindet ein ganzer Block. Grund ist der zu geringe Vermietungsstand. Den gibt es zwar auch anderswo, doch dort wird die vorhandene Substanz lediglich reduziert. "Wir tragen zwei oder drei Etagen ab, verringern damit unseren Leerstand und schaffen gleichzeitig ein angenehmeres Wohnambiente", erläutert Arne Myckert. Ende 2013 werde man dann insgesamt rund 1.100 Wohnungen vom Markt genommen haben. "Eine für unsere Gesellschaftsgröße erstaunliche Zahl", sagt der WBG-Chef.
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Die Auswahl der betreffenden Blöcke habe man sich nicht leicht gemacht. "Grundlage waren natürlich die Vermietungserfolge. Wir haben uns aber auch damit beschäftigt, welche Lagen bei vergleichbarem Sanierungszustand besser nachgefragt werden als andere. Zum Beispiel war der Blick über das Kidrontal ein bedeutender Aspekt für das Abschneiden in der Beliebtheitsskala", weiß der Geschäftsführer der kommunalen Gesellschaft.

Welche Blöcke nun in den nächsten Monaten um die oberen Etagen reduziert werden, steht in Gänze noch nicht fest. Klar ist, dass der Rückbau "im Frühjahr oder Sommer" – so Myckert – am Nordring beginnt. Dort wurden die noch verbliebenen Mieter in den betreffenden Etagen bereits gekündigt und bei der Suche nach anderem Wohnraum unterstützt.

Insgesamt sind etwa 400 Haushalte von einem Umzug betroffen. Einige wissen offiziell noch gar nichts davon, werden aber spätestens bis Ende Februar informiert. "Wir haben dafür die Form von Mieterversammlungen in kleiner Runde gewählt, um mit den Leuten möglichst individuell zu sprechen. Denn trotz der Unannehmlichkeiten wollen ja, dass sie unsere Mieter bleiben", bekräftigt der WBG-Chef. 270 Umsetzungen sind bereits erfolgt, weitere stehen in den nächsten Monaten an.

Mit dem Rückbau um zwei oder drei Etagen bekommt Königshufen den Charakter einer Gartenstadt. Als solche werden Wohnareale mit zwei- bis viergeschossigen Gebäuden bezeichnet, in denen Bäume die Dächer überragen und damit den Eindruck einer grünen Oase vermitteln. "Dieser Stadtteil wird sich komplett verändern und eine viel höhere Attraktivität bekommen", ist sich Arne Myckert sicher. Und er macht das an mehreren Argumenten fest. "Je größer die Blöcke, je anonymer das Umfeld, je geringer die sozialen Kontakte, desto höher ist das gefühlte Risiko, Opfer von Straftaten zu werden. Mit der gedrungeneren Bauweise schaffen wir ein stärkeres Sicherheitsempfinden." Außerdem würden die Strukturen einen ländlichen Charakter bekommen. Und schließlich gebe es durch die verringerten Gebäudehöhen mehr Licht. "Das steigert die Aufenthaltsqualität und ist auch für ältere Menschen attraktiv." Fahrstühle seien in Anschaffung und Unterhaltung für die Vielzahl der Blöcke nicht zu finanzieren, nach dem Teilabriss aber auch nicht mehr notwendig.Im Moment werden die Ausschreibungen fortgeführt, damit in einigen Wochen mit den Arbeiten begonnen werden kann. Zum Zuge kommen regionale Firmen, die sich auf geschossweisen Rückbau spezialisiert haben. Dadurch wird die zügige Abwicklung garantiert: Lediglich einen Monat brauchen die Unternehmen für den Abriss von drei Etagen eines vier Aufgänge umfassenden Gebäudes.

Prägendes Bauteil in dieser Zeit wird die jeweilige Notüberdachung sein. "Das ist ein belastbares Schutzdach, mit dem der Block bei schlechtem Wetter schnell abgedeckt werden kann", erläutert Myckert. Während des Rückbaus können die Mieter in den verbleibenden Etagen weiter wohnen. Allerdings müssen aus Sicherheitsgründen immer zwei Stockwerke frei bleiben zwischen Wohn- und Arbeitsebene. Für die Bewohner bedeutet dies, stunden- oder tageweise "Auszeiten" zu nehmen. Nach dem Teilabriss wird den Blöcken ein neues, gedämmtes Dach gegönnt. "Wir haben im Vorfeld verschiedene Dachformen untersucht und riesige Kostenunterschiede festgestellt. Deshalb bleiben wir bei der flachen Form, zumal durch die Reduzierung auf etwa die Hälfte der Mieter in den Kellern genügend Stauraum zur Verfügung steht", erläutert der WBG-Geschäftsführer.

Der geschossweise Rückbau ist eine typisch Görlitzer Besonderheit. Während man in anderen Städten wie Zittau, Hoyerswerda oder Weißwasser auf den Komplettabriss setzte und noch setzt, wird in der Neißestadt die Siedlungsstrukturen erhalten und lediglich die Wohndichte ausgedünnt. Was nicht unbedingt kostengünstig ist. Während für den Komplettrückbau 50 Euro je Quadratmeter aufzuwenden sind, sind es bei der Geschossreduzierung stolze 250 Euro. Ehe die Förderquelle Ende 2013 versiegt, wird in den nächsten Monaten also noch kräftig in den Stadtumbau investiert.


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