Seit Anfang des Jahres arbeitet das Jobcenter des Landkreises Görlitz. Und kümmert sich um die Belange von rund 35.500 Menschen, die vom SGB II betroffen sind. Die Problemfelder sind jedoch äußerst vielgestaltig, wie Behördenchef Eberhard Nagel sagt.
Die neue Super-Behörde des Landkreises ist nach Aussage der zweiten Beigeordneten Martina Weber in drei Bereiche unterteilt: Eingliederung, Leistung und innerer Service. Damit will man die Betreuung der betroffenen Personen optimieren. Die Aufbauorganisation bleibt noch eine Weile bestehen, um die Arbeit des Jobcenters, mit dem die bisher unterschiedlichen Modelle der früheren Kreise zusammengeführt worden sind, zu begleiten.
Von den 504 Planstellen sind derzeit 470 besetzt, sodass es nach Auskunft Nagels in den nächsten Monaten einige Ausschreibungen geben wird. Gesucht werden Besetzungen für befristete Stellen, mit denen man flexibel auf die zahlenmäßige Entwicklung der zu betreuenden Bedarfsgemeinschaften reagieren will. Die Schulungen der aktuell im Jobcenter angestellten Beschäftigten sei nahezu abgeschlossen, die neue Infrastruktur und die Computerprogramme arbeiteten reibungslos, so Nagel. "Man kann sagen, dass wir relativ stolperfrei in das Jahr 2012 gestartet sind."
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Das Jobcenter des Landkreises Görlitz betreut nach aktuellem Stand 19.719 Bedarfsgemeinschaften mit einem errechneten Durchschnittswert von 1,8 Personen, insgesamt also knapp 35.500. 26.600 davon sind erwerbsfähig und leistungsberechtigt. 7.932 – hauptsächlich Kinder – zählen in die Kategorie "nicht erwerbsfähig und leistungsberechtigt". Unter den Betreuten sind knapp 3.000 alleinerziehende Frauen, die wegen dieses Status' als beschränkt einsatzfähig gelten.
Nach Auskunft Nagels gibt es 8.713 erwerbstätige SGB II-Bezieher, die von der Behörde einen Aufstockerbetrag bekommen. "Damit sind wir Spitzenreiter in Sachsen. Trotzdem werden wir die Vermittlung in Mini-Jobs fortsetzen, denn eine solche Stelle ist immer noch besser als gar keine", findet er. Darüber hinaus seien 922 so genannte Ergänzer registriert – Personen, die trotz Vollbeschäftigung nicht genug verdienen. Dies sind hauptsächlich Kleingewerbetreibende aus der Tourismusbranche, aus Gastronomie und Landwirtschaft.
Unter den rund 35.500 Klienten des Jobcenters befinden sich etwa 3.700 Jugendliche unter 25 Jahren. Der Großteil davon, ungefähr 2.900, absolviert Qualifizierungsmaßnahmen in Vorbereitung auf das Arbeitsleben. Der Rest, also 800, ist direkt arbeitslos. Und stellt ein großes Problem für die Behörde dar. In einer Chancenwerkstatt mit Standorten in Markersdorf für den hauswirtschaftlichen Bereich, in Görlitz-Rauschwalde mit einer Holz- und Metallwerkstatt und in Biesig bei Reichenbach mit Landwirtschaft und Gartenbau werden die Jugendlichen laut Eberhard Nagel "an soziale Spielregeln gewöhnt". Dazu sei ein erheblicher Einsatz von sozialpädagogisch geschulten Fachkräften nötig. Trotzdem liege die Erfolgsquote nur bei zehn bis 15 Prozent. "Für uns ist das aber schon ein großer Erfolg. Denn niemand soll allein gelassen werden." Viele der Betroffenen hätten Motivationsprobleme und litten unter Perspektivlosigkeit. Hinzu kämen Schulden, Sucht und Kriminalität. Deshalb sei es ein weiter Weg, in geordnete Arbeitsverhältnisse zu kommen.





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