17.02.2012
LANDKREIS GÖRLITZ
Jobcenter startet stolperfrei ins Jahr
FRANK-UWE MICHEL

Seit Anfang des Jahres arbeitet das Jobcenter des Landkreises Görlitz. Und kümmert sich um die Belange von rund 35.500 Menschen, die vom SGB II betroffen sind. Die Problemfelder sind jedoch äußerst vielgestaltig, wie Behördenchef Eberhard Nagel sagt.

Die neue Super-Behörde des Landkreises ist nach Aussage der zweiten Beigeordneten Martina Weber in drei Bereiche unterteilt: Eingliederung, Leistung und innerer Service. Damit will man die Betreuung der betroffenen Personen optimieren. Die Aufbauorganisation bleibt noch eine Weile bestehen, um die Arbeit des Jobcenters, mit dem die bisher unterschiedlichen Modelle der früheren Kreise zusammengeführt worden sind, zu begleiten.
Von den 504 Planstellen sind derzeit 470 besetzt, sodass es nach Auskunft Nagels in den nächsten Monaten einige Ausschreibungen geben wird. Gesucht werden Besetzungen für befristete Stellen, mit denen man flexibel auf die zahlenmäßige Entwicklung der zu betreuenden Bedarfsgemeinschaften reagieren will. Die Schulungen der aktuell im Jobcenter angestellten Beschäftigten sei nahezu abgeschlossen, die neue Infrastruktur und die Computerprogramme arbeiteten reibungslos, so Nagel. "Man kann sagen, dass wir relativ stolperfrei in das Jahr 2012 gestartet sind."
ANZEIGE



Das Jobcenter des Landkreises Görlitz betreut nach aktuellem Stand 19.719 Bedarfsgemeinschaften mit einem errechneten Durchschnittswert von 1,8 Personen, insgesamt also knapp 35.500. 26.600 davon sind erwerbsfähig und leistungsberechtigt. 7.932 – hauptsächlich Kinder – zählen in die Kategorie "nicht erwerbsfähig und leistungsberechtigt". Unter den Betreuten sind knapp 3.000 alleinerziehende Frauen, die wegen dieses Status' als beschränkt einsatzfähig gelten.

Nach Auskunft Nagels gibt es 8.713 erwerbstätige SGB II-Bezieher, die von der Behörde einen Aufstockerbetrag bekommen. "Damit sind wir Spitzenreiter in Sachsen. Trotzdem werden wir die Vermittlung in Mini-Jobs fortsetzen, denn eine solche Stelle ist immer noch besser als gar keine", findet er. Darüber hinaus seien 922 so genannte Ergänzer registriert – Personen, die trotz Vollbeschäftigung nicht genug verdienen. Dies sind hauptsächlich Kleingewerbetreibende aus der Tourismusbranche, aus Gastronomie und Landwirtschaft.

Unter den rund 35.500 Klienten des Jobcenters befinden sich etwa 3.700 Jugendliche unter 25 Jahren. Der Großteil davon, ungefähr 2.900, absolviert Qualifizierungsmaßnahmen in Vorbereitung auf das Arbeitsleben. Der Rest, also 800, ist direkt arbeitslos. Und stellt ein großes Problem für die Behörde dar. In einer Chancenwerkstatt mit Standorten in Markersdorf für den hauswirtschaftlichen Bereich, in Görlitz-Rauschwalde mit einer Holz- und Metallwerkstatt und in Biesig bei Reichenbach mit Landwirtschaft und Gartenbau werden die Jugendlichen laut Eberhard Nagel "an soziale Spielregeln gewöhnt". Dazu sei ein erheblicher Einsatz von sozialpädagogisch geschulten Fachkräften nötig. Trotzdem liege die Erfolgsquote nur bei zehn bis 15 Prozent. "Für uns ist das aber schon ein großer Erfolg. Denn niemand soll allein gelassen werden." Viele der Betroffenen hätten Motivationsprobleme und litten unter Perspektivlosigkeit. Hinzu kämen Schulden, Sucht und Kriminalität. Deshalb sei es ein weiter Weg, in geordnete Arbeitsverhältnisse zu kommen.


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.




Meistgeklickt


Stadtrat setzt Görlitzer Wirtschaftsförderer ab
Der Görlitzer Stadtrat hat auf seiner Sitzung am späten Donnerstagabend Oberbürgermeister Siegfried Deinege beauftragt... mehr

Großinvestor kommt nach Kodersdorf
Mit dem Leichtmetallfelgenhersteller Borbet hat die Gemeinde Kodersdorf einen weiteren Großinvestor "an Land" gezogen. Auf einer Fläche von 12... mehr

Schönheitspflege für T-Rex & Co
Pünktlich zu den ersten Sonnenstrahlen erwachen auch die Dinosaurier im Saurierpark bei Bautzen so langsam aus dem Winterschlaf. Derzeit werden die... mehr

Zwischen Günter Wallraff und Pegida
Die Enthüllungen von Günter Wallraff über die Gepflogenheiten in den Jobcentern Süddeutschlands haben erschüttert - die Oberlausitz steht aber vor... mehr

Stau am Freitagmorgen auf der A4
Geduld brauchten die Pendler am Freitagmorgen auf dem Weg über die Autobahn nach Dresden. Vor dem Dreieck Dresden waren vor 7.30 Uhr ein Transporter... mehr

Brauchen wir den Bestattungswald?
mit 42 Kommentaren

In der "Umfrage der Woche" wollen wir wissen, wie Sie über aktuelle Themen denken. In unserer zurückliegenden Umfrage wollten wir von Ihnen wissen... mehr

Zwischen Günter Wallraff und Pegida
mit 4 Kommentaren

Die Enthüllungen von Günter Wallraff über die Gepflogenheiten in den Jobcentern Süddeutschlands haben erschüttert - die Oberlausitz steht aber vor... mehr

Größter Wunsch: Fahrzeug für Ausflüge mit Marie
mit 65 Kommentaren

Die Familie möchte mit der schwerstkranken Marie mehr Ausflüge machen und braucht dafür Hilfe. Ideal wäre ein Fahrzeug... mehr

Waldmensch Öff! Öff! zu Gast in der Olaf Schubert-Show
mit 56 Kommentaren

Der Smalltalk zwischen diesen beiden Typen kann ja heiter werden. Jürgen Wagner,  alias Waldmensch Öff! Öff!... mehr

Tausch: Unternehmer gegen Asylbewerber
mit 35 Kommentaren

Asylbewerber statt Unternehmer – auf diese einfache Formel lassen sich die Pläne des Landratsamtes bringen... mehr


Anzeige
Frage der Woche
In der neuen Umfrage geht es um den verkaufsoffenen Sonntag. In einigen Städten wird derzeit heftig diskutiert, ob es mehr verkaufsoffene Sonntage im Jahr geben sollte. In Görlitz hat der Stadtrat drei Daten festgelegt, an denen die Bürger auch sonntags einkaufen können. In Bautzen werden in diesem Jahr lediglich am 20. Dezember auch sonntags die Geschäfte offen sein. Nun wollen wir wissen, wie Sie zu dem Thema stehen. Brauchen wir mehr verkaufsoffene Sonntage in der Oberlausitz?





Webcam Bautzen
Bautzen - Kornmarkt

Vor dem Jahr 1999 stand an dieser Stelle ein Hochhaus mit 13 Etagen. Nach dessen Rückbau wurde die Fläche mehrere Jahre als Parkplatz genutzt. Seit wenigen Wochen nun befindet sich hier ein imposanter Gebäudekomplex mit rund 5.500 Quadratmeter Nutzfläche für Büros, Geschäfte und Wohnungen.