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Wie weiter mit den Schwesternhäusern?

Wie weiter mit den Schwesternhäusern?

Der Verein Schwesternhaus Kleinwelka und sein Vorsitzender Lutz Wolfram Reiter werden bei der Wiedernutzbarmachung des Ensembles einen noch längeren Atem benötigen als bislang vermutet.

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Der Schwesternhaus-Verein möchte gern an den Kleinwelkaer Missionar und Seereisenden Johann August Miertsching erinnern (das Schiffsmodell stellt nicht die „Investigator“ dar, auf der er in der Arktis unterwegs war.) Foto: Lausitzwelle

Mit der Rücknahme des Interreg-Förderantrages haben Eigentümer und Verein einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Doch sie lassen sich nicht entmutigen und bereiten schon ein neues Projekt vor. 

Kleinwelka. Der kleine Ort Kleinwelka, etwa drei Kilometer nördlich von Bautzen an der B 96 gelegen, birgt in seinem Zentrum einen Schatz, der noch weithin unbekannt ist: Die Schwesternhäuser der Herrnhuter Brüder-Unität wurden 2023 von der EU-Kommission auf die „Liste der am stärksten gefährdeten Kulturdenkmäler“ aufgenommen. Doch was hat es mit diesen Häusern auf sich? Lutz Wolfram Reiter, Vorsitzender des Vereins Schwesternhaus Kleinwelka, kann dazu am besten Auskunft geben: „Die Schwesternhäuser sind der Wohnort der ledigen Schwestern.

Diese Häuser waren eine Art Sozialversicherung in Zeiten eines Strukturwandels, den es auch damals im Zuge der Industrialisierung schon gab. Hier hatte man die Möglichkeit eines gesicherten und geordneten Lebens bis ins hohe Alter.“ Die Besonderheit an dem Kleinwelkaer Schwesternhäuser-Ensemble besteht darin, dass seine Nutzung nie verändert wurde. In allen anderen Herrnhuter Siedlungen zogen die Schwestern mehrmals um, nicht so in Kleinwelka. Diese Authentizität versucht der Verein zu erhalten und erlebbar zu machen. Dabei hat er auch durchaus schon wichtige Erfolge zu verzeichnen: „Das Dach war aufgrund von 20 Jahren Leerstand sehr marode geworden. Es gab Nassstellen, und die Feuchtigkeit zersetzte das Holz des Dachstuhls. Es war so stark vom Schwamm befallen, dass das Dach einzustürzen drohte.“ Durch eine Bundesförderung gelang es der Evangelischen Brüder-Unität (EBU) als Eigentümerin und dem Verein, dass Dach denkmalgerecht und mit historischen Materialien so weit zu sanieren, dass es nicht mehr Einsturz gefährdet ist. Allerdings reichten die Mittel nicht für das gesamte Dach: „Am Chorhaus, an den Nebengebäuden und an dem von außen einsehbaren Vorderbereich konnte das Dach noch nicht saniert werden“, so Lutz Wolfram Reiter. 

Und weiter: „Dies ist insofern bedauerlich, als dass für einen Betrachter der Eindruck entstehen könnte, es sei noch gar nichts passiert.“ Doch weitaus bedauerlicher ist für den Verein die jüngste Entwicklung, die ihn in seinen Bemühungen weit zurückwirft. Lutz Wolfram Reiter berichtet dazu: „Es ging um europäische Interreg-Fördermittel, um die wir uns zusammen mit der EBU und zwei Partnern in Tschechien beworben hatten. Die Idee bestand darin, das Erdgeschoss des ersten Schwesternhauses mit dem Anbau soweit herzurichten, dass man es dauerhaft und sicher für Veranstaltungen nutzen kann.“ In diesem Zuge wären auch drei feste Arbeitsplätze entstanden. Aufgrund der bis dahin empfangenen Signale hatte der Schwesternhaus-Verein fest damit gerechnet, diese Förderung zu erhalten. Doch dann geschah folgendes: „Aufgrund der gemeinsamen Beantragung mit der EBU befanden wir uns in einem besonderen Konstrukt, das wir dem Entscheidungsgremien erläutert und für das wir auch Zustimmung signalisiert bekommen hatten. Doch auf der letzten Sitzung vor der Entscheidung, nach drei Jahren, hieß es plötzlich, dass unser Konstrukt nicht förderfähig sei.“ Es müsse alles umgeplant und von den beantragten 2,1 Millionen eine Million Euro eingespart werden – und das innerhalb von vier Tagen. Lutz Wolfram Reiter: „Das war einfach utopisch. Wir haben dann nochmals das Gespräch gesucht, doch bekamen klar gesagt, dass es unser Fehler sei. Daraufhin blieb uns nur noch, die Reißleine zu ziehen.“

Durch diese Entwicklung ist nun auch das geplante Anschlussprojekt in Gefahr, das dafür sorgen soll, dass die instandgesetzten Gebäudeteile in Nutzung kommen. Im Mittelpunkt dieses Bildungsprojektes steht der sorbische Missionar Johann August Miertsching, der als profunder Kenner der Inuit-Kultur und Sprachmittler an der Expedition zur Rettung von Sir John Franklin teilnahm, welche die Nordwestpassage durch die Arktis entdeckte. Miertsching lebte lange in Kleinwelka und ist auch hier begraben. Der Verein versucht nun, dieses Projekt, das aus dem Stark-Programm der Bundesregierung gefördert werden soll, zu retten und mit Teilen des Vorgängerprojektes zu kombinieren. Die Erfolgsaussichten sind jedoch ungewiss. Gewiss ist allerdings ein anderes, kleineres Projekt, das bereits im kommenden Sommer zum Tragen kommt: „Wir wollen im Hofbereich mithilfe von bereits bewilligten Leader-Fördermitteln einen überdachten Raum als Sommercafé mit eigener Küchenzeile ausbauen. So können wir den Gästen zumindest am Wochenende eine Möglichkeit bieten, sich bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen hinzusetzen und noch tiefer über das Gesehene zu informieren.“ Der Schwesternhaus-Verein lässt sich also nicht entmutigen. Allerdings braucht er noch mehr Ehrenamtliche, die sich mit engagieren. Interessenten sind jederzeit gern gesehen.

Uwe Menschner / 07.02.2026

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