21.04.2012
ZITTAU
Wer wird einmal Ratsuhrmacher?
STEFFEN LINKE

Ratsuhrmacher Guido Hannig überprüft die Blumenuhr an der Fleischerbastei. Es ist sein Ego, dass alle öffentliche Uhren von Zittau richtig gehen. | Steffen Linke

Guido Hannig (65 Jahre), Ratsuhrmacher der Stadt Zittau, schlägt zwar zurzeit noch keinen Alarm. Doch in der Perspektive müsse ein Nachfolger für dieses vom Rat berufene Amt gefunden werden. Aber wer soll es einmal machen?

Guido Hannig selbst kümmert sich seit 1987 als offizieller Nachfolger des damaligen Ratsuhrmachers Wolfgang Böhmig um verschiedene öffentliche Uhren in Zittau wie zum Beispiel die des Rathauses, die von städtischen Schulen und natürlich die  Blumenuhr. Früher seien es von der Anzahl her mehr gewesen. Doch etliche Gebäude seien mittlerweile privatisiert worden. In den Anfangsjahren habe bei seiner Arbeit noch die Mechanik im Vordergrund gestanden.
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"Ich musste die Uhren aufziehen, warten und pflegen", sagt er.  Die Rathausuhr zum Beispiel funktionierte zu jener Zeit zweieinhalb Tage, die Uhr der Klosterkirche drei Tage. "Ich musste dann mit der Kurbel zentnerschwere Gewichte hinaufziehen." Und er fügt hinzu: "Wenn meine Frau und ich  mal in den Urlaub fahren wollten, kümmerte sich unser Sohn darum."

Guido Hannig gibt ehrlich zu: "Ich habe es auch mal vergessen, die Uhren aufzuziehen, weil ich einfach nicht daran gedacht habe." Damit sei in Zittau die Zeit stehen geblieben. Der Ratsuhrmacher erhielt aus diesem Grund damals ganz schnell das "Echo" der Bürger. "Denn die Leute sehen es als selbstverständlich an, dass die Uhren gehen." Und die Blumenuhr als Kleinod und Sehenswürdigkeit von Zittau müsse sowieso immer "in Schuss" sein. "Das ist natürlich auch mein Ego", sagt er.

Gudio Hannig muss heutzutage nur noch selten die Uhren warten, weil vor einigen Jahren auf Funkbetrieb umgestellt worden war. | Steffen Linke

In den 90er Jahren sind die Uhren dann schrittweise auf Funk umgebaut worden. Die Arbeit von Guido Hannig habe sich dadurch total gewandelt, "weil die Uhren seither nur noch ein- bzw. zweimal im Jahr gewartet werden müssen – speziell am Rotor und dem Getriebe. Ich schmiere Zeigerwerke und Wellen mit speziellem Fett ab, brauche die Uhren aber nicht mehr aufzuziehen oder zu stellen."
Der Ratsuhrmacher wird nach einem Stundenvertrag für die entsprechenden Leistungen von der Stadt "ganz normal bezahlt". Und was ist nun, wenn sich nach der Ära Hannig niemand mehr dafür findet?

"Diese Arbeiten könnten heutzutage auch Elektronikfachleute übernehmen, auch wenn die Zeigerwerke grundsätzlich noch über Impulse mechanisch gesteuert werden. Oder die Stadt müsste dafür Aufträge auslösen", antwortet er. 

Guido Hannig würde sich aber freuen, wenn sich in der Perspektive nach alter Tradition auch ein vom Stadtrat ernannter Ratsuhrmacher um die öffentlichen Uhren in Zittau kümmert. Von der Altersstruktur her kommt wohl nur sein "Uhrmacherkollege" Udo Krostak, Inhaber des Geschäfts "Wilke – Uhren und Schmuck", in Frage. Doch diese Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Denn der 53-Jährige ist "beruflich voll ausgelastet." Ein Nachfolger als Ratsuhrmacher von Gudio Hannig scheint damit vorerst nicht in Sicht zu sein.


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