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Training für Ulan und Gero vor der Kutsche

Training für Ulan und Gero vor der Kutsche

Wallach Ulan ist eines der beiden Pferde, mit denen Sebastian Mikus an der diesjährigen Rammenauer Schloss- rundfahrt teilnimmt. Zurzeit trainiert er mindestens einmal pro Woche mit den Pferden Ulan und Gero das Gespannfahren.| Foto: kk

Gespannfahrer treffen sich zur Rammenauer Schlossrundfahrt in diesem Jahr am Sonntag, 5. Juni. Sebastian Mikus ist einer der jungen Fahrer und trotzdem schon seit vielen Jahren dabei.  

Rammenau/Bischofswerda. Mindestens einmal pro Woche trainiert Sebastian Mikus mit Ulan und Gero für die Rammenauer Schlossrundfahrt. Die beiden zwölf und 14 Jahren alten Wallache sind ein eingespieltes Team. Genau wie für den Gespannführer ist es für die Pferde nicht die erste Schlossrundfahrt.

In diesem Jahr – zur 19. Rundfahrt – führt die Strecke von Rammenau nach Burkau. Mittagshalt ist im Gewerbegebiet Burkau und von dort geht es ins Oberdorf und über den Semmering zurück zum Barockschloss. Die rund 24 Kilometer lange Strecke hat Sebastian Mikus ausgetüftelt. Er wird deshalb außerhalb der Wertung mit seiner Kutsche vornwegfahren. „So kann ich den Streckenposten noch Hinweise geben, welche Schilder etwas auffälliger positioniert werden müssen“, sagt der 28-Jährige. Er lenkt den Zweispänner gemeinsam mit seiner Schwester Juliane. Die maximal vier Plätze in der Kutsche sind den Sponsoren der Schlossrundfahrt vorbehalten.

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Doch einfach nur einsteigen und mitfahren, gilt nicht. Wer an der Rammenauer Schlossrundfahrt teilnimmt, muss sich, die Kutsche und die Pferde entsprechend in Schale werfen. Gewünscht sind komplette Schaubilder. Dabei ist es egal, ob eine hochherrschaftliche Kutsche oder ein Wirtschaftsgespann vom Schlosshof rollt. Wichtig sind zueinander passende Details, die entsprechend der Epoche gekleideten Mitfahrer und Kutscher sowie die farbliche Abstimmung der Blumen, Decken und der Fliegenschutz der Pferdeohren. Für die Damen und Herren ist eine Kopfbedeckung Pflicht. Ob Zylinder oder Melone variiert mit der Kutsche und der Anspann-
art. Die Damen haben völlig freie Hand.

Sebastian Mikus begleitet die Rammenauer Schlossrundfahrt seit seiner Kindheit. Damals fuhr er die Runde gemeinsam mit dem Opa, der sich als Rentner sein erstes eigens Pferd kaufte. „Seit ich vier, fünf Jahre alt bin, gibt es bei uns Pferde“, sagt der Bischofswerdaer. Und eigentlich wollte Sebastian Mikus lieber reiten als fahren. „Doch wenn man zum ersten Mal die Kraft der Tiere an der Deichsel gespürt hat, will man nichts anderes mehr“, sagt er.

Nachdem er mit 18 Jahren den Gespannführerschein bei der Landesfahrschule in Moritzburg abgelegt hatte, lenkte Sebastian Mikus zum ersten Mal eine Kutsche zur Schlossrundfahrt. Zuvor sorgte er als Streckenposten für die Sicherheit der Gespanne. Vor allem bei Auffahrten oder Querungen von Bundesstraßen sei es wichtig, den Gespannfahrern Hinweise zu geben, ob der Weg frei ist. Aber nicht allein die Fahrer müssen für die Kutschfahrt üben. Die Pferde werden „eingefahren“, das heißt, sie lernen das Laufen im Geschirr und die Berührung mit dem Zuggestänge an den Hinterbeinen, gewöhnen sich an große Lkw und schnelle Autos. Jedes Jahr vor der Schlossrundfahrt werden diese Erinnerungen aufgefrischt. Das wöchentliche Training ist außerdem für Kondition und Kraft der Tiere wichtig. Selbstverständlich gibt es auch entsprechend mehr Futter.

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In der Woche vor der Rundfahrt wird die Kutsche geputzt, das Geschirr gepflegt und die letzten Details für das Schaubild besorgt. Dabei helfen sich die Gespannfahrer und Familienmitglieder gegenseitig. Damit die Pferde vor der Kutsche wirklich schön sind, werden sie am Tag vor der Fahrt gewaschen, Schweif und Mähne gekämmt und geflochten. Und selbst der Rundfahrtstag beginnt zeitig. Um fünf in der Früh bekommen die Pferde ihr Futter, werden noch einmal gestriegelt und schließlich angespannt. In Ruhe geht es dann von Pickau nach Rammenau.

Etwa 30 Gespanne und rund 100 Pferde treffen hier aufeinander. Eine für die Pferde ungewohnte Situation. Jetzt ist die Erfahrung des Kutschers gefordert. Und selbst nach dem Start muss sich Sebastian Mikus weiter gut konzentrieren. „Als Gespannführer muss man viel vorausschauender fahren als mit einem Auto“, sagt er. Rückwärtsfahren ist nahezu unmöglich. Stattdessen müsse man die Pferde ausspannen und die Kutsche mit der Hand rumziehen. Selbst den Charakter der Pferde und ihre Persönlichkeit gelte es zu berücksichtigen. „Erst nach drei Kilometern werde ich wirklich ruhiger und kann die Fahrt genießen“, sagt der junge Mann.

Für den Tag der Schlossrundfahrt wünscht sich Sebastian Mikus vor allem keinen Regen. „Ideal wären 20 Grad Celsius, damit die Pferde nicht so stark schwitzen“, sagt er. Letztlich kommt es aber allein auf die richtige Kleidung an. Der 28-Jährige weiß, wovon er spricht. Als Erlebnispädagoge ist er mit dem Arbeitsplatz unterm freien Himmel vertraut.

Hinweis: Die Rammenauer Schlossrundfahrt findet am Sonntag, 5. Juni, statt. Start ist 9.00 Uhr im Meierhof des Barockschlosses. Gegen 14.00 Uhr erreichen die Gespanne wieder das Schloss. Um 15.00 Uhr werden die Sieger gekürt. Interessierte Gespannfahrer können sich beim Freizeit-Reitverein „Hufnagel“ anmelden, Telefon (03594) 70 13 65 oder 0171 789 24 81.

Katrin Kunipatz / 20.05.2016

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