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Wann kommt endlich der Citymanager?

Wann kommt endlich der Citymanager?

Matthias Schwarzbach, Leiter der Geschäftsstelle Zittau der Industrie- und Handelskammer Dresden, fordert zeitnah einen Citymanager in Zittau. Foto: IHK Zittau

Matthias Schwarzbach, Leiter der Industrie- und Handelskammer Geschäftsstelle Zittau, hält so genannte Citymanager in Löbau und Zittau für absolut notwendig, um die Innenstädte nachhaltig und lebenswert entwickeln zu können. Gerade in der Stadt Zittau scheint sein Einsatz nach großen Anstrengungen auf lokaler Ebene überreif zu sein. Steffen Linke, Redakteur des „Oberlausitzer Kurier“, befragte dazu den IHK-Chef.

In der Stadt Zittau sind gerade wieder Diskussionen um den Citymanager aufgekommen, dessen Einsatz vorerst nicht abzusehen ist. Wie ist denn Ihren Kenntnissen nach diesbezüglich der aktuelle Stand in der Stadt Löbau? 

Matthias Schwarzbach: Ja, der Projektfortschritt in Sachen Citymanagement (CM) in Zittau ist frustrierend und unverständlich zugleich. Was die Entwicklung eines CM für Löbau betrifft, hatten wir auf Initiative von Oberbürgermeister Dietmar Buchholz und auf Anregung von Einzelhändlern am 31. Mai 2016 eine Zusammenkunft aller am Prozess Interessierter. Hier kam es damals zu einem Bekenntnis für ein CM in Löbau, wohl wissend, dass der „Tag der Sachsen“ erst einmal alle Kräfte binden wird. So war es dann auch. Löbau war ein großartiger Gastgeber für das größte Volksfest im Freistaat Sachsen. Nun gilt es aber auch dort, in der Erfolgsspur zu bleiben. Zum einen hoffe ich auf Synergien aus dem „Tag der Sachsen“ für eine nachhaltige Entwicklung der Löbauer Innenstadt. Zum anderen beflügeln aus meiner Sicht kreative Aktionen der Initiative „LÖBAULEBT“ diese Zielsetzung.

Was hat es denn schon für Bemühungen gegeben, um in den Städten Löbau und Zittau einen Citymanager einsetzen zu können? 

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Matthias Schwarzbach: Die Funktionsstärkung der Innenstädte benötigt dauerhafte Managementfunktionen. In Löbau sind mir bisher keine weiteren Aktivitäten in dieser Richtung bekannt. In Zittau hingegen wird seit Jahren die Diskussion geführt, das ehrenamtliche Engagement professionell im Rahmen eines CM zu unterstützen. 

Matthias Schwarzbach: Mit der Amtseinführung von Oberbürgermeister Thomas Zenker haben die Händlergemeinschaft „Zittau – lebendige Stadt e.V.“, die Stadtverwaltung und wir als IHK-Geschäftsstelle in Zittau diesen Prozess vehement nach dem Motto „Wenn nicht jetzt, dann nie“ forciert. Wir haben mit einer Vielzahl von Partnern, die an einer nachhaltigen Entwicklung der Innenstadt ureigenes Interesse besitzen müssen, die Inhalte – sprich Aufgaben, Abgrenzung, Handlungsfelder und Erwartungen eines CM – für Zittau definiert, mögliche Organisationsstrukturen abgewogen, eine Finanzierung aufgebaut und in einem Konzept zusammengeschrieben. Ich bin echt froh und auch stolz, dass dieses Miteinander zwischen Händlergemeinschaft, Stadtverwaltung und der Stadtentwicklungsgesellschaft so konstruktiv gelungen ist. Der Verein „Zittau – lebendige Stadt e.V.“ als Projektträger ist quasi über seinen Schatten gesprungen und ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Die Stelle des CM soll zum Beispiel direkt beim Verein angegliedert werden. Die Stadt Zittau hat sich wiederum mit ihrer Stadtentwicklungsgesellschaft ins Zeug gelegt und im Rahmen des Förderantrages „Nachhaltige Stadtentwicklung EFRE 2014-2020 Zittau-Mitte, Teilprojekt Citymanager“ den Grundstock einer Finanzierung gesichert. Alles gut, könnte man meinen. 

An was hakt es denn aus Ihrer Sicht? 

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Matthias Schwarzbach: Seit gut anderthalb Jahren befinden sich die Stadt Zittau und die Stadtentwicklungsgesellschaft wegen der Bewilligung des Förderprogramms „EFRE Nachhaltige Stadtentwicklung“ im Gespräch mit den zuständigen Stellen in Dresden. Mal geht es um Rückfragen oder Nachforderungen, dann wiederum sind Bearbeiterwechsel zu verzeichnen. Alles das verzögert die Ausstellung des Bewilligungsbescheides – ich betone „des Zuwendungsbescheides“ – denn die Grundsatzentscheidung zur Förderung seitens der Staatsregierung ist bereits Anfang 2016 gefallen. Das können Sie den Händlern in Zittau, den Menschen auf der Straße nicht mehr vermitteln. Nach der Euphorie in den 90er Jahren wird Verwaltung in Deutschland immer träger und mittlerweile zum großen Teil von Juristen bestimmt. Das beobachten wir nicht nur bei diesem Projekt. Das gleiche „Spiel“ findet zum Beispiel beim Neubau der B178, beim Breitbandausbau oder bei der Elektrifizierung der Bahnstrecken statt. Die Trägheit von Institutionen macht leider auch einen Teil ihrer Autorität aus und lässt sie dabei arrogant wirken. Und das bekommen die Verantwortlichen obendrein zu spüren.

Wie kann die IHK-Geschäftsstelle Zittau die Großen Kreisstädte Löbau und Zittau in Sachen Citymanager konkret unterstützen? 

Matthias Schwarzbach: Wir sind Netzwerker und verfügen über eine Vielzahl von Kontakten in viele Ebenen. Gleichzeitig verfügen wir über kompetente Fachabteilungen in unserer Hauptgeschäftsstelle in Dresden. Wir können also mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir sehen uns vor allem aber als Moderator zwischen den Akteuren in diesem Prozess. Wir versuchen ebenfalls über unsere Informations- und Weiterbildungsangebote Impulse für unsere Gewerbetreibenden zur Verbesserung ihrer Wettbewerbssituation zu geben.

Wie wichtig wären aus Ihrer Sicht denn Citymanager für die Städte Löbau und Zittau? 

Matthias Schwarzbach: Es gibt in Löbau und Zittau eine Vielzahl von ehrenamtlichen Initiativen, um das Innenstadtleben zu beflügeln. Das ist absolut lobenswert und muss in Zukunft auch so bleiben. Will man langfristig nachhaltige Stadtentwicklung betreiben, bedarf es strategischer und operativer Gestaltung und Steuerung von Prozessen und Projekten in und für die Innenstädte. Hierfür benötigt man ein Management, einen Lenker, einen Macher, Brückenbauer, Moderator, Koordinator – einen Citymanager, egal wie wir es benennen wollen. Eine Person, die sich ausschließlich mit den Prozessen einer nachhaltigen Innenstadtentwicklung beschäftigt, sie koordiniert und moderiert – vom Einkaufsevent bis zur Vermarktung, von der Vernetzung der Akteure bis zum Leerstandsmanagement.

Welche Voraussetzungen und Eigenschaften müssten Citymanager mitbringen? 

Matthias Schwarzbach: Oh, ich sage immer: Wir suchen hier die eierlegende Wollmilchsau. Nein im Ernst, es ist auf Grund der Aufgabenbreite bevorzugt ein Generalist mit hoher didaktischer sowie Sozialkompetenz zu suchen, der ein echtes Interesse an der Entwicklung der seiner Stadt hat. Das Herzblut für die Stadt ist neben den fachlichen Qualifikationen voraussichtlich das stärkste Argument. Es muss sich um eine Persönlichkeit handeln, die beim Einzelhändler wie Verwaltungsangestellten gleichermaßen Akzeptanz findet. Es bedarf dabei an Kenntnis von kommunalen und gewerblichen Strukturen und Prozessen, Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgeschick, Kommunikationsfähigkeit und Ideenreichtum – ein kreativer Querdenker also.

Wer entscheidet im Endeffekt über diese Personalie? 

Matthias Schwarzbach: Die Projektträger sind im Fall der Stadt Zittau die Stadtentwicklungsgesellschaft und der Händlerverein „Zittau – lebendige Stadt e.V“. Die müssen in erster Linie mit der Personalie zurechtkommen. Sicher wird die Wirtschaftsförderung und das Arbeitsgremium CM in den Entscheidungsprozess einbezogen werden. Es geht um den Erfolg des Projektes und da spielt die fachliche Eignung, das Herzblut der Person für die Stadt eine überdurchschnittliche Rolle. Für Löbau wird es deren Herangehensweise und die Trägerschaft für ein CM entscheiden. Schlussendlich gilt: Wer das Geld gibt, muss auch entscheiden dürfen, denn er „haftet“ für den Erfolg.

Was könnten Citymanager für die Gewerbetreibenden und in den Städten Löbau und Zittau bewirken?

Matthias Schwarzbach: In jedem Fall bedarf es im Vorfeld immer einer lokalen Initiative von Einzelhändlern, Gastronomen, Dienstleistern und Immobilien- und Grundstücksbesitzern mit der Willensbekundung: Ja, wir wollen gemeinsam an einem Strang ziehen und die Innenstadt nachhaltig entwickeln. Darüber hinaus muss eine Ist-Analyse erfolgen, Handlungsfelder eruiert und ein Entwicklungskonzept erarbeitet werden. Auf diesen Grundpfeilern kann ein Citymanager zusätzliche Initiativen in Zusammenarbeit von Stadt und lokaler Wirtschaft initiieren und nachhaltige Netzwerke zum gegenseitigen Vorteil schaffen. Mit seiner konstruktiven und strukturierten Arbeit kann und muss ein CM zur Belebung der Innenstädte und Standortstärkung beitragen.

Wie und von wem könnten die Citymanager bezahlt werden?

Matthias Schwarzbach: Der Aufbau einer nachhaltigen Finanzierungsstruktur ist das entschiedenste Erfolgskriterium. Eine Nachhaltigkeit des CM als Instrument einer erfolgreichen Innenstadtentwicklung kann nur gesichert werden, wenn man es langfristig etabliert. In Zittau hat sich dankenswerter Weise ein Finanzierungsmix ergeben. Einerseits wird der CM Fond aus Fördermitteln mit städtischen Eigenanteilen gedeckt, andererseits dienen Mitgliedsbeiträge des Vereins „Zittau – lebendige Stadt e.V“ und Sponsorengelder von Sparkasse, Volksbank und den Stadtwerken dazu, um Personal- und Sachkosten zu sichern. Die Wohnbaugesellschaft unterstützt mit Büroräumen das Projekt. Nur im Schulterschluss aller Schlüsselakteure ist so ein Projekt nachhaltig zu meistern. Es muss uns noch gelingen, Grund- und Immobilienbesitzer in das Projekt zu integrieren.

Wie geht es denn nun weiter in Sachen Citymanager in den Städten Löbau und Zittau? Was sind die nächsten Schritte? 

Matthias Schwarzbach: Im Fall Zittau sind die nächsten Schritte klar. Der politische Druck auf die Ministerialverwaltung muss zwingend erhöht werden, um eine Entscheidung hinsichtlich des Antrages zeitnah zu fällen. Im Fall eines positiven Bescheides zum besagten Förderantrag kann unverzüglich die Stellenausschreibung erfolgen, ein geeigneter Bewerber oder Bewerberin vertraglich gebunden und sofort mit der inhaltlichen Arbeit begonnen werden. In Löbau ist der Sachverhalt anders gelagert. Hier bedarf es für den Prozessbeginn einer Initiative der lokalen Schlüsselakteure. Diese sehe ich noch nicht, ehrlich gesagt. Vielleicht entstehen mit der geplanten Vernetzung der Löbauer Vereine durch die Initiative „LÖBAULEBT“ Impulse, die ein solches Miteinander beflügeln und den Prozess einleiten.

Was für ein langer Atem ist notwendig, um Citymanager in den Städten Löbau und Zittau einsetzen zu können? 

Matthias Schwarzbach: In Zittau befinden wir uns derzeitig in Schnappatmung. Im Ernst, hier herrscht nur noch Unverständnis. Denn eigentlich sollte das Projekt im Sommer bereits laufen. Für Löbau kommt es auf die Kraft und Ausdauer der Schlüsselakteure an, wie lange man bis zum Start eines solchen Projektes benötigt.

Wie haben sich denn Citymanager in anderen Städten der Region, wie zum Beispiel in Bautzen, bewährt?

Matthias Schwarzbach: Ich persönlich habe nur Kenntnis von Hoyerswerda. Hier beschäftigt der Verein „Gewerbering Stadtzukunft e.V.“ in Zusammenarbeit mit der Stadt Hoyerswerda ein Citymanagement. Zwei Citymanager bündeln die Interessen aller Händler, Dienstleister, Bewohner und Besucher der Altstadt. Auch in Kamenz engagiert sich Anne Hasselbach erfolgreich für ein Innenstadtmanagement. Von Bautzen höre ich viel Gutes. Für Görlitz fehlt mir einfach die Kenntnis, warum das Projekt letztendlich gescheitert ist. Aber hier gibt es inzwischen sehr interessante Initiativen mit der „Jakobspassage 2016“ oder dem „Aktionsring Görlitz e.V.“ – auch das kann ein Weg für eine kreative Innenstadtbelebung sein. Es gibt hierfür keinen Königsweg. Das ist allein Sache und Intention der Schlüsselakteure in jeder Stadt.

Welche Wünsche begleiten Sie in Ihrer Funktion als Leiter der IHK-Geschäftsstelle Zittau in Sachen Citymanager für die Städte Löbau und Zittau? 

Matthias Schwarzbach: Ich wünsche mir nach wie vor, dass unsere Städte in der Oberlausitz lebenswert bleiben mögen, mit einem positiven Image belegt sind und sich die Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen als Markenbotschafter und Multiplikatoren begreifen. Sie sind der Fingerabdruck der Stadt und tragen erheblich zur Unverwechselbarkeit und Attraktivität der Städte bei. 

Redaktion / 22.10.2017

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Kommentare zum Artikel "Wann kommt endlich der Citymanager? "

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Lothar Schmidt schrieb am

    Sehr gutes Interviev, gebe Herrn Schwarzbach nur recht.Vor allem in Sachen Verwaltung, sie sind nicht nur träge, sie maßen sich Entscheidungen an, die eigentlich in die Hände von Stadträten gehören, und wenn dann keine Fachkompetenz bitte an einen Gewerbeexperten. Also einen Citymanager her.

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