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Zusätzliche Kosten, neue Gebühren

Zusätzliche Kosten, neue Gebühren

Die KSK-Vorstände Dirk Albers und Gerald Iltgen (v.l.) sehen sich gezwungen, das Modell Sparkasse an die veränderten Zeiten anzupassen. Foto: RK

Die Kreissparkasse hat Bilanz unter das vergangene Jahr gezogen. Eine Million Euro Gewinn blieben unterm Strich, wovon auch der Landkreis zehren wird. Sparer indes müssen sich möglicherweise auf noch härtere Zeiten einstellen.

Bautzen. Die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat nun auch erste Kunden der Kreissparkasse Bautzen (KSK) kalt erwischt. Gewerbetreibende und öffentliche Einrichtungen, die mehr als 600.000 Euro auf dem Konto bunkern, müssen künftig ein so genanntes Verwahrentgelt zahlen. Das teilten die KSK-Vorstände Gerald Iltgen und Dirk Albers vor wenigen Tagen während ihrer Bilanzpressekonferenz mit. Um nicht drauf zu zahlen, sieht sich die Bank dazu gezwungen, diese Gebühr ihren Kunden in Rechnung zu stellen. Verdienen werde ihr Haus daran keinesfalls, versicherten beide. Die Sparkasse wolle aber auch nicht länger vor dem Hintergrund, dass für kurzfristig geparktes Geld aktuell an die EZB ein „Strafzins“ in Höhe von 0,4 Prozent zu entrichten ist,  das Risiko alleine schultern. Diese Praxis wirkte sich in den vergangenen Monaten verschärfend auf die Ertragslage des Unternehmens aus. Denn innerhalb nur eines Jahres sanken die Zinsgewinne, die die wichtigste Einnahmequelle einer Bank bilden, von 35 auf 33 Millionen Euro. Seit 2010 ist gar ein Rückgang von 14 Millionen Euro zu verzeichnen.

„Der ungewöhnliche Schritt stieß auf Verständnis“, meinte Gerald Iltgen in Bezug auf die völlig neue Situation der betroffenen Geldanleger. „Im Gegenzug sind wir bemüht, unseren Kunden Vorschläge für andere Anlageformen zu unterbreiten.“

Inwieweit in Zukunft private Konten mit der bis vor Kurzem noch unvorstellbaren und unbekannten Gebühr belastet werden, ließen die Vorstände offen. Das regele der Markt, beteuerten sie. Gerald Iltgen: „Es wäre unseriös, dies gänzlich auszuschließen.“ Fakt ist hingegen: Das Geldhaus wird Anpassungen bei den Kontoführungsgebühren vornehmen – und zwar zum 1. Juli 2017. Für die erste Preisanpassung seit zwölf Jahren strickt das Management derzeit an den entsprechenden Preismodellen. Erste Informationen dazu erhalten die Kunden aller Voraussicht nach ab April. Laut Dirk Albers ist eine Subventionierung aufgrund fehlender Zinserträge nicht mehr möglich. Er berief sich in diesem Zusammenhang auf eine Forderung der Bankenaufsicht. Demnach sollten Geldinstitute ihre Provisionen erhöhen, um unabhängiger von der Zinsentwicklung zu sein. Aus diesen Einnahmen bestreitet die KSK Bautzen die Kosten für Personal- und Technikausstattung. Sie liegen mittlerweile knapp unter 26 Millionen Euro.

Inflation entwertet Erspartes

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Doch auch ohne Verwahrentgelt und steigende Kontoführungsgebühren geht schon jetzt einem Großteil von Sparern Geld verloren. Als Grund dafür gilt die Inflation. Zuletzt ist sie wieder gestiegen. In Sachsen liegt die Teuerungsrate gar über dem Bundesdurchschnitt.

Paradoxerweise lässt sich im Vergleich zu früheren Jahren wieder mehr Geld anlegen. Die Reallöhne haben mitunter kräftig zugelegt. Aus dieser Entwicklung schlägt die KSK Bautzen Profit – und zwar in punkto Vertrauen. „Trotz verschwundener Zinsen für sichere Anlagen sparen unsere Kunden ungebrochen – allein im letzten Jahr 41 Millionen Euro. Dabei sind die Kundeneinlagen das siebte Jahr in Folge gestiegen und erreichen fast 1,5 Milliarden Euro“, schilderte Gerald Iltgen. „Es ist ein Phänomen.“ Die größten Zuwächse seien mit 34 Millionen Euro auf den Girokonten und Sparbüchern zu verzeichnen gewesen. Ein Grund dafür dürfte auch sein, dass sich Kunden davor scheuen, größere Geldbeträge in den eigenen vier Wänden zu horten. „Daheim kann viel mehr passieren“, argumentierten die beiden Vorstände wohl hauptsächlich im Hinblick auf die drastisch gewachsene Zahl von Wohnungseinbrüchen.

Gewinne machen mit anderen Anlageformen

Als Alternativen zu klassischen Sparmodellen werden nach Darstellung von Dirk Albers die Berater ihren Kunden verstärkt Wertpapiere sowie kapitalbildende Versicherungen als Geldanlage ans Herz legen. Inhaber von Aktienfonds beispielsweise dürften mit Zinsen von bis zu sechs Prozent oder mehr rechnen. Jürgen E. Nentwig vom unabhängigen Expertennetzwerk Finanzkun.de kann das nur begrüßen. Bei Beginn des Vermögensaufbaus für das Rentenalter sollte allerdings eine Inflation in den Sparplan aufgenommen werden. Nur so sei eine künftige Konsumfähigkeit abgedeckt. „Mit Minizinsen ist dieses Ziel nicht zu erreichen“, meint der Fachmann. „Angestrebt werden sollte eine Guthabenverzinsung von durchschnittlich sechs Prozent im Jahr.“ Und noch ein weiterer Aspekt sei wichtig, um das ehrgeizige Ziel zu erreichen: Der Sparer muss durchhalten. „Nur dann hat er im Alter die Rente, über die er gern verfügen möchte.“

Zurück nach Bautzen: Unabhängig davon ist Betongold in der Region weiterhin stark nachgefragt, wissen die beiden Sparkassenvorstände. Für viele angehende Hausbesitzer besteht der entscheidende Kaufreiz darin, im Alter unabhängig von Mietzahlungen zu sein. Befürchtungen einer möglichen Wertminderung von Immobilien in absehbarer Zeit können Dirk Albers und Gerald Iltgen nicht teilen. „Diese Gefahr besteht, wenn die Zinsen für Immobilienkredite wieder ansteigen“, sagten die Finanzexperten. „Dann ist es denkbar, dass einige nicht mehr in der Lage sind, ihre Darlehen zu bedienen. Sie wären dazu gezwungen, ihre Häuser wieder zu verkaufen.“ Ein auf diese Weise gesättigter Markt würde den seit längerer Zeit anhaltenden Trend dramatisch umkehren. „Die Kreditnehmer sollten deshalb bei Vertragsabschluss möglichst für die gesamte Laufzeit den momentanen Niedrigzins vereinbaren“, lautet ihr Rat.

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Landkreis profitiert vom Kurs seiner Bank

Die Weichen sind gestellt, um auch in schwierigem Fahrwasser den Kurs zu halten. Dirk Albers beschrieb es so: „Seit 1832 beweisen wir, dass unser Geschäftsmodell auch in wechselhaften Zeiten aufgeht.“

Der Landkreis Bautzen als Träger der Bank vernimmt diese Worte sicherlich mit Erleichterung. Ein weiteres Jahr in Folge darf er mit einer Ausschüttung rechnen – Geld, das demnächst Projekten in der Region zugute kommt. Ein Beschluss der Kreisräte dazu steht noch aus.                                  

Roland Kaiser / 15.03.2017

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