Als der Stausee zum Ferienparadies wurde

Der Bautzener Stausee hat von seiner Anziehungskraft für Sonnenhungrige nichts eingebüßt, wie die Pfingsttage wieder bewiesen.

Die Windmühle, hier zum Zeitpunkt ihrer Entstehung 1978, war für viele Besucher das Wahrzeichen des Burker Strandes. Foto: Wikipedia/Deutsche Fotothek/Günter Rapp
An sonnigen Tagen lenken viele Bautzener und Besucher für die Erholung ihre Schritte zu dem großen Wasserbecken nordöstlich der Stadt. Dabei ist das gar nicht so selbstverständlich.
Bautzen. Bereits vor zwei Jahren feierte die Landestalsperrenverwaltung Sachsen (LTV) das 50-jährige Jubiläum der Talsperre Bautzen. Damals nahm sie die Inbetriebnahme der technischen Anlagen zum Anlass für die Feierlichkeiten. Für die meisten Bautzener verbindet sich der „Stausee“, wie er landläufig genannt wird, jedoch mit ganz anderen Schlagwörtern: Freizeit, Baden, Wassersport … Und genau das ist seit dem 4. Juni 1976, also seit nunmehr 50 Jahren, möglich. Da nämlich fand die offizielle Übergabe des ersten Strandabschnitts an die sonnenhungrige Bevölkerung statt.
Der „Sächsischen Zeitung“ war das damals eine ganze Seite in ihrer Wochenendbeilage „WiR“ wert, die den euphorischen Titel „Urlaubsziel: Talsperre Bautzen“ trug. Autor Wolfgang Dorga prophezeite bereits damals: „Hier wird im Laufe der Jahre ein beachtliches Urlauberstädtchen heranwachsen.“
So weit war es 1976 allerdings noch nicht. Doch immerhin: „Zum Strandbad zählen zwei Sanitärgebäude, zwei große Versorgungskioske (bezeichnet als HOLEGA, Anm. d. Red.) mit Außenterrassen, vier Rettungstürme, eine Strandpromenade – jeweils die Hälfte davon ist im Juni funktionstüchtig – weiterhin Liegewiesen und eine Fläche für Strandkörbe.“ Die andere Hälfte wurde ein Jahr später – also 1977 – eingeweiht. Selbiges galt auch für die Zufahrtstraße und den Großparkplatz: Auch diese Verkehrsanlagen wurden zur Hälfte 1976, zur anderen Hälfte 1977 fertiggestellt. Später folgten zwei Bungalowanlagen mit 440 Wohneinheiten, ein Campingplatz mit 23 Finnhütten und etwa 600 Zeltstellplätze, ein weiteres Sanitär- und ein Mehrzweckgebäude – eben die bekannte Infrastruktur, die Ende des 20./Anfang des 21. Jahrhunderts für die Luftschlösser eines vermeintlichen Investors abgerissen wurde.
Doch wie kam es dazu, dass die Talsperre Bautzen, die ja eigentlich ganz anderen Zwecken dienen sollte, zum Erholungszentrum ausgebaut wurde? Die Grundlage dafür bildete ein 1970 von den (damals noch selbstständigen) Gemeinden Quatitz, Niedergurig, Burk und der Stadt Bautzen gegründeter Zweckverband, zu dessen Vorsitzenden der damalige Quatitzer Bürgermeister Fritz Bartholomay berufen wurde. Im Januar 1974 wurde laut damaliger Berichterstattung die Dienstleistungseinrichtung Erholungszentrum Talsperre Bautzen gegründet, deren langjähriger Leiter der 2025 verstorbene Gottfried Auras war. Nicht unerwähnt blieb in dem Artikel von Wolfgang Dorga folgendes: „Das Erholungszentrum wird gemeinsam realisiert von Betrieben aus den Bezirken Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Cottbus und aus dem Berliner Raum sowie staatlichen Organen der Stadt und des Kreises Bautzen und des Bezirkes Dresden. Derzeit hat die Dienstleistungseinrichtung 30 Arbeitskräfte – künftig werden es 60 sein – und sie verfügt auch über eine eigene Bauabteilung. Rund 150 Arbeiter aus den beteiligten Betrieben sind jetzt tagtäglich auf der Baustelle tätig. Darüber hinaus finden sich an jedem Wochenende Bürger aus der Umgebung ein, um das Projekt im Rahmen der VMI voranzubringen.“
Freilich gab es im Zusammenhang mit einem solchen Großvorhaben auch Probleme, die durchaus offen angesprochen wurden: Beispielsweise die Erreichbarkeit des neuen Strandes mit dem ÖPNV – damals gab es nur eine Haltestelle mitten in Burk. Der direkte Weg war von den noch vorhandenen Baustellen versperrt, sodass die Besuchermassen an der (damaligen) F 156 entlang pilgern mussten. Doch es gab auch kurzfristig realisierbare Lösungen: „Um den Wünschen der Bevölkerung gerecht zu werden, wird der VEB Kraftverkehr während der Saison sonnabends und sonntags einen Pendelverkehr zwischen Bautzen und Burk einrichten“, kündigte die „SZ“ eine Woche nach der Eröffnung an. Und weiter: „Man will unmittelbar am Strandbad eine Möglichkeit zum Wenden der Busse schaffen.“ Der Schlusssatz lautete: „Fast bis hierher (zur Autobahnbrücke, Anm. d. Red.) wird sich einmal die kleine Urlauberstadt, gleichsam ein Vorort von Bautzen, ausdehnen.“
Wie ging es weiter? Nun, ganz so euphorisch wie von Wolfgang Dorga im Mai 1976 beschrieben verlief die nachfolgende Entwicklung dann doch nicht.
Bereits damals war es die Blaualge, welche die Beliebtheit des Bautzener Stausees als Badesee ausbremste – ein Problem, das trotz vieler Bemühungen nie ganz in den Griff bekommen wurde. Dennoch etablierte sich das „Oberlausitzer Meer“ zu einem durchaus beliebten Ziel, gab es doch neben dem Baden noch viele weitere Möglichkeiten der Betätigung in der näheren und weiteren Umgebung. Heute ringen viele Beteiligte darum, den Stausee wieder als solches zu etablieren – mit welchem Erfolg, werden die kommenden Jahre zeigen.