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Bei -35° streikte Thermometer

Bei -35° streikte Thermometer

Kalt war es letzte Woche auch in Gebelzig, aber nicht so wie 1928/29. Foto: Bernhard Donke

Gebelzig. Wenn man heute Berichte z.B. über das Winterwetter der vergangenen Tage verfolgt, kann man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Da wird bei minus 5 Grad Celsius von sibirischer Kälte gesprochen und bei wenigen Zentimeter Schneefall bricht der öffentliche Verkehr zusammen, weil der Winterdienst bei der Schneeräumung und Glatteisbekämpfung überfordert ist. Die Leute fangen an zu schimpfen, weil der Winterdienst noch nicht vor ihrer Haustür den Schnee beräumt und gestreut hat. Dabei wird vergessen, dass der kommunale oder verpflichtete Winterdienst nicht überall gleichzeitig räumen kann. Man vergisst dabei auch, dass jeder Grundstückseigentümer selbst auch gesetzlich vorgeschriebene Winterdienstpflichten hat.

Da hatten es unsere Vorfahren schon etwas schwieriger, denn einst gab es ganz andere Winter. Ein zufälliges Beispiel mag der Winter 1928/29 nach Aufzeichnungen des Gebelziger Ortschronisten, Kantor und Lehrer Willy Schulze (1892-1957) sein. Wir erfahren, dass es bis zum April an 72 Tagen eine geschlossene Schneedecke gab, es am 11. Dezember 1928 das erste Mal schneite und am 25. April 1929 der letzte Schnee fiel. Den ersten Frost mit minus 5 Grad gab es in der Nacht vom 10. zum 11.Dezember, den letzten in der Nacht vom 26. zum 27. April 1929. In diesen Zeitraum herrschten an 17 Tagen minus 20 Grad und darunter, sowie an 40 Tagen minus 10 Grad und darunter. Die kälteste Nacht war die vom 10. zum 11. Februar mit minus 35 Grad. Wobei der Chronist vermerkte: „weiter runter ging leider mein Thermometer nicht“. Dazu notierte er: „Auch bei diesem grimmigen Winterwetter fand der Schulunterricht statt. Am 11. Februar war die Tinte in der 1.Klasse der Schule eingefroren. Vögel starben trotz Fütterung. In der Schule und im Ort waren die Wasserleitungen eingefroren. Der Konfirmationsunterricht und Gottesdienst fanden in diesen Winter vom 10. Februar bis 3. März in der Schule statt. Teilweise machten die Leute Feuer in Kellern und Ställen, um ihre Futtervorräte und Lebensmittel und Tiere vor den Frost zu schützen. Der Winter 1928/29 kostete die Gemeinde Gebelzig für das Schneeschaufeln übrigens 500 Reichsmark und 30 Pfennige.

Bernhard Donke/tsk / 23.02.2021

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