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Berichterstattung zum Brand war überzogen

Berichterstattung zum Brand war überzogen

Mehr als 70 Feuerwehrleute waren in der Nacht zum Sonntag beim Brand im Husarenhof im Einsatz. Zu retten war der Dachstuhl dennoch nicht. | Foto: CF

Bautzen. Dreieinhalb Monate nach dem Brand des Bautzener Husarenhofes, der für die Einrichtung eines Asylbewerberheims vorgesehen war, haben sich die Wellen der medialen Aufregung weitgehend geglättet. Zeit für eine Aufarbeitung des Geschehens – meint der Bautzener CDU-Stadtverband und stellte seinen jüngsten Stammtisch unter das Thema: „Beifall, Schaulustige oder doch nichts gewesen?“

Manchmal kann ein einzelnes Wort entscheidend sein. In der von der Polizeidirektion Görlitz unmittelbar nach dem Brand herausgegebenen Pressemitteilung war die Rede von „drei 19- und 20-jährigen Bautzenern, die die Arbeit der Feuerwehr massiv behinderten.“ Manche der „teils alkoholisierten Schaulustigen“ hätten das Brandgeschehen mit „abfälligen Bemerkungen und unverhohlener Freude“ kommentiert. Was sich in der überregionalen medialen Wahrnehmung daraus entwickelte, klingt noch heute jedem Bautzener in den Ohren: Von einem „grölenden und applaudierenden Mob“ war da die Rede, der sich wahre Straßenschlachten mit den Brandbekämpfern und den Ordnungshütern geliefert haben muss.

Wie konnte es dazu kommen? War das von der Pressestelle der Polizeidirektion Görlitz benutzte Adjektiv „massiv“ daran schuld, dass sich eine solch verzerrte Wahrnehmung entwickelte? Der Leiter der Polizeidirektion, Conny Stiehl, steht nach wie vor zu dieser Formulierung: „Es hat sich um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und damit um Gewalt gegen Polizisten gehandelt. Damit wurde eine rote Linie überschritten. Ja, es war eine massive Störung.“ Was sich in verschiedenen Medien aus einer solchen Wortwahl entwickelt, dafür könne er nichts und habe keinen Einfluss darauf, so Stiehl. Welches Ausmaß dieser Widerstand tatsächlich hatte, werde die gerichtliche Aufarbeitung zeigen. Die Staatsanwaltschaft habe deswegen bereits Anklage gegen drei Bautzener erhoben.

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Was sich in den frühen Morgenstunden des 21. Februar in der Umgebung des Husarenhofes tatsächlich abspielte, darüber gibt es selbst bei den Augenzeugen unterschiedliche Erinnerungen. So berichtete Anwohner Michael Scholze von „vier, fünf Leuten, die mit der Bierflasche da standen und Parolen riefen. Die Polizei hat das schnell beendet. Die Berichterstattung von massiven Behinderungen und einer grölenden Menge entsprach nicht dem, was ich wahrgenommen habe.“ Fotojournalist Jens Kaczmarek hingegen, der bereits sehr frühzeitig vor Ort war, beziffert die Zahl der Rufer auf „zehn bis zwölf Leute.“ Die Feuerwehrleute selbst haben von diesen Vorgängen gar nichts mitbekommen: „Wir haben da anderes im Kopf. Es gibt so viel zu bedenken“, so Einsatzleiter Jens Grubert. Den Brand selbst bezeichnete er als „normal“ und „relativ einfach zu löschen.“ Auch Stadtwehrleiter Markus Bergander betont, dass „das, was später berichtet wurde, nicht dem entspricht, was wir erlebt haben.“  

Welches Fazit lässt sich nun also aus diesem Abend ziehen? Der CDU-Stadtverband Bautzen fasst es so zusammen: „Die Berichterstattung rund um den Brand war überzogen. Eine faktenorientierte ‚Nummer kleiner‘ hätte es auch getan. Das Etikett ‚gar nichts gewesen‘ passt aber auch nicht. Es gab eine Gruppe von maximal zehn Personen, die ausländerfeindliche Statements abgab.“ Interessant sei auch, dass laut von der Stadtverwaltung in Auftrag gegebener Analyse nur 20 Prozent der Medienberichte „ausschließlich negativ“ gewesen seien.

Uwe Menschner / 11.06.2016

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