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Die Natur erzieht mit

Die Natur erzieht mit

Auch gekocht und gegessen wird in der Natur – hier gab es Käsespätzle. Foto: privat

Spielen, Lernen, Erzählen, Erkunden, Ausruhen: Im Waldkindergarten Zauberwald in Bretnig-Hauswalde tun die Mädchen und Jungen das alles unter freiem Himmel, wenn es das Wetter zulässt. „Sie erleben bei uns die Jahreszeiten ganz unmittelbar“, sagt Leiterin Simone Schwarz. 

Bretnig. Anfang September. Bei Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad können die Kinder des Waldkindergartens Zauberwald noch Sommerkleidung tragen: leichte kurz- oder langärmlige Oberteile, Leggins oder Baumwollhosen. Doch bald kommt wieder die Zeit, in der die Kleinen wetterfest gewandet sein sollten – mit Anoraks, wasserundurchlässigen Hosen, Mützen und Stiefeln. Denn draußen sind sie fast bei jedem Wetter. Früh treffen sich die Mädchen und Jungen mit den Erzieherinnen im Kita-Gebäude an der Bischofswerdaer Straße 96, wo Gruppenräume, Küche, Bad, Büros und Garderobe zu finden sind. Dann laufen sie zum Waldplatz im Rosenthal, wo ihr Natur-Domizil auf sie wartet: ein liebevoll bemalter und ausgebauter Bauwagen. „Die Strecke ist knapp zwei Kilometer lang. Manchmal geht die Gruppe aber einen Umweg, der Gelegenheiten bietet, am Wegesrand etwas zu erkunden“, berichtet Leiterin Simone Schwarz. Meist wird draußen zunächst im Morgenkreis besprochen, was man an diesem Tag tun möchte. Beim folgenden freien Spiel beschäftigen sich die Kinder in der Natur rund um den Bauwagen – mit nur wenigen Hilfsmitteln. Das hilft ihnen, kreativ zu sein: So wird ein Stock zum Stift, mit dem man etwas in die Erde zeichnet. Zapfen oder Blätter lassen sich zählen – oder zum Bauen einsetzen. „Wir beobachten die Kinder dabei und schauen, was sie interessiert. Dafür bieten wir ihnen dann konkrete Anregungen“, kommentieren die Leiterin und ihr Team.

Wenn Erwachsene und Kinder zusammen ein Loch graben, Wasser hineingießen und sehen, dass es versickert, werden spielerisch physikalische oder geologische Gesetzmäßigkeiten entdeckt. Denn wie jeder Kindergarten muss der Waldkindergarten die älteren Kinder auf die Schule vorbereiten. Info-Blätter bieten Hintergrundwissen. Manchmal verarbeiten die Kleinen das Gelernte schöpferisch, angeleitet von den Erwachsenen, indem sie mit Naturfarben malen oder sich Geschichten ausdenken. Sie erleben die Jahreszeiten hautnah mit, verfolgen, wie sich die Natur dabei verändert, lernen sie zu schätzen und zu schützen. Die Erzieherinnen erfassen Verhalten und Lernfortschritte auf Beobachtungsbögen, legen zu jedem Kind ein Portfolio an und halten ständigen Dialog mit den Eltern. Zu einigen der Kinder, die die Kita bereits in Richtung Schule verließen, hat Simone Schwarz erfahren, dass sie dort gut klarkommen: „Sie zeigen natürlich, dass sie gewohnt sind, sich viel zu bewegen. Andererseits beweisen sie auch eine große Ausdauer beim Lösen von Aufgaben.“

Simone Schwarz leitet nicht nur den Waldkindergarten in Bretnig-Hauswalde mit fünf Pädagoginnen und einer pädagogischen Hilfskraft, sondern betreut auch als Tagesmutter jüngere Kinder. Schon mit den ganz Kleinen geht sie viel in die Natur. „Daher hatten vor einigen Jahren Eltern dieser Kinder und ich die Idee, ein naturnahes, freies Konzept mit überschaubaren Gruppengrößen auch für die älteren Jungen und Mädchen anzubieten.“ Man gründete als Träger den „Naturkindertagesstelle Zauberwind“ e. V., schrieb eine Konzeption und erlangte in geduldiger Arbeit die behördliche Zulassung. Die Kita finanziert sich über die Elternbeiträge und über Zuschüsse der Stadt Großröhrsdorf. Zwanzig Plätze bietet sie an, darunter zwei für Kinder mit Integrationsbedarf. Lange war die Einrichtung voll belegt. Seit September ist die Gruppe nur noch zehn Kinder zwischen zwei Jahren und zehn Monaten und sieben Jahren stark. Der Geburtenrückgang zeigt sich auch hier. „Außerdem wissen viele Leute gar nicht, dass es uns gibt“, hat Simone Schwarz erfahren. Das will man durch gezielte Werbung nun ändern. 

Perspektivisch denken die Gründer sogar darüber nach, eine Waldschule zu etablieren, damit die Kinder ab sechs oder sieben Jahren naturnah weiterlernen können. Vielleicht passiert das dann ebenfalls an einem spannenden Ort wie dem ehemaligen Bauwagen? Der lädt mit einem großen Tisch mit Bänken und Stühlen und einem Kanonenofen nach drinnen ein, wenn es draußen mal nicht auszuhalten ist. Kinder und Erzieher bewahren Materialien und Wechselsachen darin auf. Indem man bewegliche Ebenen herunterklappt, lässt er sich auch zum Schlafplatz umfunktionieren. „Wenn es schön ist, halten die Kinder aber ihren Mittagsschlaf in Hängematten unter den Bäumen – eben ganz nah an der Natur“, erzählt die Leiterin. 

Beate Diederichs / 15.10.2026

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