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In zwei Jahren soll es hier rollen

In zwei Jahren soll es hier rollen

Mitte Februar befanden sich einzelne Brückenbaumaßnahmen entlang der geplanten Schnellstraße noch in der Umsetzung. Foto: UM

Der Freistaat verkürzt die Wege: Um künftig auf den eigenen vier Rädern von der Oberlausitz aus schneller in den Dresdener Osten, ins Elbsandsteingebirge oder nach Prag zu gelangen, lässt er zwischen den Autobahnen A 4 und A 17 eine Schnellstraße errichten. Einige Abschnitte existieren bereits. Seit 2017 gesellt sich nun in immer größeren Schritten ein weiterer hinzu. Isabel Pfeiffer, Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, gab dem Oberlausitzer Kurier exklusiv einen Einblick in den aktuellen Bauverlauf.

Seit Monaten nun schon geben zwischen der Autobahn A 4 im Norden und dem südlich davon gelegenen Radeberg Bautrupps den Ton an. Welche Teilprojekte entlang der Bautrasse sind bis dato bereits fertiggestellt worden?

Isabel Pfeiffer: Alle Brückenbauwerke mit Ausnahme des Überführungsbauwerkes über den Deponieteich sind ebenso fertiggestellt wie die Regenrückhaltebecken drei an der Kreisstraße 9254 und vier an der neuen Autobahnanschlussstelle Pulsnitz. Da die Errichtung einer Straße immer auch mit einem Eingriff in Natur und Landschaft in Verbindung steht, der auszugleichen ist, haben wir bereits verschiedene Ausgleichsmaßnahmen vorgezogen und realisiert. So wurde beispielsweise der Deponieteich – ein ehemals vermülltes Schlammloch – nach umweltfachlichen Kriterien als Kammmolch- und Amphibienhabitat hergerichtet. Ebenso haben wir die Fledermausüberführungsbauwerke mit den dazugehörigen Gehölzpflanzungen verwirklichen lassen, um besonders geschützten Tierarten auch schon während der Bauarbeiten eine gefahrlose Querung des Baufeldes zu ermöglichen.

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Inwieweit liegen die Arbeiten für das gesamte Projekt im Zeitplan?

Isabel Pfeiffer: Für ein derart komplexes Bauvorhaben mit mehreren Bauabschnitten in verschiedenen Planungs-, Genehmigungs- und Bauphasen kann es keinen verbindlichen Gesamtzeitplan geben. Gleiches gilt für eine Kostenvorhersage. Die Ostumfahrung Dresden im Zuge der S 177 ist zwischen der A 17 und Bonnewitz realisiert. Dort schließt sich die Ortsumgehung Wünschendorf-Eschdorf an, für die die ersten Arbeiten im vorigen Jahr mit der Baufeldfreimachung begonnen haben. Der Fortgang der Beauftragung verschiedener Bauleistungen wird jedoch durch eine Klage des BUND e.V. gegen den Planfeststellungsbeschluss behindert. Die Ortsumgehung Wünschendorf-Eschdorf endet südlich der Bundesstraße B 6 bei Rossendorf. Dort schließt sich der Abschnitt bis nach Großerkmannsdorf an. Für diesen führt die Landesdirektion Sachsen gegenwärtig das Planfeststellungsverfahren durch. Der Abschnitt zwischen Großerkmannsdorf und Radeberg ist bereits seit mehreren Jahren befahrbar. Seit September 2017 befindet sich das letzte Teilstück zwischen Radeberg und der A 4 im Bau. 

Mit welchen Gesamtkosten rechnet das LASuV inzwischen?

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Isabel Pfeiffer: Die Gesamtkosten der Ostumfahrung Dresden werden sich voraussichtlich auf rund 300 Millionen Euro belaufen.

Wann werden die ersten Fahrzeuge auf dem Teilstück Radeberg – A 4 rollen können?

Isabel Pfeiffer: Die Fertigstellung dieses Abschnitts ist aktuell für 2022 geplant, sofern alle weiteren Vergaben und der Bauablauf ohne Probleme verlaufen.

Wann sollte das ursprünglich der Fall sein?

Isabel Pfeiffer: Mit Beginn der Bauarbeiten wurde von einer Verkehrsfreigabe im Jahr 2020 ausgegangen. Im Zuge der baulosweisen Erstellung der Ausschreibungsunterlagen unter Berücksichtigung der damit verbundenen Rahmenbedingungen – also der Sperr- und Umleitungskonzepte, dem Haushalt sowie Vergabearten und -fristen – wurde das Ablaufkonzept entsprechend angepasst.

Woraus resultiert die mögliche Verschiebung der Straßenfreigabe und inwieweit hat die jüngste Virus-Krise Einfluss auf den Bauverlauf?

Isabel Pfeiffer: Nach Paragraf 5 Absatz 2 der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen sind diese getrennt nach Fachlosen zu vergeben, sofern nicht wirtschaftliche oder technische Gründe dagegen sprechen. Diese mittelstandsfreundliche Fachlosvergabe führt dazu, dass Ingenieurbauwerke, Erd- und Straßenbau, aber auch Ausstattungsgewerke wie Schutzplanken, Beschilderung und Markierung getrennt vergeben werden. Gegenüber einer Generalunternehmerbeauftragung ergibt sich, dass Firmen aus der Region, mit mehreren Aufträgen an dem Bauvorhaben beteiligt sind. Während der Bauvorbereitung wurden einzelne Ausschreibungszeitpunkte nochmals betrachtet und besser aufeinander abgestimmt, wodurch der Streckenbau hinsichtlich einer durchgängigen Baufreiheit bautechnologisch optimiert und bauvertragliche Risiken minimiert werden konnten. Coronabedingte Bauverzögerungen spielen im Bauablauf bisher keine Rolle.

In dem gesamten Kontext steht die Verlegung der Autobahnanschlussstelle Pulsnitz. Wann rechnen Sie mit deren Fertigstellung?

Isabel Pfeiffer: Sie wird im Jahr 2022 fertiggestellt, sofern der Bauablauf ohne Probleme verlaufen kann.

Roland Kaiser / 22.06.2020

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Kommentare zum Artikel "In zwei Jahren soll es hier rollen"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Lothar schrieb am

    Hoffentlich "verirrt" sich nicht ein seltener Vogel oder eine Fledermaus auf die Trasse. Dann wird's wohl nicht vor 2040.

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