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Kaiserliches Postamt erlebt Wiedergeburt

Kaiserliches Postamt erlebt Wiedergeburt

Stefan Mundt hat das Bautzen von 1920 an seinem Rechner wieder zum Leben erweckt. Mit Hilfe der Computertechnik konnte er aus dem Stadtbild verschwundene Gebäude visualisieren. Foto: privat

Wie sah das Bautzen um 1920 aus? Kaum jemand vermag sich daran noch erinnern. Nur ein geringer Teil der damaligen Bausubstanz blieb nach dem Zweiten Weltkrieg übrig. Nun ist ein Bautzener in die Archive abgetaucht und hat an seinem Rechner die Spreestadt von einst für jedermann wieder aufbauen lassen. Zu sehen gibt es den Streifzug in die Vergangenheit als Film im Internet.

Bautzen. Es ist nicht das erste Mal, dass Stefan Mundt von sich reden macht. Schon vor acht Jahren begeisterte der Bautzener mit seinen Computerfertigkeiten. Damals visualisierte er bekannte Anlaufpunkte in seiner Heimatstadt in 3D. Dazu zählten unter anderem der Dom St. Petri, die Wasserkunst oder auch das Rathaus. Seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen und ein neues Vorhaben geboren worden.

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Bautzens einstige Lutherschule samt Stadttheater. An dieser Stelle befindet sich heute das Kornmarkt-Center.

Der Fachmann für Visualisierungen, dessen Begabung gern auch außerhalb der Stadtgrenzen für Projekte wie den Neubau der Funktionalschwimmhalle in Hennigsdorf in Anspruch genommen wird, hat sich dank seiner Computertechnik ins Bautzen der 1920er Jahre zurückgebeamt. In einem YouTube-Video lässt er unter anderem das Stadttheater sowie das frühere Postamt wieder auferstehen. „Die Idee dazu entstand, als ich in dem Buch ‚Bautzens verschwundene Kirchen‘ gelesen hatte“, erinnert sich der Lausitzer. „Nach einigen Recherchen der Nachkriegszeit war schnell klar, welche Gebäude ich für dieses Projekt rekonstruieren möchte.“

Prompt stand Stefan Mundt vor einer gewaltigen Herausforderung. Die Frage war, wo bekommt er Zeichnungen, Grundrisse und Fotos von den nun im Video gezeigten Objekten her. „Die netten Mitarbeiterinnen der Bibliothek waren bei der Suche des passenden Materials sehr behilflich“, zeigt er sich noch immer dankbar. „Zur Lutherschule hat mir das Museum freundlicherweise eine Lithographie zur Verfügung gestellt, von der ich allerdings nur die Außenmaße der Schule verwenden konnte.“ Und dann ging es ans Werk. Alle Bauten, die er für seinen jüngsten Film digital wiedererrichten ließ, seien mit Hilfe von Fotos entstanden, auf denen bekannte Maße wie Personen zur Berechnung der Gebäudemaße führten. Nach über einem Jahr „Bauzeit“ flimmert das Bautzen von 1920 inzwischen durchs Netz. „Da ich mich im Ruhestand befinde, spielte die Zeit für dieses Unterfangen nur eine untergeordnete Rolle“, meint Stefan Mundt.

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Das einstige Postamt (r.) am Bautzener Postplatz. Visualisierungen: Stefan Mundt

Stefan Mundt geht davon aus, dass er reichlich 100 Stunden dafür am PC verbracht hat. Damit will er allen entgegenkommen, die sich für die Bautzener Stadtgeschichte interessieren. „Gelegentlich sehe ich Passanten und Touristen fragend an Geschichtstafeln stehen. Erwähnt sei hierbei stellvertretend das Schild am ehemaligen Wendischen Haus am Lauen-graben, das meines Erachtens einen günstigeren Standort verdient hätte. Doch die darüber vermittelten Informationen zeigen natürlich nicht das Aussehen des jeweiligen Gebäudes.“ Deshalb habe er bereits vor Jahren den Vorschlag unterbreitet, die Tafeln mit einem QR-Code zu versehen. Auf diese Weise wäre es jedem möglich, Visualisierungen auf den Bildschirm des eigenen Smartphones zu holen. „Die Resonanz war zwar positiv“, freut sich Stefan Mundt. Allerdings muss er auch feststellen, dass bis dato keinerlei Aktivität folgte.

Vielleicht aber gibt es demnächst ein Umdenken in der Kommune. Der Bautzener würde es begrüßen, denn er hat ein Stück Historie auch für die Nachwelt erlebbar gemacht. Zu sehen ist das Ganze ab sofort im Internet unter dem Youtube-Titel „Bautzen um 1920 – Verschwundene Bauwerke“.

Roland Kaiser / 03.10.2021

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