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Männerberuf? Das 
ist mir völlig egal!

Männerberuf? Das 
ist mir völlig egal!

Susann Mütze steht zwar selber nicht an den Maschinen, hat aber alles im Blick – hier im Gespräch mit Mitarbeiter Frederic Wagner.

Susann Mütze aus Kamenz ist Unternehmerin mit Leib und Seele. Dafür erhielt die 35-Jährige jetzt eine bedeutende Auszeichnung.

Kamenz. Der Sächsische Gründerinnenpreis des Jahrgangs 2018 geht nach Kamenz: Petra Köpping (SPD), Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, hat ihn an Susann Mütze überreicht. Die Diplom-Ingenieurin für Holztechnik (FH) führt seit 2015 in siebenter Generation die Tischlerei Mütze GmbH, ein Unternehmen, dessen Geschichte bis ins Jahr 1823 zurückreicht. Mit dem Oberlausitzer Kurier sprach sie über Tradition, Erfolg und Kunden, die nach „Herrn Mütze“ fragen.

Frau Mütze, zunächst herzlichen Glückwünsch. Wie ist es zu Ihrer Teilnahme an dem Wettbewerb gekommen?
Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen, mich zu bewerben. Die Bewerbung erfolgte auf Initiative der Handwerkskammer Dresden.

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Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von der Juryentscheidung erfuhren?

Ich war total überrascht. Ich mache jeden Tag meinen Job und rechne nicht damit, dass das Jemand für etwas Außergewöhnliches hält. Es gibt so viele tolle Unternehmerinnen in Sachsen, die den Preis verdient hätten. Als Unternehmerin ist man es gewohnt, um alles kämpfen zu müssen. Wobei, es hing schon auch eine Menge Arbeit daran.

Inwiefern?

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Das Ausfüllen der Bewerbungsunterlagen und die Präsentation liefen in zwei Etappen der Bewerbung ab und waren aufwändig. Es war aber eine gute Gelegenheit, die eigene Arbeit intensiv zu reflektieren – etwas, wozu man im Alltagsstreß kaum kommt. Ich musste die Entwicklung des Unternehmens darstellen, wobei nicht nur die Zahlen, sondern auch das soziale Engagement eine Rolle spielten.

Welche Rolle hat es für die Jury gespielt, dass Sie als Frau in einem sogenannten Männerberuf erfolgreich sind?

Das wird sicher eine Rolle gespielt haben. Mir selbst ist das völlig egal. Es kommt aber durchaus vor, dass ein Kunde verlangt, den „Herrn Mütze“ zu sprechen, weil er nicht damit gerechnet hat, vor einer Frau zu stehen. ...

Ich bin seit meiner Kindheit eng mit der Werkstatt verbunden, bin quasi zwischen den Maschinen und Werkzeugen aufgewachsen. Dass da Männer gearbeitet haben, war für mich selbstverständlich. Inzwischen sind auch Frauen in diesem Beruf nicht mehr ungewöhnlich. Für mich war es auch immer klar, dass ich perspektivisch in der Firma arbeiten werde.

War es das auch für Ihre Familie?

(Lacht.) Es hat zumindest keiner etwas dagegen gehabt. Die Tischlerei wurde 1823 gegründet und befindet sich seitdem im Besitz unserer Familie. Mein Opa hatte ursprünglich einen anderen Beruf erlernt. Als Tischlermeister führte er die Firma weiter. Damals war eine Frau als Chef noch undenkbar. Daraus resultiert auch der Namenswechsel von „Arnold“ auf „Mütze.“ Da ich keine Geschwister habe, hing es von mir ab, ob das Unternehmen in Familienhand bleibt. Druck hat aber niemand auf mich ausgeübt.

Die Übernahme erfolgte dann aber doch früher, als geplant?

Nach dem Abitur ging ich nach Rosenheim, um an der dortigen Fachhochschule Holztechnik zu studieren. Im Jahre 2013 bin ich wieder zurückgekommen und habe in der Firma mitgearbeitet. An die Geschäftsleitung habe ich da überhaupt noch nicht gedacht. Doch dann verstarb mein Vater unerwartet. Es gab keinen Plan für einen solchen Fall, es musste nur einfach weitergehen. Also übernahm ich die Verantwortung.

Klingt nach einem Sprung ins kalte Wasser … ?

Natürlich sollte die Übergabe anders erfolgen, als es dann tatsächlich geschehen ist. Doch ich kannte das Unternehmen, die zwei Jahre der Zusammenarbeit haben geholfen. Ich wusste auch, dass ich mich auf die Leute verlassen kann, dass jeder an seiner Stelle eine gute Arbeit leistet und mir damit den Rücken freihält.

Manch einer mag Sie noch als Kind gekannt haben, und jetzt waren Sie plötzlich die Chefin …?

Das ist richtig. Aber die Entwicklung geht voran, die Zeit ist nicht aufzuhalten. Es wäre die Unwahrheit zu behaupten, dass immer alles reibungslos verläuft, dass geht auch gar nicht. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Wie spiegelt sich das in der Entwicklung des Unternehmens wider?

Wir sind ein gut aufgestelltes mittelständisches Handwerksunternehmen mit zehn Mitarbeitern, davon zwei Auszubildende. Auf die Ausbildung lege ich großen Wert, auch wenn es schwierig geworden ist, geeigneten Nachwuchs zu finden. Unsere Palette reicht von Großaufträgen, wie z.B. der serienmäßigen Ausstattung von Hotelzimmern, bis zur Einzelanfertigung für Privatkunden. Mir ist es wichtig, dass wir als Unternehmen in der Region verwurzelt und auch für die Menschen „nebenan“ da sind. Mit einem kleinen Anbau werden wir unsere Kapazität stabilisieren. Ich bin mit der Entwicklung zufrieden und wünsche mir, dass es so weitergeht. Natürlich müssen wir mit der Zeit gehen – vor allem mit der immer mehr zunehmenden Automatisierung. Oder mit dem Vormarsch der Spanplatte, wobei aber auch wieder furnierte oder Möbel aus Vollholz nachgefragt werden.

Stehen Sie auch manchmal selbst an den Maschinen in der Werkstatt?

Nein, dafür bleibt einfach keine Zeit. Meine Hauptaufgaben liegen im Büro und beim Kunden. Ich weiß, dass ich mich auf meine Mitarbeiter verlassen kann und dass sie mit großer Selbstständigkeit ihre Arbeit verrichten.

Bedauern Sie es auch manchmal, selbstständig zu sein?

Nein, überhaupt nicht. Es macht Spaß, jeden Tag neuen Herausforderungen zu begegnen und die Firma meines Vaters weiter zu führen. Ich kann nur allen, die eine Idee für die Selbstständigkeit haben empfehlen, diese zu verwirklichen, gerade auch Frauen. Unternehmer sein ist nicht nur einfach, man muss jeden Tag Verantwortung tragen und immer wieder kleine und große Entscheidungen treffen.

Uwe Menschner / 27.02.2018

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