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Medienkompetenz für Ü50-Generation

Medienkompetenz für Ü50-Generation

Olav Gewald vom SAEK staunt, was Peter Blümel bereits wieder allein zu Stande gebracht hat. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK) haben über die Jahre bereits viel Medienkompetenz unter meist jungen Menschen der Region geschaffen. Doch nun sollen auch die Älteren stärker mitgenommen werden. Das neue Konzept läuft bestens an.

Görlitz. Im engen Schulungsraum des SAEK sitzt gerade eine achtköpfige Seniorengruppe vor Tablets und lässt sich vom Dresdner Medienpädagogen Oliver Zweinig erläutern, wie man auf Tablet und Smartphone Übersicht über die vielen Apps gewinnt und welche Anzeigeoptionen es im Display gibt. Teilnehmerin Roswita Neugebauer erläutert dem Niederschlesischen Kurier den Grund für ihre Anmeldung zum Workshop: „Ich habe ein Smartphone geschenkt bekommen und kenne viele Möglichkeiten nicht. Außerdem möchte ich nicht in Bezahlfallen tappen“. Eine starre Altersgrenze gibt es jedoch nicht. Auch eine jüngere Dame ist dabei, die ihre Fertigkeiten als Vielposterin im Netz zu verbessern sucht.

Im Nachbarraum sitzt ausnahmslos die Generation Ü50 beisammen, hier jedoch in kleinerer Redaktionsrunde. Peter Blümel (67) ist schon quasi Experte. Der pensionierte Holtendorfer Lebensmitteltechnologe agiert mit einem Schnittprogramm nach mittlerweile fünf Jahren in der Seniorenredaktion schon routiniert und berichtet von seinen redaktionell selbst konzipierten und gedrehten Beiträgen. Über den Via-Regia-Modellbau in Königsbrück, über die Sternradfahrt in Königshain oder den dortigen Granitabbau.

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Der Umgang mit Tablet, Smartphone und Co ist keine Domäne der Jugend mehr. Das SAEK vermittelt in seinen Workschops Wissen zunehmend auch an ältere Semester. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Diese und andere Beiträge kann man unter dem Schlagwort „Seniorenredaktion“ auf Youtube leicht finden. Sie erweitern auf überraschende Weise die Medienlandschaft der Region. Letztlich finden sich beim SAEK Menschen aus Löbau, Rothenburg, Ostritz oder Niesky ein, die das weit und breit einzigartige Angebot in Görlitz nutzen.
Die Redaktionskonferenz der Seniorenredaktion findet immer donnerstags 15.00 bis 17.00 Uhr statt. Peter Blümel wünscht sich, dass weitere Interessierte der Ü50-Generation einsteigen. „Für mich ist das ein echtes Hobby geworden und es macht auch Spaß, öffentlich über Medien Einfluss nehmen zu können“, betont er.

SAEK-Studioleiter Olav Giewald zeigt sich angetan von dem, was die Seniorenredaktion schon alles geschaffen hat, muss sich aber noch daran gewöhnen, dass die älteren Semester in immer stärkerem Maße die 1. Etage in den Räumen des SAEK an der Berliner Straße bevölkern.

Viele Jahre dominierten bei Seminaren und Workshops Schüler das Bild im Hause. Doch für die nächsten drei Jahre hat die öffentliche Hand ein neues Konzept ausgeschrieben. „Es geht darum, auch die Erwachsenen in Sachen Medienkompetenz bei dem schnellen digitalen Wandel heute mitzunehmen“, betont Olav Giewald. Bei den Medienwerkstätten gehe es konkret um das „Machen lernen“, wo die jungen Leute längst intuitiv und ohne Schwellenängste vorwärtsschreiten.
Viele neue Workshopangebote des SAEK kommen diesem Auftrag nun nach. „Das heißt jedoch nicht, dass Kinder und Jugendliche aus unserer Zielgruppe herausgefallen sind.“ Mit den eigenen Kapazitäten muss das SAEK dennoch natürlich haushalten. „In dem Dreiklang Kinder, Eltern, Lehrer müssen wir bei Projekten mit jungen Leuten daher z.B. auf mehr Vorarbeit an den Schulen bauen“. Und auch die Jugendredaktion ist natürlich ganz und gar nicht vertrieben. Sie hat sich mittlerweile in einem weiteren Raum zusammengefunden und berät, welches ihre nächsten Beiträge werden sollen.

Die Medienarbeit mit zunehmend älteren Teilnehmern sei jedoch im neuen Jahr hervorragend angelaufen. „Bislang waren alle Angebote schon nach kurzer Zeit ausgebucht, wir scheinen da in einen richtigen Bedarf hineingestoßen zu sein“, freut sich der Studioleiter Olav Giewald und fügt schmunzelnd hinzu: „Unsere Räume sind klein, wir wollen aber möglichst viele Teilnahmewünsche möglich machen. Im Zweifel sagen wir dann: ’Wenn Sie schlank sind, passen Sie vielleicht noch rein’“.

Die Umsetzung der neuen Zielvorgabe läuft auch deswegen gut an, weil sich ältere schwerer tun, bei der rasanten Entwicklung noch Schritt zu halten. Die Überraschung bei ihnen ist in Workshops oft größer, wenn schon anhand kleinen Trix erfahrbar wird, wie leicht elektronische Medien manipulierbar sind. „Wir haben z.B. mal ein Interview mit vielen Ähms und Denkpausen so geschnitten, um damit zu demonstrieren, wie leicht es ist, einen Interviewpartner als Deppen dastehen zu lassen.“ Auch wie einfach man Personen in Bilder hinkopieren oder herausschneiden könne sei im Rahmen von Workshops immer wieder ein Aha-Effekt, der zeige, dass Glaubwürdigkeit im Umgang mit Medien ein großes Thema in Zeiten geworden sei, in denen sich jeder selbst über das Internet zum Berichterstatter machen könne.

Zu diesem Komplex wird es demnächst auch zwei Podiumsdiskussionen geben. „Wird die Sachsen-Wahl im Netz entschieden?“, heißt es so am 14. März um 18.00 Uhr bei einer Podiumsdiskussion in der Stadtbibliothek Görlitz. „Vertrauenskrise? – Wie Journalisten in Sachsen arbeiten“ heißt es zudem am 17. April um 18.00 Uhr in der VHS Görlitz. Die Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) Sachsen, Ine Dippmann, berichtet dann.

Im März bietet das SAEK zudem folgende Workshops an.

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Freitag, 8. März, 9.00 bis 16.00 Uhr: Audiobearbeitung mit Audacity
Freitag, 15 März, 9.00 bis 17.00 Uhr: Trick-Animation mit dem Tablet
Freitag, 22. März, 9.00 bis 16.00 Uhr: Programmieren ist (k)ein Kinderspiel (Fortbildung für pädagogische Fachkräfte)

Till Scholtz-Knobloch / 18.02.2019

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