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Rhaue-Kacheln bei Freiberg erhalten

Rhaue-Kacheln bei Freiberg erhalten

Gerettete Originalkacheln wurden der Öffentlichkeit präsentiert. V.l.n.r. Vereinsmitglied Lothar Bobe, Christian Schmiedgen (Retter der Kulturhauskacheln), Matthias Wehnert. Foto: Angelika Lunzer

Halsbrücke/Görlitz. Ein Stück Görlitzer Kunstgeschichte hat sich in Halsbrücke bei Freiberg erhalten: Keramikkacheln des Görlitzer Malers und Keramikers Walter Rhaue (1885–1959) schmückten einst das Kulturhaus der Grube „Beihilfe“. Nachdem das Gebäude 1996 abgerissen worden war, wurden Teile der künstlerischen Ausstattung gerettet. Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September wurden die Originalkacheln kürzlich in der Erzwäsche Halsbrücke gezeigt.

Rhaue gehörte zu den bekannten Keramikmeistern Görlitz’ und betrieb die Oberlausitzer Kunsttöpferei in Biesnitz. Seine Arbeiten – darunter Kachelöfen, Vasen und Baukeramik – sind von schlesischer Volkskunst und den Stilrichtungen der 20er- und 30er Jahre geprägt. Die Kacheln aus Halsbrücke zeigen Bergbaumotive und waren ursprünglich an Säulen im Erdgeschoss und im ersten Stock des Kulturhauses angebracht.

Das Kulturhaus war 1951/52 vom VEB Bergbau- und Hüttenkombinat „Albert Funk“ auf dem Gelände der Grube „Beihilfe“ am Hammerberg errichtet worden. Der dreiflügelige Bau beherbergte unter anderem eine Kantine, Bibliothek, ein Musik- und Lesezimmer, einen Veranstaltungssaal sowie Arzt- und Zahnarztpraxen. Nach mehrjährigem Leerstand wurde der Gebäudekomplex 1996 abgerissen. Die Kacheln wurden zuvor von dem Halsbrücker Christian Schmiedgen geborgen.

Die Stücke sind nicht nur Beispiele für Rhaue als Keramiker, sondern zugleich Zeugnisse der Nachkriegsgeschichte des sächsischen Bergbaus. Sie gehören zu den baubezogenen Kunstwerken, die nach der ab 1952 geltenden DDR-Regelung zur „Kunst am Bau“ entstanden. Danach sollten ein bis zwei Prozent der Bausumme öffentlicher Verwaltungs-, Kultur- und Sozialbauten für künstlerische Gestaltung aufgewendet werden.

In Görlitz befasst sich die Walter-Rhaue-Sammlung und das dazugehörige Archiv mit dem Leben und Werk des Künstlers. Die Sammlung entstand aus umfangreichen Recherchen im In- und Ausland und arbeitet an einer erweiterten Biografie, der Erfassung seines Gesamtwerks und einem Werkverzeichnis. Gesucht werden weiterhin Keramiken und andere Zeugnisse aus Rhaue und der Oberlausitzer Kunsttöpferei Görlitz-Biesnitz. Kontakt stellt die Redaktion gerne her.⋌Till Scholtz-Knobloch

Till Scholtz-Knobloch / 04.10.2026

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