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Sahnehäubchen gegen die Schweinepest

Sahnehäubchen gegen die Schweinepest

Der Meißener Amtstierarzt Hans-Jörg Klaue (li.) und ein Kollege haben beim Entwirren der Drähte alle Hände voll zu tun.

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Norbert Bialek vom Bautzener Veterinäramt hat da was ganz Besonderes in petto ...

Im Oberlausitzer Bergland wurde in der vergangenen Woche für den Tag X geprobt. Dabei kamen auch überraschende Mittel zum Einsatz. 

Weifa. Niedrig steht die Wintersonne über den Hügeln zwischen Schirgiswalde und Weifa. Kaum ein Windhauch ist zu spüren, die feuchten Grashalme glitzern im Zwielicht. Der Wald sollte eigentlich ruhig daliegen – doch das tut er nicht: Laute Motorengeräusche dringen durch die eisige Luft, ab und zu unterbrochen durch Männerstimmen. Beim Näherkommen offenbart sich folgendes Szenario: Zwei Männer in orangefarbenen Arbeitsanzügen lassen ihre Motorsensen über den Randstreifen eines Waldwegs tanzen. Zwei weitere folgen ihnen mit einem Knäuel blauen Drahtes, das sich auf der bereits zurückgelegten Wegstrecke zu einem Zaun mit drei Litzen entworren hat. Der ältere dieser beiden Männer stellt sich als Hans-Jörg Klaue, Leiter des Veterinäramtes und Amtstierarzt im Landkreis Meißen, vor und erklärt: „Wir bauen hier einen Wildabwehrzaun auf.“

Doch wozu, und was macht der Amtstierarzt aus Meißen hier im Landkreis Bautzen, fast an der tschechischen Grenze? „Es handelt sich um eine Übung, bei der wir Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest trainieren“, erklärt Hans-Jörg Klaue. Das Szenario: Auf einer Waldlichtung nahe der Grenze wurden drei verendete Frischlinge aufgefunden. Die Landesuntersuchungsanstalt hat den befürchteten Befund gemeldet: positiv auf ASP. Obwohl Meißen aufgrund seiner Ferne zur polnischen Grenze sicher nicht als erster sächsischer Landkreis mit der gefürchteten Seuche konfrontiert werden dürfte, haben die dortigen Veterinäre bereits umfangreiche Erfahrungen mit dem Bau solcher Zäune. Die geben sie jetzt – unter anderem – an ihre Bautzener Kollegen weiter. „Ihr müsst unbedingt einen Dorn mitnehmen“, rät der Amtstierarzt aus der Domstadt seinen Begleitern. Entgegen der ursprünglichen Annahme erweist sich der Waldboden nämlich nicht etwa als weich, sondern als recht widerspenstig. Mit dem Wildabwehrzaun, der nach seiner Fertigstellung unter Strom gesetzt wird, wollen die Forst- und Veterinärbeamten nach einem Ausbruch der Schweinepest die zuvor amtlich festgelegte „Kernzone“ sichern.

Das heißt: Kein größeres Tier – also auch kein Mensch – kommt rein, und kein Wildschwein raus. Lediglich zur „Absuche nach Fallwild“ – also nach verendeten Tieren – kann die abgesperrte Zone betreten werden. „Das Ziel besteht darin, kleinere lokale Ausbrüche der Schweineseuche, die von einem einzelnen Herd ausgehen, auszutilgen“, erklärt Norbert Bialek, Sachgebietsleiter im Bautzener Veterinäramt. Einen großflächigen Einfall der Schweinepest – wie er an der polnischen Grenze in naher Zukunft befürchtet werden muss – könne man damit freilich nicht aufhalten.

Bei den zuständigen Landesbehörden laufen die Vorbereitungen für den „Tag X“ auf Hochtouren. Die Übung zwischen Schirgiswalde und Weifa bildet dafür nur einen von mehreren Mosaiksteinen. Sie bettet sich ein in zwei weitere Übungen, die am Vortag bei Leipzig und am nächsten Tag bei Dresden stattgefunden haben. Dabei wurden die gezielte Suche nach verendeten Tieren – unter anderem mit Drohnen – sowie die Tötung eines kompletten Schweinebestandes in einem Landwirtschaftsbetrieb geübt bzw. simuliert. Denn: Wenn in einem Gebiet die Wildschweine von der Schweinepest befallen sind, gibt es auch für die in der Umgebung gehaltenen Hausschweine keine Zukunft mehr. Noch fällt es schwer, sich ein solches Szenario vorzustellen, doch es wird dazu kommen. Und es ist auch keineswegs beispiellos: In Zeiten der Vogelgrippe wurden auch in Sachsen bereits komplette Geflügelbestände vernichtet. „Es ist nur eine Frage der Zeit“, sind sich die Experten einig. Bis auf 40 Kilometer ist die Krankheit der deutschen Grenze im Lebuser Land bereits nahe gerückt. „Und die Neiße bildet für Wildschweine kein ernsthaftes Hindernis“, weiß Steffen Rüger, der im Veterinäramt des Landkreises Bautzen arbeitet und sich intensiv mit den Schutzmaßnahmen im Pückler-Park Muskau beschäftigt: „Zurzeit können sie dort durchwaten. An den Zäunen allerdings scheitern sie.“ Und sein Kollege Norbert Bialek hat noch ein „Sahnehäubchen“ zu verteilen: Einen Schaum, der die Wildschweine durch seinen Geruch fernhält, und der in am Zaun eingehängte Plastetassen gesprüht wird. „Hier kommt garantiert kein Wildschwein in die Nähe“, versichert er. Und die Wintersonne steigt immer höher ...

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Uwe Menschner / 08.12.2019

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