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Sanierung auf der Zielgeraden

Sanierung auf der Zielgeraden

Die meisten der Thiemann-Filialen, wie die in der Bautzener Reichenstraße, werden erhalten bleiben. Foto: Markus Michalk

Die Parfümerie Thiemann befindet sich im Planinsolvenzverfahren. Während Filialschließungen und Entlassungen belasten, hofft das Bautzener Unternehmen auf einen Neustart im Dezember.

Bautzen. Ein Familienbetrieb kämpft sich zurück in die Erfolgsspur: Seit dem Beginn des Sanierungsverfahrens im Juni dieses Jahres geht die Parfümerie Thiemann neue Wege, um ihre Zukunft langfristig zu sichern. 

Das Bautzener Unternehmen nutzt hierfür eine sogenannte Planinsolvenz. Anders als bei einer klassischen Pleite behält die Geschäftsführung dabei unter gerichtlicher Aufsicht selbst das Steuer in der Hand, um den Betrieb geordnet zu restrukturieren. Diese Strategie scheint aufzugehen: Wie die Unternehmensleitung mitteilt, entwickelt sich das Verfahren bislang wie geplant und die eingeleiteten Maßnahmen zeigen die beabsichtigte Sanierungswirkung. Das große Ziel steht fest: Bis Ende November soll die Planinsolvenz erfolgreich abgeschlossen sein, damit die Parfümerie Thiemann pünktlich zum wichtigen Weihnachtsgeschäft wieder in den regulären Geschäftsbetrieb übergehen kann. „Gleichzeitig bleibt diese Phase für unser gesamtes Unternehmen herausfordernd, da wir wirtschaftlich notwendige Veränderungen umsetzen und den laufenden Geschäftsbetrieb unter eingeschränkten Bedingungen gestalten müssen“, betont Otto Thiemann, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Restrukturierung bringt einschneidende Veränderungen für das Filialnetz und die Belegschaft mit sich. Betroffen von den Schließungen sind die Standorte in Freiberg, Halle-Neustadt und Leipzig. Die anderen Filialen, unter anderem in Bautzen und Görlitz, bleiben erhalten. Allerdings musste die Parfümerie-Kette personelle Kürzungen im Zentrallager vornehmen. Das Team trage die aktuelle Phase jedoch zu einem großen Teil mit, erklärt Thiemann. Das Unternehmen habe den betroffenen Mitarbeitern, wo immer es möglich gewesen sei, eine Weiterbeschäftigung an anderer Stelle im Betrieb angeboten. Dennoch hätten sich betriebsbedingte Kündigungen nicht vollständig vermeiden lassen. So seien zehn Mitarbeiterinnen von den Schließungen in Freiberg, Halle und Leipzig betroffen. Das übergeordnete Ziel der Maßnahmen sei es nun, die verbleibenden Arbeitsplätze auf einer wirtschaftlich stabilen Grundlage langfristig zu sichern.

Als wesentlichen Faktor für die wirtschaftliche Schieflage macht die Unternehmensführung die Situation in den Einkaufszentren aus. Thiemann fand hierzu deutliche Worte: „Eine erhebliche Belastung bleibt aus unserer Sicht die Zusammenarbeit mit den Centerbetreibern. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an diesen Standorten und die aus unserer Sicht unzureichende Bereitschaft zu tragfähigen Mietanpassungen haben wesentlich zum Sanierungsbedarf beigetragen.“ Die starren Strukturen und hohen Kosten an den betroffenen Center-Standorten hätten den Druck auf das Familienunternehmen massiv erhöht.Für die Kundschaft bringt das laufende Insolvenzverfahren unterdessen eine spürbare Einschränkung im Alltag mit sich: Das Unternehmen bedauert, dass derzeit keine Gutscheine angenommen werden können. Das sei aus rechtlichen Gründen während eines laufenden Insolvenzverfahrens generell nicht zulässig, da es sich um Forderungen aus der Zeit vor der Verfahrenseröffnung handelt. 

„Wir bedauern diese Situation sehr und wünschen uns selbstverständlich, dass die bestehenden Gutscheine nach Abschluss des Verfahrens wieder eingelöst werden können. Eine verbindliche Zusage können wir hierzu zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht geben. Die Gültigkeitsdauer der bereits ausgegebenen Gutscheine wurde pauschal um sechs Monate verlängert“, so Otto Thiemann. Für Kundinnen und Kunden geschlossener Standorte sei außerdem eine Übertragung auf Online-Gutscheine möglich.

Die kommenden Wochen bleiben für die Parfümerie Thiemann entscheidend. Mit dem anvisierten Ende des Verfahrens im Spätherbst setzt das Bautzener Unternehmen alles daran, gestärkt aus der Krise hervorzugehen und das für die Branche überaus wichtige Jahresendgeschäft auf einem soliden Fundament zu bestreiten.

Markus Michalk / 14.10.2026

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