Sorbische Klänge zur Einheitsfeier in Prag

Skupina Astronawt, sorbischer Pop in der Deutschen Botschaft in Prag. Matej Zieschwauck aus Dreikretscham (r.) mit Bandmitgliedern. Foto: privat
Musik aus einer echten Nische war in der Deutschen Botschaft in Prag anlässlich der diesjährigen Feier zur Deutschen Wiedervereinigung zu hören. Auf Einladung der Sächsischen Staatskanzlei begleitet die sorbische Band Skupina Astronawt den Festakt musikalisch.
Dreikretscham/Prag. Bandgründungsmitglied Matej Zieschwauck ist ebenfalls Botschafter, aber ganz anderer Natur.
Seine sorbische Abstammung hat nicht nur zahlreiche Entscheidungen in seinem Leben mitbestimmt, sie wurde zu einem intuitiven Lebensmodell. Sein Wirken widmet er dem Ziel, die sorbische Sprache und Kultur in allen Bereichen des Alltags mit Leben zu erfüllen.
Aufgewachsen mit fünf Geschwistern in einer sorbischen Familie, lernte der heute 39-jährige erst im Kindergarten Deutsch. Schon als Gymnasialschüler des Sorbischen Gymnasiums in Bautzen moderierte Matej die sorbische Jugendsendung Radio Satkula im MDR Studio in Bautzen. Vor allem Themen, die Gleichaltrige der sorbischen Minderheit bewegten, bearbeitete er damals. Seine Muttersprache Sorbisch und die sorbische Kultur in allen Bereichen des Alltags lebendig zu halten, wurde zur bestimmenden Priorität bei der Studien- und anschließenden Berufswahl, bei Hobbys und gesellschaftlichem Engagement. Trotz seiner Verbundenheit zu seiner Uni Stadt Leipzig ist er aus seinem Heimatdorf Dreikretscham nie wirklich weggezogen.
Heute ist Matej Zieschwauck Redakteur und Moderator für das sorbische Radioprogramm des MDR im Regionalstudio Bautzen. Täglich trägt er als Redakteur alles Wichtige aus dem sorbischen Leben der Ober- und Niederlausitz zusammen, erstellt Beiträge und liest die Nachrichten auf Sorbisch. Besonders spannend ist es, wenn er die Spuren ausgewanderter Sorben im Ausland verfolgt, wie zum Beispiel in Amerika. Auf die Frage, wo ihm das Sorbische am wichtigsten sei, gibt er eine einfache Antwort: „Überall. Wann immer es geht und überall Sorbisch zu sprechen, das ist mein Anspruch.“ Seine Präsenz mit Ideen in Kunst, Kultur und Bildung ist sehr vielfältig. „Ja, ich würde mich als Botschafter einer jungen, lebendigen sorbischen Kultur bezeichnen.“ lässt er wissen. Social Media spielt dabei eine große Rolle. Im Kanal „Sorbisch? Na klar.“ greift er viele Alltagsthemen des heutigen sorbischen Lebens auf. Das 2019 ins Leben gerufene Kunstprojekt STUDIO LIJPSK ist ein künstlerischer Ansatz, mittels sorbischer Trachtenelemente in Fotoarbeiten, Impulse für die Alltagskleidung zu geben. Diese Fotos waren in mehreren Ausstellungen zu sehen, auch in der Landeshauptstadt der tschechischen Nachbarn, Prag. Mit seinem Musikprojekt Skupina Astronawt führte der Weg nun erneut nach Prag.
Die Band, die 2019 gegründet wurde, schreibt zum einen ihre Texte selbst. Dabei geht es um Themen, die das sorbische Leben heute beeinflussen. Zum anderen fließen aber auch bereits vergessene sorbische Volkskunsttexte ein, die aus dem vergangenen Jahrhundert stammen und trotzdem zeitlos schön sind. „Musikalisch ist unser Stil sehr vielschichtig. Von queerem Hip-Hop über Elemente der obersorbischen Blasmusik als Verbindungsstück von Tradition und Moderne, niedersorbischem Rap und sorbischer Rock- und Popmusik lässt sich das beschreiben, was der harte Kern der Band, Olli, Juri und ich, auf die Bühne bringt“, beschreibt Matej seine Musik. Dabei war Skupina Astronawt oft kreativer Mutmacher und Inspirator für andere Bands, Musik in der Minderheitensprache zu schaffen. Bisheriges Highlight in der Bandgeschichte war ein deutschlandweit ausgestrahlter ZDF-Auftritt im Abendprogramm.
Am 1. Oktober wurde es für die Band sehr feierlich. Skupina Astronawt war in die Prager Botschaft eingeladen, um die diesjährigen Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit mit einem einstündigen Konzert zu begleiten. „Für mich ist diese Einladung etwas sehr Besonderes gewesen. Sie zeigt, dass wir mit unserer sorbischen Musik und unseren sorbischen Inhalten Interesse wecken und wir die Möglichkeit haben, auch im Ausland unsere Minderheit im heutigen Zeitgeist zu präsentieren.“ erzählt er. Da die wenigsten die Möglichkeit hatten, am Festakt in Tschechien teilzunehmen, lädt Matej Zieschwauck alle an der sorbischen Kultur Interessierten ein, mal etwas näher über die sozialen Medien das Geschehen im sorbischen Leben zu verfolgen. Oder besser direkt vor Ort bei Veranstaltungen oder Konzerten, „denn als slawische Minderheit erfüllen wir wahrscheinlich auch Stereotype wie eine den Slawen nachgesagte besondere Art der Gastfreundschaft und Geselligkeit. Das alles auf breiter Ebene lebendig zu halten und an die nächste Generation weiterzugeben, ist meine große Motivation“, so Matej Zieschwauck.