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Akustik in Stadthalle – wie weiter damit?

Akustik in Stadthalle – wie weiter damit?

Noch ist die Görlitzer Stadthalle nicht nutzbar, doch aktuell erlebt das Gebäude eine grundlegende Substanzsicherung. Auch die Akustik soll verbessert werden. Foto: Archiv/fum

Görlitz. Vor ihrer Schließung Ende 2004 galt die Stadthalle als Paradebeispiel für gute Akustik. Doch Messungen von Fachleuten bestätigten die teilweise auch vorhandene Kritik. Im Zuge der Sanierung soll der Klanggenuss verbessert werden – im Rahmen der baulichen und finanziellen Möglichkeiten.

Frank Schultz, ein versierter Akustiker und Schallschutzberater, kennt die Klangverhältnisse in der Görlitzer Stadthalle aus erster Hand. Denn er hat mit seinem Büro verschiedene Messungen vorgenommen, den Ist-Zustand beurteilt und Vorschläge für die Verbesserung der Klangqualität gemacht. Fest steht: Der große Saal der Stadthalle bot in seiner bisherigen Form gute Bedingungen für das Musizieren von Orchestern, besaß eine angemessene Nachhallzeit und bot eine zufriedenstellende Verständlichkeit von Sprache und Gesang.

Allerdings gab es von den früheren Nutzern durchaus auch Kritik an den Qualitätsparametern in Sachen Akustik. Schließlich meint Frank Schultz auch, dass sich die Hörgewohnheiten im Vergleich zu 1910, dem Jahr der Einweihung, erheblich verändert hätten. Daraus, aber auch aus der Aufgabenstellung der Stadt, resultierten seine Untersuchungen, die er bereits 2012 vor Ort durchgeführt hat, im Laufe der Zeit aber nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. „Wichtig war, den großen Saal der Stadthalle hinsichtlich seiner multifunktionalen Nutzung mit dem Schwerpunkt auf klassische Konzerte zu beurteilen. Darüber hinaus aber auch die Akustik im Hinblick auf Unterhaltungsmusik, Vorträge, Sport und Tanz – also eigentlich alles – zu untersuchen.“ Schließlich gehe es auch um den Parallelbetrieb des Saales und anderer Räume.

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Die Ergebnisse der theoretischen Berechnungen, die für einen mit 1.600 Besucher voll besetzten Saal und ein Orchester mit circa 70 Musikern angenommen wurden, ergaben eine Qualität, die vergleichbar ist mit dem Musikvereinssaal Wien und dem Konzerthaus Berlin. Es herrsche ein warmes, tiefenbetontes Klangbild, so Schultz, das gute Voraussetzungen für hochwertige klassische Konzerte biete. Negativ mache sich jedoch die große Deckenhöhe bemerkbar, außerdem die geringe Strukturierung von Schallreflexionsflächen an Wänden und Decken sowie die zu lange Nachhallzeit, die bei geringerer Besetzung des Saales – was Besucher und Orchester betrifft – noch zunehme.

Der Akustikexperte schlägt deshalb mehr Reflexionsflächen im Bühnenbereich vor. Aber auch Schallreflektoren an den Seitenwänden und der Brüstung in den Rängen könnten Verbesserungen bringen. Wichtig seien zudem variabel einsetzbare temporäre raumakustische Maßnahmen, die das Klangbild bei einer Nutzung mit geringerer Besetzung optimieren. Frank Schultz regt an, dass Akustikmessungen begleitend zu jedem Sanierungsschritt durchgeführt werden, um in der weiteren Planung schnell auf akustische Erfordernisse reagieren zu können. Eine Schwierigkeit sieht er bei gleichzeitigem Orgel- und Orchesterspiel. „Hierbei ist es wichtig, die richtige Balance zu finden.“

Unterdessen gehen die Arbeiten an der Stadthalle in eine neue Phase. Nach Auskunft von Christian Wünsche vom den Bau begleitenden Görlitzer Architetur- und Ingenieurbüro Wünsche und Langer werden derzeit noch die zusätzlichen Stahlkonstruktionen aus den Anfängen der Stadthalle gesichert, die nach Abschluss der Arbeiten dem Gebäude eine grundsätzliche Standsicherheit verleihen. Parallel beginne der zweite Bauabschnitt, in dem die Decke, auf der der große Saal stehe, ersetzt wird. Der Materialaufbau müsse mit der für den Saal gewollten Akustik korrespondieren. Darüber hinaus gehe es um die Gestaltung der Saalfenster, die entsprechend der ursprünglichen Fassung aus dem Jahre 1910 rekonstruiert werden sollen.

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Laut Christian Wünsche werden weitere Abschnitte folgen, wobei sich die Durchführung vor allem nach den verfügbaren Finanzen richtet. So soll der kleine Saal bespielbar gemacht werden, den hinteren Gebäudeteil erwartet eine grundlegende konstruktive Instandsetzung. Insgesamt seien in dem Objekt vielfältige Zusammenhänge zu beachten – vor allem bei der Haustechnik, bei Lüftung und Heizung. Aktuell, so Wünsche, sei man mitten in einer grundlegenden Substanzsicherung.

Frank-Uwe Michel / 29.11.2016

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