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Aus altem Schotter wird neuer Splitt

Aus altem Schotter wird neuer Splitt

Die Maschine saugt den Schotter aus dem Gleisbett, bevor er zur Aufbereitungsanlage nach Niesky gebracht wird.

Reich an Kies und Schotter – das ist die Trasse der Niederschlesischen Magistrale zwischen Lohsa und Niesky, die derzeit von der Deutschen Bahn AG ausgebaut wird. Da dies allerdings nur im wörtlichen Sinne gilt, hat das Unternehmen eine bemerkenswerte Logistik in Gang gesetzt, um möglichst viel davon auch für die neue Trasse verwenden zu können.

Niesky. Der Nieskyer Ziegelweg ist normalerweise eine eher ruhige Ecke. Derzeit jedoch geht es auf dem Areal nördlich des Waggonbauwerkes zu wie in einem Bienenstock. Bagger und Radlader fahren zwischen großen Stein- und Erdhaufen hin und her, nehmen hier etwas auf und laden es einige Hundert Meter entfernt wieder ab. Kaum zu glauben, aber das Ganze folgt einem wohl ausgeklügelten System: „Wir recyceln hier den beim Rückbau des alten Gleiskörpers der Niederschlesischen Magistrale aufgenommenen Schotter mit dem Ziel, möglichst viel davon beim Neuaufbau wieder verwenden zu können“, wie der leitende Projektingenieur Holger Braune erklärt.

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Der Schotterzug hat seine Schleusen geöffnet und schüttet seine Fracht in die dafür angelegte Mulde auf dem gelände der Schotteraufbereitungsanlage.

Dazu muss der Schotter erst einmal nach Niesky kommen – was ausschließlich auf der Schiene passiert. Von Lohsa aus arbeitet sich ein etwa 700 Meter langer Zug in Richtung Niesky vor, an dessen Spitze – oder doch eher an dessen Ende? - sich eine „Schotterbettreinigungsmaschine“ befindet. Diese saugt den Schotter vom Gleisbett an und belädt damit den ihr nächst gelegenen Waggon, von dem aus er über ein Förderband zum nächsten Wagen gelangt – und so weiter. Ist der am weitesten entfernte Waggon voll, wird das entsprechende Förderband abgeschaltet, und der nächste beladen.

Ist schließlich der gesamte Zug voll beladen, geht es ab nach Niesky. „Das von uns als Aufbereitungsanlage genutzte Areal verfügt über einen Gleisanschluss, den wir nur herrichten mussten, und eignet sich daher optimal für diesen Zweck“, versichert Holger Braune. Parallel zu den letzten 200 Metern des Gleises wurde eine Abwurfmulde angelegt, in die der Zug seine steinige und erdige Fracht entlädt. In mehreren Strömen ergießt sich das Schüttgut in die Mulde. Ist der Zug vollständig entladen, treten die Radlader in Aktion: Sie transportieren den Schotter zunächst zur Siebanlage

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„Die Feinanteile werden abgetrennt und entsorgt. Die verbleibenden Schottersteine zermahlen wir in unserer Anlage zu Splitt, der beim Wiederaufbau des Gleisplanums zum Einsatz kommt“, erläutert der Projektingenieur.

Da der Erdkörper der Bahntrasse sehr weich und sandig ist, muss er durch eine so genannte „Planumsschutzschicht“, die aus mit Sand versetztem Splitt besteht, stabilisiert werden. Den für den Neuaufbau des Gleisbetts benötigten Schotter hingegen gewinnen die Bauleute der Deutschen Bahn nicht im Recyclingverfahren: „Der kommt aus verschiedenen Steinbrüchen der Region und wird ebenfalls auf der Schiene antransportiert.“ Circa 75 Prozent des aus dem alten Gleiskörper entfernten Materials, so schätzt Holger Braune, können wieder verwendet werden. Der Rest wird als Sondermüll entsorgt. Die Schotteraufbereitungsanlage am Ziegelweg bildet nur einen Aspekt, durch den die Stadt Niesky vom Neubau der Niederschlesischen Magistrale betroffen ist. Wann die Baukolonne auch auf den Gleisanlagen innerhalb der Stadtgrenzen anrollt, steht noch nicht fest. „Niesky selbst gehört zum Planungsabschnitt 2 b, für den wir noch keinen Planfeststellungsbeschluss haben und mit einem Baubeginn im Mai 2017 rechnen“, so der Leiter des Gesamtprojektes, Ulrich Mölke. Der derzeitige Rückbau endet Anfang Juni vor den Toren Nieskys. Dies verschafft den Nieskyern noch ein wenig Zeit, sich auf die erhöhte Verkehrsbelastung der Innenstadt während der Bauphase einzustellen: „Für den Bau der Oberleitung muss die Brücke der B 115 angehoben werden, wozu eine Vollsperrung unumgänglich ist. Der Verkehr kann nur durch die Stadt umgeleitet werden“, wie Holger Braune betont. Dieser Ausnahmezustand wird für etwa zehn Monate anhalten.    

Uwe Menschner / 18.05.2016

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