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Der einsame Kampf um Bautzens Krone

Der einsame Kampf um Bautzens Krone

Für den Kauf der ehemaligen Stadthalle Krone durch die Stadt und deren Erhalt sammelt eine Bürgerinitiative seit Kurzem via Facebook Unterstützerunterschriften. Foto: Montage

Bautzen. Ist der Kampf um die Krone endgültig verloren? Nachdem jüngst SPD und CDU unabhängig voneinander zu Gesprächsrunden mit Bürgern und Vertretern der Verwaltung eingeladen haben, bei denen sich durchaus kontrovers mit der Stadtspitze über die Zukunft der mittlerweile geschlossenen Stadthalle diskutieren ließ, schwenken scheinbar immer mehr Bürgervertreter der großen beiden Stadtratsfraktionen auf den Kurs des Rathauses ein. Am Ende entscheiden sie und die Abgeordneten von Linkspartei, Bürger Bündnis Bautzen, FDP, Bündnisgrünen und Pegasus über das Schicksal des Hauses und des ihm zu Füßen liegenden Parkplatzes mit seinen rund 220 Stellflächen. Frühestens im April könnte eine Entscheidung fallen.

Votum der SPD-Genossen steht bereits fest

Die Frage dabei ist nach wie vor: Soll die Kommune das 2,2 Millionen Euro teure Immobilienensemble an der Töpferstraße erwerben oder doch besser die Finger davon lassen? Roland Fleischer, der die Sozialdemokraten im Stadtrat anführt, hat sich bereits festgelegt: „Die SPD-Fraktion lehnt den Kauf des Krone-Areals ab.“ Dann allerdings wäre ein unter eigener Regie zu entwickelndes Filetstück im Herzen von Bautzen für immer passé. Darüber waren sich mehrere Stadträte im Gespräch mit dem Oberlausitzer Kurier im Vorfeld der Diskussionsrunden einig, so auch die CDU. Inzwischen ist aus deren Reihen genau das Gegenteil zu vernehmen: „Eigentlich steht hier rein ökonomisch gesehen keine prachtvolle Stadthalle mit Parkmöglichkeiten zum Verkauf“, konstatierten die Christdemokraten im Anschluss an ihre vor wenigen Tagen gut besuchte Veranstaltung in einer Pressemitteilung, „sondern ein Parkplatz mit historischem Schuppen.“

Diese Worte erinnern stark an Äußerungen von Oberbürgermeister Alexander Ahrens, der bereits frühzeitig die Öffentlichkeit wissen ließ, was er als langjähriger West-Berliner von der Krone hält. Er geht davon aus, dass diese „heute schon marode“ sei, sagte das Stadtoberhaupt in einem früheren Interview mit unserer Zeitung.

Hand aufs Herz: Wer von den Verantwortungsträgern hat sich in der jüngeren Vergangenheit im Inneren des Gebäudes umgeschaut? Der Idee, in der Krone eine Einwohnerversammlung abzuhalten, damit sich sowohl die Bautzener als auch ihre Stadtväter direkt vor Ort über den wirklichen Zustand der Stadthalle ein Bild machen können, erteilte Alexander Ahrens beizeiten eine Absage. Der Protest von der Straße lässt vor diesem Hintergrund nicht lange auf sich warten. „Wer so ein Veranstaltungshaus wie die Krone nicht in Besitz der Stadt nehmen will und sogar über deren Abriss nachdenkt, zeigt ein absolutes Desinteresse für die Belange der Einwohner dieser Stadt“, schildert unter anderem Leser Reiner Scholz seine Sicht auf die Dinge.

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CDU befürchtet hohe Unterhaltungskosten

Die vom Rathaus kommunizierten Zahlen sprechen dabei für sich. „Am Ende hängt alles davon ab, was man aus der Stadthalle machen möchte“, heißt es weiter in der CDU-Pressemitteilung. „Belässt man den Betrieb so wie er ist – also inklusive hoher Heizkosten, schlechter Zuwegung, mangelhafter Ausstattung – würde die Stadtkasse mit einem 150.000-Euro-Zuschuss pro Jahr belastet. Klar also, dass investiert werden müsste, um Stadthallen wie in Löbau oder Hoyerswerda ernsthaft Konkurrenz zu machen. Die Höhe reicht von rund 300.000 Euro für die notwendigsten Reparaturen und Instandsetzungen bei Bühnen- und Tontechnik über die mögliche Erneuerung der historischen Lüftungsanlage bis hin zu Millioneninvestitionen in eine fast schon neue Halle. Bedenklich dabei ist die Frage nach dem Brandschutz. So hat der Verkäufer bisher wichtige Brandschutzunterlagen nicht übermittelt.“ Brandschutzauflagen können jedoch schnell eine weitere Millionensumme nach sich ziehen, mutmaßt die CDU. Die SPD geht ebenfalls davon aus, dass es nicht allein bei dem zu vereinbarenden Kaufpreis bleiben würde. Allein dieser erscheint den Genossen viel zu hoch. „Eine Sanierung kostet fünf bis sechs Millionen Euro“, argumentiert die Fraktionsspitze. Die jährlichen Folgekosten würden mehrere hunderttausend Euro verschlingen. „Für eine tatsächliche von Eventmanagern geforderte Stadthalle ist die Krone zu klein, ein finanziell nachhaltiges Konzept ist nicht in Sicht und somit ist der Kauf ein Finanz-Harakiri. Die harten Konsequenzen wären auf Dauer Einsparungen bei den Freiwilligkeitsleistungen bei Kultur, Sport, den Vereinen, den Schulen, den Kitas und vieles mehr.“ Das sei mit der SPD nicht zu machen.

Bürgerinitiative und Freidemokraten pro Krone

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Anders sehen das Immobilienexperten und die Liberalen. Die FDP steht weiterhin zur Krone, versicherte Fraktionschef Mike Hauschild. „Selbst die Gutachten der Stadtverwaltung und Wohnungsbaugesellschaft BWB bescheinigen dem Gebäude und dem Parkplatz eine gute Bausubstanz.“ Das widerspricht den Ausführungen von Christ- und Sozialdemokraten. „Allein das Lüftungssystem ist ein normales Risiko, entsprechend ihres Alters. Das Zahlenmonopoly und ständige Wiederholen von Alternativen Fakten bringen uns nicht weiter.“ Vor diesem Hintergrund fordern die Freidemokraten, endlich einen Kaufvertrag auf den Tisch zu legen. „Dann werden wir entscheiden, ob uns diese Summe für die einzige Veranstaltungshalle in Bautzen gerechtfertigt erscheint.“

Rückendeckung bekommt der frühere Landtagsabgeordnete indes von den Mitstreitern einer Bürgerinitiative und zahlreichen Menschen aus der Spreestadt und deren Umland. „Ich finde es sehr schade, dass ein Wahrzeichen der Bautzener einfach weichen soll“, schrieb einer unserer Leser, „weil angeblich das Geld fehlt. Man sollte aber eher sagen, es soll fehlen. Soweit ich weiß, ständen Mittel zur Verfügung, die nur mobil gemacht beziehungsweise beantragt werden müssten. Doch wahrscheinlich ist das wieder zu viel Arbeit.“ An Vorschlägen für eine Nutzung der Krone mangelt es derweil nicht. Immer mehr Anregungen gehen beim Oberlausitzer Kurier ein. Die Palette reicht inzwischen von Tanzveranstaltungen, Vereinsfesten und Betriebsfeiern über Box- und andere Sportevents, Veranstaltungen des benachbarten Hotels, der Musikschule, des Jugendblasorchester und von Reiseveranstaltern bis hin zu Flohmärkten, Whiskey- und anderen Kleinmessen, Parteitagen, Ausbildungs- und Jobbörsen sowie dem Generationentreffen Schadzo-wanka. Aber auch Jugendweihen, die Vogelhochzeit oder die Im- und Exmatrikulationsfeiern der Berufsakademie ließen sich vor Ort durchführen, meint Utta Winzer. Sie ist die Sprecherin der Bürgerinitiative. Wie die Bautzenerin während der SPD-Diskussionsrunde vernommen haben will, prüft die Verwaltung trotz aller Voreingenommenheit mittlerweile die Beantragung von Fördermitteln. „Wenn eine Finanzspritze tatsächlich fließt“, so sagt sie, „sieht die Sache schon ganz anders aus.“ In dem Fall stünden die Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung für den Betrieb der Krone zur Verfügung. Unabhängig davon hat die Bürgerinitiative eine Online-Petition auf den Weg gebracht und eigenen Angaben zufolge mit Stand Mittwoch bereits über 300 Unterschriften zusammengetragen. So wird sich zeigen, welchen Rückhalt die Stadthalle Krone in der Bevölkerung tatsächlich genießt. Fakt ist: Noch vor einem Jahr war im Amtsblatt der Kommune zu lesen, dass das Veranstaltungshaus zu den prägendsten Gebäuden in Bautzen gehört. Es war aus der in den 1960er Jahren wegen Baumängeln geschlossenen Vorgängerin der Krone hervorgegangen, um für den Ansturm anlässlich der 9. Arbeiterfestspiele gerüstet zu sein. Allein der Saal bietet mit seiner 4.500 Quadratmeter großen Fläche Platz für Hunderte Besucher.    Genau wie in diesen Tagen setzte sich seinerzeit der 1995 verstorbene Künstler und MDR-Moderator Günter Semjank aus Kirschau für den Fortbestand des Hauses ein. „Die Krone muss bleiben! Die Krone ist heute schöner als je zuvor.“ Seine Worte geben inzwischen nicht nur der Bürgerinitiative den nötigen Antrieb, um ein Stück Kultur in der Stadt zu bewahren.

Roland Kaiser / 01.04.2018

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Kommentare zum Artikel "Der einsame Kampf um Bautzens Krone"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Heidrun Brauer schrieb am

    ,, für den Erhalt der Krone"

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