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Drei Arbeiter und 
ein 50-Meter-Riese

Drei Arbeiter und 
ein 50-Meter-Riese

Vor dem Beginn der Arbeiten wird das Bohrpfahlgerät akribisch vorbereitet.

Gewöhnlich ist etwas anderes. Wer sich zurzeit der Baustelle auf der Staatsstraße 100 zwischen Königsbrück und Koitzsch nähert, sieht sich einem 50 Meter hohen „Monstergerät“ gegenüber. Rein äußerlich ähnelt es den Rüttellanzen, die zuweilen im Lausitzer Seenland im Einsatz sind. Doch seine Aufgabe ist eine andere.

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Aus der Tiefe der Baustelle befördert das Bohrpfahlgerät jede Menge Erde und Gestein an die Oberfläche.

Koitzsch. „Hierbei handelt es sich um ein Bohrpfahlgerät“, erklärt Karsten Mühlmann. Als Referatsleiter für Brückenbau beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) hat er es immer wieder mit neuen und besonderen Herausforderungen zu tun. Die Baustelle bei Koitzsch zählt zweifellos dazu. „Die Besonderheit besteht an dieser Stelle in der bis zu zwei Meter tiefen Torfschicht, die keine ausreichende Festigkeit für eine sichere Gründung bietet“, erläutert er. Hinzu komme der Charakter der Umgebung als geschütztes Biotop, der anderswo vorhandene Optionen – wie die Trockenlegung des Untergrundes – verbietet: „Das würde dem Charakter dieses Gebietes als Bachaue komplett widersprechen.“

Wie aber bekommt man dann einen stabilen Untergrund für die Straße hin, die eine wichtige Verbindung zwischen der früheren Kreisstadt Kamenz und dem nördlichen Dresdner Umland darstellt? Diese Frage stellt sich spätestens seit 2013, als bei Routinekontrollen „eine deutlich fortschreitende Rissbildung im Fahrbahnbelag“ festgestellt wurde, wie Lasuv-Pressesprecherin Isabel Siebert erklärt.

„Der Straßendamm und das Durchlassbauwerk für den Bindebach erwiesen sich als für die Anforderungen des Straßenverkehrs nicht mehr geeignet“, so die Schlussfolgerung der Straßenbaubehörde. Jahrelang behalf man sich mit einer halbseitigen Sperrung.

Doch damit ist jetzt Schluss. Das Lasuv prüfte, ob es ausreicht den Damm zu erneuern, oder ob man lieber doch eine niedrige Brücke bauen soll. Die Entscheidung fiel für die Brücke: „Die Abwägung ergab, dass ein Brückenschlag über diesen sensiblen Naturbereich die beste Lösung darstellt“, so Isabel Siebert. Denn dadurch bliebe das wertvolle Biotop in seinem Zusammenhang erhalten und werde nicht, wie durch einen Straßendamm, durchschnitten.

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50 Meter hoch und 80 Tonnen schwer ist das „Monstergerät“, mit dem das Fundament für die neue Brücke errichtet wird.

Und für die Festigkeit des Bauwerkes sorgt – unter anderem – das „50-Meter-Monster.“ Zunächst brauchte es aber selbst einen festen Untergrund, bringt es doch 80 Tonnen auf die Waage.

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Nach der Herstellung der Arbeitsfläche kann es jetzt aber in Aktion treten und seinen Job verrichten: 34 bis zu 16 Meter tiefe Schächte bohren. „So tief müssen die das Fundament bildenden Betonpfähle reichen, um für eine ausreichende Standfestigkeit zu sorgen“, erläutert Karsten Mühlmann. Am vergangenen Freitag wurde der erste Schacht gebohrt – an einem Tag mit unangenehm kühlem Nieselwetter.

Was den Laien auf den ersten Blick besonders erstaunt: Nicht mehr als drei Arbeiter werden gebraucht, um dies zu bewerkstelligen. Der Maschinist, der das Bohrpfahlgerät bedient, erhält Unterstützung von gerade mal zwei Kollegen, die ihm die benötigten Anbaugeräte herbeischaffen und an sein Bohrgestänge montieren. Dazu gehören mehrere verschiedene Bohrköpfe, die je nach Beschaffenheit des Untergrundes ausgewählt werden, sowie eine Bohrschnecke, die den gelösten Abraum nach oben befördert und in die breite Schaufel eines bereitstehenden Baggers entlädt. „Wir brauchen keine Armeen von Eimerträgern mehr“, wiederholt Isabel Siebert gern einen Spruch, mit dem sie schon früher häufig zitiert wurde.

Doch bevor es soweit ist, lautet das Motto „Gut Ding will Weile haben.“ Sorgfältig und ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen bereiten die drei Arbeiter das Gerät auf seinen Einsatz vor. Dabei kommen auch so archaisch anmutende Arbeitsmittel wie Drahtbürsten und Zollmessstäbe zum Einsatz. „Diese Akribie ist erforderlich, denn hier kommt es auf allerhöchste Präzision an“, erläutert Karsten Mühlmann. Nur wenn alle Bohrlöcher exakt so liegen, wie es in der Planung vorausbestimmt wurde, kann das spätere Fundament die Last der Brücke optimal aufnehmen. Einige Schächte müssen sogar leicht schräg gebohrt werden, damit die Betonsäulen die von den Fahrzeugen ausgeübten Kräfte besser absorbieren können.

Der eigentliche „Akt“ des Bohrens ist kurz und unspektakulär – der von einem Rohr ummantelte Bohrkopf dreht sich in den Untergrund und kommt wenige Sekunden später wieder zum Vorschein, die Schnecke dann beladen mit Erde und Gestein. Dieser Ablauf wird auch in den kommenden Tagen noch das Bild auf der Baustelle bestimmen, bevor es an die Betonierarbeiten geht. Der Abschluss ist für den Herbst vorgesehen.

Uwe Menschner / 20.03.2017

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