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„Eigentlich ist das für eine Kita Luxus“

„Eigentlich ist das für eine Kita Luxus“

In der Kindertagesstätte „Gummistiefelchen“ des Kinderlandes Uhsmannsdorf e.V. wurde am 29. November Premiere gefeiert. Kinder bis zum sechsten Lebensjahr haben hier eine Musical-Aufführung erarbeitet, an die man sich üblicherweise sonst erst im Grundschulalter herantraut. Die zweite Besonderheit: Das Musical ist keine Konserve, sondern wurde eigens für und mit den Jungs und Mädels in Eigenregie geschaffen.

Uhsmannsdorf. Zwei- bis Sechsjährige laufen im Kreis, geben ihren Gefühlen durch Gesten Ausdruck und haben sichtlich Spaß. Es gibt einen festgelegten Handlungsrahmen. Es gibt aber keinen Druck, ein minutiös vorbestimmtes Szenario ohne eigene Interpretation abzuarbeiten. „Die Kinder sollen verstehen, was sie tun. Ich will nicht, dass sie in 10 Jahren so sind wie ich. Es geht um die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit“, fasst Tanzpädagogin Sarah Schröter die Leitlinien zusammen, wie sie die Kinder mitnehmen möchte. Sarah Schröter ist Mutter von vier Kindern im Alter von zwei bis neun Jahren. Hans (5 Jahre) und Fritz (2 Jahre) besuchen die Uhsmannsdorfer Kindertgesstätte. Als diese Anfang des Jahres einen Antrag auf eine Förderung erarbeiten will, kommt der Gedanke auf, die junge Mutter ins Spiel zu bringen. Denn Sarah Schröter hat als selbstständige Tanzpädagogin eine feste Vorstellung von dem was sie tut. Die einstige Schülerin der Lola-Rogge-Ballettschule Hamburg und von Detlef Kappert am Institut für Tanz- und Bewegungsdynamik in Essen findet an weit verbreiteten Vorstellungen, wie sich Kinder auf Bühnen bewegen sollten, wenig Gefallen. „Viele haben Mini-Playback-Shows vor Augen, wollen mit Kindern fest Choreografien einstudieren. Das was dort geschieht, hat mit erwachsenen Rollenbildern etwas zu tun.

Tanz muss sich jedoch entwickeln, Kinder sollen ihn ganzheitlich erleben. Insofern sollte man meines Erachtens nicht mit fertigen Vorstellungen arbeiten und Kindern Ballett oder Hip Hop überzustülpen. Im Vorschulalter funktioniert die eigene Entwicklung auch körperlich über Geschichten. Erst ab 10 oder 11 Jahren treten diese in den Hintergrund und es geht ums Coolsein“, stellt sie fest. Dieser Ansatz war auch für Kita-Leiterin Ilona Pfuhl überraschend, aber einleuchtend. „Wir hätten, wären wir unter uns geblieben, wohl auch eher an eine feste Choreografie gedacht“, sagt sie und ist zufrieden, dass am Ende der Sachverstand vieler zusammengekommen ist. Denn ebenso professionell wie auf der Bühne selbst geht es zum Beispiel auch musikalisch zu.

Evelyn Hötzel von der Kita hat mit ihrem musikalischen Verständnis die Kompositionen erledigt und die instrumentale Umsetzung Matthias Ryndak überlassen, der in Niesky vom Bau und der Reparatur von Musikinstrumenten lebt. Bei ihm hatte sie einst selbst eine Gitarre reparieren lassen. Als Virtuose spielt Matthias Ryndak bei der Aufführung mehrere Instrumente gleichzeitig, während viele technische Aspekte der Aufführungen mit Torsten Jurke, alias DJ Dr. Taste, ebenfalls kein Amateur übernommen hat. Auf eine solche hochkarätige Umsetzung ist Ilona Pfuhl besonders stolz. Zusammen mit Evelyn Hötzel hatte sie sich für das Musical übrigens Anregung bei der Lektüre des im nordböhmischen Reichenberg (Liberec) geborenen Otfried Preußler, in dessen Geschichte von der Kleinen Hexe, geholt. „Die kleine Hexe Mirabella“, so der Name der Uhsmannsdorfer Schöpfung, wird von der stellvertretenden Kita-Leiterin Daniela Lachmann gespielt. „Die Hexe ist frech und hat eine kesse Art. Das passt perfekt zu mir“, freut sich Daniela Lachmann. Im Stück möchte Mirabella ihren 150. Geburtstag feiern, hat dummerweise jedoch ihr Zauberbuch verloren. Der Hexenrat beschließt daher, dass sie das Buch zunächst wiederfinden muss, ehe sie wieder zaubern darf. Eule Lilly begleitet die Hexe bei der Suche, wobei sie unterwegs auf immer neue Tiere treffen. Das gibt es die traurigen Waschbären, die von der Bärengruppe der Kita gespielt werden, stolze Schwäne oder Grashüpfer aus der Marienkäfergruppe wie auch verspielte Wurzelzwerge. Mit letzteren ließen sich sogar die ganz Kleinen aus der Zwergengruppe bis zum Alter von drei Jahren in das Geschehen einbinden. Andere Kinder drücken sich als Bienen und sogar Gras aus.

Während die Erzieherinnen mit den Kindern das Bühnenbild schufen, waren auch die Eltern durch die Sammlung von Materialien für die Kostüme eingebunden. Nach Sarah Schröters Vorstellung sollten diese aber schlicht ausfallen, um die Fantasie anzuregen. Was am Ende im Zusammenspiel aller herausgekommen ist, nennt die seit neun Jahren selbstständige Tanzpädagogin, die sich im neuen Jahr unter ihrem Künstlernamen gangART in Rothenburg nach der langen Babypause fest mit eigenen Angeboten etablieren möchte, „für eine Kita Luxus“ und ist sich in dieser Einschätzung mit Ilona Pfuhl einig.

Dass Spannungszustände und Fortbewegungen in Geschichten Tanz und Persönlichkeit hervorbringen, davon konnten sich am 29. November bereits Eltern, Großeltern und Geschwister bei der Premiere überzeugen. Angesichts des guten Rufs des Hauses kommen die Kinder und ihre Eltern ohnehin nicht nur aus dem Ort, sondern ebenso aus Rothenburg, Spree, Hähnichen, Horka oder Quolsdorf. Doch ein solches Musical muss man natürlich auch der breiten Öffentlichkeit präsentieren. Daher wird das Stück am 5. Dezember ein weiteres Mal in Uhsmannsdorf aufgeführt. Der örtliche Tischtennisverein hat dafür erneut seinen „Fuchsbau“ zur Verfügung gestellt. Da die Plätze dort beschränkt sind, werden Karten nur im Vorverkauf über die Kita angeboten. Für fünf Euro kann man dort auch eine DVD von der Aufführung erwerben.

Till Scholtz-Knobloch / 28.11.2017

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