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Feuerwehrchef geht in den Ruhestand

Feuerwehrchef geht in den Ruhestand

Nach 45 Dienstjahren bei der Feuerwehr freut sich der langjährige Leiter Lothar Reichbodt auf seinen Ruhestand. | Foto: Steffen Linke

Zittau. Eine Zittauer Institution sagt ade. Die Stadt Zittau verabschiedet mit einer Feierstunde am Dienstag, 31. Mai, um 14.00 Uhr, im Bürgersaal des Zittauer Rathauses den langjährigen Leiter der Feuerwehr der Stadt Zittau, Lothar Reichbodt, in seinen wohlverdienten Ruhestand.

Der 63-Jährige muss bei dieser feierlichen Zeremonie ganz sicher noch einmal viele Hände von Bekannten, Mitarbeitern, ehemaligen Mitarbeitern und Weggefährten schütteln. 45 Dienstjahre bei der Feuerwehr – davon 25 Jahre als verantwortlicher Leiter – sind nicht einfach mit der Hand wegzuwischen. „Natürlich ist da bei mir auch Wehmut mit im Spiel“, sagt er.

Schon als kleiner Junge träumte Lothar Reichbodt davon, Feuerwehrmann zu werden. Der Apfel fiel dabei zu Hause nicht weit vom Stamm. Denn auch sein Vater war schon bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Ich habe als Jugendlicher bei der Freiwilligen Feuerwehr Neugersdorf angefangen und hatte unmittelbar nach meiner Lehre den Gedanken, eventuell bei einer Berufsfeuerwehr zu arbeiten“, berichtet er.

1972 ging sein Wunsch in Erfüllung. „Ich bin nach einem großen Aufnahmetest bei der Berufsfeuerwehr in Zittau als Feuerwehrmann eingestellt worden“, erzählt er. Lothar Reichbodt durchlief dann sehr viele Entwicklungs- und Ausbildungsstufen, studierte in Heyrothsberge bei Magdeburg drei Jahre Brandschutz mit dem Abschluss Ingenieur für Brandschutz und wurde somit zum Offizier der Berufsfeuerwehr ernannt.

„Anschließend bin ich wieder nach Zittau versetzt worden und habe hier unterschiedliche Stufen durchlaufen“, sagt er. So war Lothar Reichbodt mehrere Jahre als Wachabteilungsleiter für eine operative Abteilung verantwortlich, die unmittelbar zur Brandbekämpfung bzw. zu Hilfeleistungen ausrückte. Anschließend war er als Kommandoleiter für alle aktiven Kräfte der Berufsfeuerwehr in Zittau zuständig.

Zur politischen Wende 1989/90 wurde die Feuerwehr in Zittau umstrukturiert. „Wir erhielten den Status einer Freiwilligen Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften“, erinnert er sich. Und er fügt hinzu: „Ich bin dann am 11. Januar 1991 als Leiter der Gesamtfeuerwehr – der freiwilligen und hauptamtlichen Kräfte – gewählt worden.“
Seither wurde Lothar Reichbodt alle fünf Jahre – also insgesamt fünf Mal – wieder in diese Funktion gewählt.

Während seiner Laufbahn bei der Feuerwehr sind  für Lothar Reichbodt viele Nachtruhen vorzeitig beendet gewesen. Insgesamt  mögen es mehrere  hunderte Einsätze gewesen sein – vom Großbrand über Umweltkatastrophen, Hochwasser- und Sturmschäden bis hin zum brennenden Topflappen. „In den 80er Jahren war ich als Einsatzleiter beim Großbrand in der Fettchemie Hirschfelde aktiv“, erinnert er sich. Der Schaden sei damals in die Millionen gegangen. Zu den spektakulären Fällen in der jüngeren Vergangenheit zählte der Großbrand am alten Zollhaus. Das Gebäude ist mittlerweile abgerissen worden.

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Lothar Reichbodt räumt in den nächsten Tagen seinen Chefsessel, bleibt aber mit der Feuerwehr der Stadt Zittau eng verbunden. | Foto: Steffen Linke

„Respekt ist bei jedem Einsatz vorhanden, weil wir nicht wissen, was uns vor Ort erwartet“, betont er. Nachdem der Einsatzleiter die Lage erkundet habe, habe man dann meistens einen Überblick. „Wir stehen dabei immer unter Zeitdruck, müssen die Einsatzbefehle schnell umsetzen, damit der Schaden und die Gefahr nicht größer werden als vorgefunden“, erläutert er.  Oftmals müssen Menschen gerettet werden. In diesen Fällen kann es um Leben und Tod gehen.

Im Laufe der Jahre ist in der Stadt Zittau auch immer wieder mal über Einsparungen bei der Feuerwehr gesprochen worden – bis hin zum Vorschlag, mehrere Feuerwehrleute zu entlassen. „Es war nicht immer leicht, die Verantwortungsträger von der Notwendigkeit einer schlagkräftigen Feuerwehr zu überzeugen“, sagt er.
Lothar Reichbodt ist es aber gelungen, indem er immer wieder aufgezeigt hat, was die Feuerwehr für Leistungen bringt. Er fand auch Möglichkeiten, die Kameraden  für entsprechende Tätigkeiten der Stadtverwaltung Zittau einzusetzen, die eigentlich für die Feuerwehr so nicht üblich sind. Wie zum Beispiel die Brunnen in der Stadt zu reinigen oder einmal in der Woche die Parkautomaten zu leeren.

Seit ein paar Jahren plagen den scheidenden Leiter gesundheitliche Probleme: „Ich wollte deshalb versuchen, die Rente mit 63 Jahren zu erreichen –    und das ist mir geglückt.“ Bei der Wahl am 5. Februar 2016 zum Leiter der Feuerwehr Zittau kandierte Lothar Reichbodt nicht mehr, „weil 25 Jahre  reichen.“  Einstimmig wurde an diesem Tag Oberbrandmeister Uwe Kahlert zum neuen Chef der Feuerwehr Zittau gewählt. „Natürlich kann ich ihm  Ratschläge geben. Jeder muss aber seinen eigenen Arbeitsstil finden“, meint Lothar Reichbodt. Er wird seine gesammelten Erfahrungen der Feuerwehr und der Stadt Zittau zur Verfügung stellen: „Ich werde in der Alters- und Ehrenabteilung mitarbeiten und, wenn es erforderlich ist, die Kameraden auch anderweitig unterstützen.“

Lothar Reichbodt hat oftmals seine privaten Dinge den beruflichen untergeordnet. „Das ging natürlich nur, weil auch meine Familie hinter mir gestanden hat“, sagt er. Er würde jedenfalls wieder zur Feuerwehr gehen, wenn er sich noch einmal entscheiden müsste: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Was Schöneres gibt es eigentlich nicht.“

Und für was bleibt ihm nun als Rentner mehr Zeit? „Ich möchte mehr am Haus machen, mich meiner Familie widmen, viel mit meinen Enkelkindern unternehmen und das eine oder andere versuchen, um meine Gesundheit zu erhalten“, antwortet er.

 

Steffen Linke / 29.05.2016

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