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Fußballikone tritt überraschend zurück

Fußballikone tritt überraschend zurück

Dietmar Christoph trainierte während seiner langen Laufbahn auch erfolgreich die Kicker des FSV Empor Löbau. Foto: Archiv/Felix Hesse

Eine Fußballikone in der Region hat jetzt für viele überraschend seine langjährige Laufbahn beendet. Dietmar Christoph, zuletzt Trainer beim Kreisoberligisten FV Rot-Weiß 93 Olbersdorf, ist aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurückgetreten. Steffen Linke, Redakteur des „Oberlausitzer Kurier“, unterhielt sich mit dem 68-Jährigen.

Herr Christoph, was sind denn die ganz konkreten Gründe für Sie gewesen, dem Fußball ade zu sagen?

Dietmar Christoph: Ich wollte nach dieser Saison aufgrund von altersbedingten Wehwehchen sowieso aufhören. Letztlich hat der Verdacht auf einen Herzinfarkt den Ausschlag gegeben, schon jetzt darauf zu reagieren.

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Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen?

Dietmar Christoph: Leicht ist mir dieser Abschied nach den vielen Jahren ganz gewiss nicht gefallen. Ich bin schließlich seit 1958 als Spieler und Trainer im Fußball tätig gewesen.

In welcher Form haben Sie sich vom FV Rot-Weiß 93 Olbersdorf verabschiedet?

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Dietmar Christoph: Ich habe beim Training Bescheid gesagt. Zu diesem Zeitpunkt waren mir aber die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchungen noch nicht bekannt.
Bei einem der nächsten Punktspiele werde ich mich noch offiziell von der Mannschaft verabschieden.

Wie haben die Spieler und Verantwortlichen auf Ihren Entschluss reagiert?

Dietmar Christoph: Der eindeutige Tenor war, dass die Gesundheit vorgeht.

Steht der FV Rot-Weiß 93 Olbersdorf jetzt mitten in der Saison ohne Trainer da?

Dietmar Christoph: Ich habe in meiner Funktion parallel mit Steffen Seewald zusammengearbeitet. Deshalb geht es nahtlos weiter.

Wie geht es Ihnen jetzt gesundheitlich?

Dietmar Christoph: Mir geht es eigentlich wieder ganz gut. Mein Blutdruck ist wieder normal. Trotzdem will ich meine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen. Ich bin nun einmal nicht mehr 50.

Blicken wir mal auf Ihre lange Fußballkarriere zurück. Wann und wie sind Sie einst in welchem Alter zum Fußball gekommen?

Dietmar Christoph: Ich habe 1958 mit zehn Jahren in Zittau damit begonnen. Damals gab es mehrere Mannschaften in Zittau. Ich selbst bin in Pethau aufgewachsen. Nach der Schule habe ich den Ranzen zu Hause verstaut und bin mit dem Fahrrad in den Westpark gefahren, um zu bolzen.

Wie hat sich Ihre fußballerische Laufbahn dann weiterentwickelt?

Dietmar Christoph: Ich habe bis 1966 bei Lok Zittau auf dem Kummersberg unter Trainer Winfried Böhme im Jugendbereich gespielt. Danach bin ich nach Löbau gezogen, weil ich meine Frau dort kennengelernt habe und habe von 1967 bis 1976 bei Empor Löbau gekickt. Nach mehreren Anläufen bin ich dann 1976 zur BSG Robur Zittau gewechselt, habe dort bis 1981 gespielt und dann noch zwei Jahre bei Kraftverkehr Zittau drangehangen.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Laufbahn als Spieler?

Dietmar Christoph: Zu den schönsten Erinnerungen zählt für mich sicher der Bezirksmeistertitel 1977/78 mit Robur Zittau. Das entscheidende Spiel haben wir damals vor einer großen Zuschauerkulisse auf dem Hartplatz in der Weinau gegen Vorwärts Kamenz knapp gewonnen.

Haben Sie denn in all den Jahren als aktiver Fußballer auch ganz kuriose Szenen oder Momente erlebt?

Dietmar Christoph: Eigentlich nicht. Ich habe aber in meiner gesamten Laufbahn als Spieler nur eine Gelbe Karte bekommen. Der Schiedsrichter hatte mir die wegen Meckerns gegeben, obwohl ich es gar nicht gewesen bin.

War für Sie am Ende Ihrer Laufbahn als aktiver Fußballer sofort klar, dass Sie Trainer werden wollen?

Dietmar Christoph: Ich bin damals quasi dazu überredet worden. Es hat mir aber von Anfang viel Spaß gemacht.

Sie haben im Laufe der Jahre mehrere Mannschaften in der Region trainiert – unter anderem Kraftverkehr Zittau, Lok Zittau, den VfB Zittau, den NSV Gelb Weiß Görlitz, die Spielvereinigung Ebersbach, den SV Neueibau, die SG Medizin Großschweidnitz, den FSV Empor Löbau und den FV Rot-Weiß 93 Olbersdorf. Warum sind Sie nie bei einem Verein richtig heimisch geworden?

Dietmar Christoph: Ich bin mehrmals aus verschiedenen Gründen bei den Vereinen entlassen worden. Wenn es im Fußballgeschäft nicht läuft, ist der Trainer das ärmste Sch... Ich bin sogar mal nach einer Erfolgsserie entlassen worden, als wir als Neuling in der Landesliga auf dem dritten Platz standen. Eine richtige Begründung habe ich damals nie bekommen.

Wie haben Sie diesen Rauswurf damals mental verkraftet?

Dietmar Christoph: In dieser Situation war ich wirklich sehr enttäuscht und hatte erst einmal keinen Bock mehr auf Fußball.

Wer hat Sie dann wieder aufgerichtet?

Dietmar Christoph: Irgendwelche Anfragen von Vereinen sind immer gekommen. Das hat mir gezeigt, dass ich so schlecht nicht gewesen sein kann.

Inwieweit konnten Sie sich mit jedem Ihrer Vereine auch identifizieren?

Dietmar Christoph: Ich musste stets mit den Gegebenheiten in den einzelnen Vereinen zurechtkommen. Am krassesten war das damals mit den vielen ausländischen Spielern beim SV Neueibau. Denn die tschechischen und polnischen Akteure fehlten meistens bei der Vorbereitung auf die Saison. Generell war ich aber bei allen Vereinen immer mit Herzblut dabei.

Welche gravierenden Unterschiede gab es denn in den Vereinen der Region?

Dietmar Christoph: Ein besonderer Verein war für mich der FV Rot-Weiß 93 Olbersdorf, weil die Mannschaft viel Potenzial hat, aber dies vielfach verschenkt, weil die Spieler aus unterschiedlichen Gründen zum Training und zu den Punktspielen fehlten, sodass wir fast nie mit der optimalen Aufstellung spielen konnten. Von einem Spieler habe ich vor der Saison sogar einen Computerausdruck bekommen, auf dem stand, zu welchen Terminen er sich anderweitig vergnügt. So kann es eigentlich nicht sein, wenn man im Sport etwas erreichen will.

Inwieweit standen Sie als Trainer eigentlich immer unter Erfolgsdruck?

Dietmar Christoph: Natürlich gab es immer Ziele, die wir erreichen wollten. Zum Sport zählen aber nun einmal nicht nur Siege, sondern auch Niederlagen.

Alternativer Text Infobild

Trainer Dietmar Christoph (rechts) verfolgte hier mit seinem damaligen Mannschaftsleiter vom FSV Empor Löbau, Ricco Bräsel, in der Saison 2014/2015 das Geschehen auf dem Platz. Foto: Felix Hesse

Wie lange haben Niederlagen als Spieler und Trainer an Ihnen genagt?

Dietmar Christoph: Manche Niederlagen haben aufgrund von Schiedsrichterentscheidungen schon nachgewirkt. Ich erinnere mich dabei an mein erstes Punktspiel als Trainer von Rot-Weiß 93 Olbersdorf beim 5:5 in der Saison 2015/16 gegen den VfB Weißwasser. Wir führten dort bis zur 90. Minute 5:3. Danach kassierten wir noch zwei Treffer durch fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen und eine fragwürdige Nachspielzeit von sage und schreibe sieben Minuten! Daran hatte ich schon länger zu kauen.

Sie haben im Fußballgeschäft beide Seiten erlebt – sowohl die als Spieler als auch die als Trainer. Was hat Ihnen mehr Spaß gemacht?

Dietmar Christoph: Eigentlich beides. Als Spieler hatte ich nicht so eine große Verantwortung. Als Trainer sind mir halt die Hände gebunden gewesen, weil die Jungs auf dem Platz es richten müssen. Da hatte ich von außen keinen Einfluss mehr.

Wie hat sich der Fußball auf regionaler Ebene in all den Jahren verändert?

Dietmar Christoph: Meiner Meinung nach standen früher die technische Feinheiten und die spielerischen Momente mehr im Vordergrund. Mittlerweile leben die Spiele mehr von kämpferischen Elementen, sodass ein gepflegtes Fußballspiel oft gar mehr zu Stande kommt. Das liegt an der Ausbildung der Spieler, ohne dass ich dafür jemanden verantwortlich machen möchte. Die Zeiten haben sich halt geändert. Die Schüler haben heutzutage aufgrund der Interessen für die modernen Medien nicht mehr so viel Zeit und Lust, sich auf dem Fußballplatz weiterzuentwickeln.

Wie viel Spiele haben Sie als Kicker und Trainer in all den Jahre in etwa auf dem Buckel?

Dietmar Christoph: Als Spieler circa 900 und als Trainer etwa 850 Punktspiele.

Was hat Ihnen der Fußball über die vielen Jahre hinweg gegeben?

Dietmar Christoph: Für mich war der Fußball eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Als Spieler war es für mich zugleich ein guter körperlicher Ausgleich zu meiner früheren Arbeit am Schreibtisch. Und als Trainer habe ich immer gern mit jungen Menschen zusammengearbeitet.

Gab es in all den Jahren für Sie so etwas wie den schönsten Moment bzw. die schönste Zeit als Spieler oder Trainer?

Dietmar Christoph: Als Trainer war meine schönste Zeit bei der Spielvereinigung Ebersbach, weil dort die Mannschaft und das gesamte Umfeld sehr gut zusammengepasst haben. Das Team war spielerisch und menschlich eine Einheit.

Inwieweit werden Sie nun noch als Außenstehender den Fußball in der Region verfolgen?

Dietmar Christoph: Mir bleibt jetzt erst einmal mehr Zeit für gemeinsame Freizeitaktivitäten mit meiner Frau. Sie ist jahrelang zu kurz gekommen. Ich lasse mich sicher aber auch hin und wieder auf den Sportplätzen der Region blicken und geselle mich dann in die Reihe der ewigen Nörgler und Besserwisser, die immer über die Mannschaft und den Trainer schimpfen, wenn es mal nicht läuft.

Ein Comeback als Trainer schließen Sie aus?

Dietmar Christoph: Definitiv.

Steffen Linke / 14.02.2017

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