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Gibt's bald ein Alkoholverbot auch auf dem Lutherplatz?

Gibt's bald ein Alkoholverbot auch auf dem Lutherplatz?

Anwohner Michael Schlegel übergab die Liste mit mehr als 600 Unterschriften an Oberbürgermeister Siegfried Deinege. | Foto: um

Görlitz. Mehr als 600 Görlitzer Bürger wollen sich nicht mehr mit den gegenwärtigen Verhältnissen auf dem Lutherplatz abfinden. Vertreter einer Bürgerinitiative übergaben vor wenigen Tagen eine Liste mit (bis dahin) 618 Unterschriften. Gefordert wird ein Alkoholverbot auf dem zentralen Platz im westlichen Teil des Görlitzer Gründerzeitviertels.
 
„Im Mittelpunkt unseres Anliegens stehen die Kinder“, erklärt Michael Schlegel. Er kann tagtäglich beobachten, wie – zum Teil noch sehr kleine – Jungen und Mädchen auf dem Lutherplatz sich selbst überlassen sind, während ihre Väter und oft auch die Mütter Schnaps und Bier trinken. Dies gehe oftmals bis in die späten Nachtstunden.

„In diesem Sommer war es kaum auszuhalten; wir mussten die Fenster schließen, damit unsere Kinder und wir bei dem von den Trinkern verursachten Lärm überhaupt ein Auge schließen konnten“, berichtet der Anwohner, der die Initiative gegen den exzessiven Alkoholkonsum auf dem Lutherplatz initiiert hat. Doch beim hohen Geräuschpegel bleibt es nicht: Oftmals würden Passanten auch bepöbelt, dies mache selbst vor Kindern, die auf dem Lutherplatz spielen möchten, nicht halt. Anzeigen bei Ordnungsamt und Polizei hätten nicht die gewünschte Wirkung gezeigt, im Gegenteil: „Einmal wurde mir sogar gedroht, dass man mich mitnehmen würde. Und ein andermal wurde sämtlichen auf dem Lutherplatz spielenden Kindern Platzverweis erteilt. Da versteht man die Welt nicht mehr“, so Michael Schlegel.

Das Problem habe auch in den zurückliegenden Jahren bereits bestanden, doch in diesem Jahr sei es „schlimmer denn je zuvor“ gewesen. Also ergriff Michael Schlegel die Initiative und scharte andere Anwohner des Lutherplatzes um sich, um gemeinsam eine Initiative für ein lebenswertes und ruhiges Wohnumfeld zu starten. Die Unterschriftensammlung – die Listen liegen nach wie vor aus – ist dabei nur eine von mehreren Aktionen: „Wir planen auch eine Demonstration.“

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Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos) zeigte sich bei der Übergabe, für die er selbst einen unüblich öffentlichen Rahmen gewählt hatte, beeindruckt vom Engagement der Bürger. Gleichzeitig verdeutlichte er jedoch auch, dass die Gesetzeslage das Handeln in einem solchen Fall nicht einfach mache: „Es ist in Deutschland gestattet, auf öffentlichen Plätzen Alkohol zu trinken. Das können wir als Stadt nicht einfach aushebeln.“ Die Verhängung eines Alkoholverbotes auf mehreren Plätzen im Stadtzentrum – darunter der Marien- und der Demianiplatz – sei ein „komplizierter politischer Vorgang gewesen.“ Dort habe das Hauptaugenmerk auf der unmittelbaren Nachbarschaft zu Schulen gelegen, was am Lutherplatz nicht gegeben sei.

Dass auch hier Kinder von den Vorgängen betroffen sind, verleiht der Angelegenheit jedoch auch nach Auffassung des Oberbürgermeisters eine höhere Brisanz: „Dass Eltern Alkohol trinken und dabei ihre Kinder vernachlässigen, oder dass Kinder bedroht und vertrieben werden, geht natürlich überhaupt nicht.“ Hier müssten die zuständigen Behörden energisch eingreifen und verstärkt kontrollieren. Und wenn abgewiegelt werden sollte, wolle er, so Deinege, persönlich informiert werden. Den ganzen Lutherplatz als Spielplatz auszuweisen, auf dem Alkohol generell verboten ist, sieht der OB nicht als Lösung: „Wir können diesen eigentlich sehr schönen Platz nicht der Öffentlichkeit wegnehmen.“ Die Unterschriftensammlung wolle er als Petition behandeln, mit der sich auch der Stadtrat beschäftigen müsse. Michael Schlegel und seine Mitstreiter hoffen nunmehr, dass tatsächlich etwas ins Rollen kommt. Eins steht für sie fest: „Wir lassen nicht locker.“

Uwe Menschner / 04.10.2016

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