Eine Herbstbelebung gibt es nur bei den Lehrstellen

Seit 25 Jahren bildet die ATN Hölzel GmbH in Oppach Jugendliche in technischen und kaufmännischen Berufen aus – aktuell 47 – und begleitet duale Studiengänge auch mit der Hochschule Zittau/Görlitz. Foto: Arbeitsagentur Bautzen
Bautzen/Görlitz. Die Arbeitslosigkeit in den beiden Oberlausitzer Landkreisen Görlitz und Bautzen ist im November leicht zurückgegangen. 19.183 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 250 weniger als im Oktober und 594 weniger als vor einem Jahr. Die Quote sank auf 7,0 Prozent. Von einer spürbaren Belebung könne dennoch keine Rede sein, erklärte Marion Richter, Chefin der Arbeitsagentur Bautzen. Menschen zwischen 55 und 65 Jahren bleiben weiterhin überdurchschnittlich betroffen.
Konjunktur nur bei Helfern
Zwar verweisen Arbeitsagentur und Verwaltung auf gestiegene Beschäftigungsanteile Älterer, doch bleibt ihre Rückkehr in reguläre Arbeit schwierig. Viele suchten inzwischen Stellen im Helferbereich, wo die Nachfrage konjunkturbedingt schwach sei. Unterbrechungen im Erwerbsleben, berufsfremde Tätigkeiten, Pflegezeiten oder gesundheitliche Einschränkungen verschlechterten zusätzliche Perspektiven. Die Agentur betont Qualifizierung und längere Bindung älterer Beschäftigter, vermeidet jedoch eine klare Benennung der regionalen Strukturprobleme.
Von den Arbeitslosen waren 6.806 Menschen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, 12.377 bei den Jobcentern – beide Werte sanken im Vergleich zum Vormonat. Die Unterbeschäftigung, die auch Menschen in Maßnahmen oder mit Sonderstatus umfasst, lag bei 21.913 Menschen. Die Quote ging auf 7,9 Prozent zurück und bleibt damit unter dem Vorjahreswert. Die Unternehmen meldeten im November 649 neue sozialversicherungspflichtige Stellen – deutlich weniger als im Oktober, aber mehr als vor einem Jahr. Der Stellenbestand stieg auf 4.247, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark vertreten sind Zeitarbeit, verarbeitendes Gewerbe, Handel, Gesundheits- und Sozialwesen sowie technische Dienstleistungen. Die zunehmende Vorsicht der Betriebe zeigt sich weiterhin im Umgang mit Neueinstellungen.
Aktuell sind 1.422 Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet – leicht weniger als im Vorjahr, aber deutlich mehr als 2022. Während auch die Gesamtarbeitslosigkeit in drei Jahren stieg, fiel der Anstieg bei behinderten Menschen etwas stärker aus. Mit 65 Prozent hat die Mehrheit von ihnen einen Berufs- oder Hochschulabschluss, mehr als im Durchschnitt aller Arbeitslosen. Dennoch blieben Vorbehalte in Unternehmen bestehen, so Richter. 2023 erfüllten nur 41,7 Prozent der beschäftigungspflichtigen Betriebe ihre Vorgaben vollständig, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr. „Angesichts des Fachkräftemangels darf kein Potenzial ungenutzt bleiben“, meint Richter.
Der Ausbildungsmarkt zeigt sich trotz wirtschaftlicher Schwäche stabil. Im Kammerbezirk Dresden der IHK wurden bis Ende Oktober 2.282 neue Lehrverträge abgeschlossen, rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr – der höchste Oktoberstand seit zehn Jahren. Besonders gefragt waren Kfz-Mechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker, Tischler und weitere klassische Handwerksberufe. Gleichzeitig blieben im Berufsberatungsjahr 2024/25 sieben Prozent der gemeldeten Bewerber ohne Ausbildungsplatz. 181 Jugendliche waren unversorgt, deutlich mehr als im Vorjahr. Die Bewerberzahl insgesamt sank auf 2.751 (-4,5 Prozent). Die Unternehmen meldeten 2.352 Ausbildungsstellen, 137 weniger als im Vorjahr; im September waren davon noch acht Prozent unbesetzt. Die Arbeitsagentur verweist auf vorsichtiges Einstellungsverhalten vieler Betriebe, betont aber auch, dass Unternehmen nicht verpflichtet sind, offene Stellen zu melden. Immer häufiger nutzten sie eigene Rekrutierungswege wie Onlineplattformen oder Ausbildungsmessen. „Topf und Deckel passen nicht immer zusammen“, räumt die Agentur ein.“