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Kein Zuschuss: Baden nur auf eigene Gefahr?

Kein Zuschuss: Baden nur auf eigene Gefahr?

Ein gekentertes Segelboot wird aufgerichtet: Aus einer Übung wie hier im Bild kann für die DRK-Wasserwacht schnell bitterer Ernst werden. Das zeigte sich zuletzt 2016 auf dem Olbasee. Foto: privat

Die Gemeinde Malschwitz wird die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in diesem Jahr finanziell nicht unterstützen. Das hat der Gemeinderat vor Beginn der Badesaison mehrheitlich beschlossen. Noch Wochen danach wurmt Ausbildungsleiter Werner Küsel, in welcher Art und Weise in dem Gremium über das Engagement seiner Retter diskutiert wurde. OLK-Redakteur Roland Kaiser hat nachgehakt.

Wir brauchen die nicht, war in der Tagespresse zu lesen. Außerdem wird eine Gemeinderätin mit den Worten zitiert, dass Ihre Mannschaft, die den Olbasee seit Jahren überwacht, mit ihrem Boot bloß eine Show abzieht. Gleichzeitig reiche es nicht, wenn die Rettungsschwimmer nur am Wochenende da sind, findet sie. Ehrlich, das klingt für mich wie ein Schlag ins Gesicht.

Werner Küsel: Ich kann den Gemeinderäten immer wieder nur vor Augen halten, welche Einsätze wir auf dem See bereits bestritten haben. Als Bespiel möchte ich einen Bootsunfall anführen, der sich im vergangenen Jahr auf dem Olbasee ereignete. Glücklicherweise waren wir vor Ort und konnten helfen. Ein Rettungsschwimmer, der zu diesem Zeitpunkt keine Erlaubnis zum Führen des besagten Bootes hatte, schwamm zu dem gekenterten Segler und kümmerte sich mit anderen darum, das Gefährt wieder aufzurichten. So etwas trainieren wir in unseren Reihen. Unserem Nachwuchs ist es außerdem zu verdanken, dass mindestens in einem Fall ein Badegast vor dem Ertrinken gerettet werden konnte, nachdem er sich in Schlingpflanzen verhedderte. Gerade in Hinblick dieser allgegenwärtigen Gefahr hätten wir es als angemessen betrachtet, unsere Arbeit auch weiterhin mit einer Finanzspritze zu würdigen. Im Übrigen haben wir einen Teil der Ausbildungskosten für das Kentertraining selbst getragen, die unserem Partner, dem in Oehna ansässigen Seesportclub Bautzen, entstanden sind. Wir bedanken uns in diesem Zusammenhang bei dessen Leiter, Herrn Kieschnick, für die erbrachten Leistungen und wünschen uns auch für die Zukunft eine gute Zusammenarbeit.

Wie es heißt, ist die Rede von 1.000 Euro im Jahr, die Ihnen der Malschwitzer Gemeinderat nicht zugestehen wollte.

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Werner Küsel (66) von der DRK-Wasserwacht in Bautzen macht sich für eine finanzielle Unterstützung seiner Mitstreiter stark. Foto: RK

Werner Küsel: Das stimmt. Wir finden, solch eine Summe sollte eine Gemeinde schon schultern können. Es geht immerhin darum, die Sicherheit an einem tückischen Gewässer wie dem Olbasee zu gewährleisten.

Wer sich nicht auskennt: Es handelt sich dabei um ein ehemaliges Kohleloch, das bereits unweit des Uferbereiches sehr tief abfällt. Zudem wachsen in dem See Schlingpflanzen, die mitunter bis kurz unter die Wasseroberfläche reichen. Wer dort hineingerät und wie wild mit Armen und Beinen rudert, kann sich schnell in eine Notsituation begeben. Dann wäre es gut, Leute vor Ort zu haben, die wissen, was zu tun ist. Übrigens: Ein Fernsehteam hat vor geraumer Zeit den Olbasee selbst unter die Lupe genommen und aufgezeigt, mit welchen Gefahren Badegäste rechnen müssen. Diesen Beitrag sich einmal im Netz anzuschauen, empfehle ich allen Entscheidungsträgern.

Dank des sommerlichen Wetters der letzten Tage zieht es sicherlich zahlreiche Wasserhungrige an den Olbasee. Wovon müssen die nach der Entscheidung im Malschwitzer Gemeinderat nunmehr ausgehen?

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Werner Küsel: Fakt ist, wir überlassen die Menschen, die sich vor Ort eine Erfrischung holen möchten, nicht ihrem Schicksal. Auch ohne finanzielle Unterstützung der Gemeinde werden wir unseren Dienst schieben, obwohl das immer schwieriger wird. Viele aus unseren Reihen verrichten ihren Dienst inzwischen an der Ostsee oder überhaupt in anderen Bundesländern, da dort eine Aufwandsentschädigung gezahlt wird. Wer uns hier in der Region unter die Arme greifen möchte, kann Geld spenden. Entsprechende Möglichkeiten haben wir geschaffen.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es anderswo in der Lausitz ähnliche Probleme bezüglich einer finanziellen Unterstützung gibt.

Werner Küsel: Das ist so. Am Bärwalder See beispielsweise war die Gemeinde nicht in der Lage, finanzielle Ressourcen für die Absicherung des Gewässers bereitzustellen. Auch dort versuchen die DRK-Helfer, durch das Sammeln von Spenden ihre Arbeit fortzuführen. Am Olbersdorfer See springt gerade ein Geldinstitut ein, um den freiwilligen Wachdienst weiter zu ermöglichen. Es fehlt an vielen Gewässern in Sachsen wohl auch der politische Wille, das Thema Wasserrettung aktiv anzugehen und Konzepte zur Rettung aus Wassergefahren umzusetzen. Betrachtet man einmal nur die ausgewiesenen EU-Badegewässer, wozu auch der Olbasee gehört, so ist festzustellen, dass allein davon nur die Hälfte überhaupt bewacht wird. Die Seenländer in der Lausitz und bei Leipzig werden touristisch weiterentwickelt. Daher sollte die Sicherheit derer, die ihre Freizeit und ihren Urlaub an diesen Orten verbringen, entsprechende Berücksichtigung finden.

Herr Küsel, was wünschen Sie sich für die Badesaison im nächsten Jahr?

Werner Küsel: Ganz ehrlich: Ich wünsche mir, dass keine Badeunfälle geschehen und unser ehrenamtliches Engagement wieder auf mehr Gegenliebe auch im Malschwitzer Gemeinderat stößt und wir, so wie es in der Vergangenheit der Fall war, den Zuspruch des Gremiums finden. Denn es geht in erster Linie um die Sicherheit der Badegäste. Von denen profitiert völlig unumstritten die Gemeinde.

Roland Kaiser / 12.06.2017

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