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Kleingärtner auf Lobbysuche

Kleingärtner auf Lobbysuche

Andrea Lange (r.) und Reinhard Kliemann lenken fortan die Geschicke beim Territorialverband Gartenfreunde Bautzen. Foto: TGLB

Bautzen. Wie wird sich in den kommenden Jahren in der Spreestadt das Kleingartenwesen entwickeln? Der Territorialverband Gartenfreunde Bautzen (TGLB), der im Stadtteil Gesundbrunnen seine Geschäftsstelle unterhält, sucht derzeit nach Antworten. Gern würde er auch die Stadtverwaltung in diesen Prozess einbeziehen, erklärte Vize-Verbandschef Reinhard Kliemann. Gemeinsam mit Andrea Lange gibt der 64-jährige Diplom-Agraringenieur seit der Vorstandswahl am 10. März 2018 die Richtung für die Kleingärtner in Bautzen und im gesamten Altkreis vor. Ein Ziel ihrer Arbeit soll sein: Beide möchten junge Familien für die Unterhaltung und Pflege einer kleinen Parzelle begeistern und sie somit zu einem größeren Umweltbewusstsein bewegen. Auf diese Weise soll gleichzeitig der Altersdurchschnitt unter den Kleingärtnern auf ein anderes Niveau gedrückt werden. Dieser sei momentan recht hoch und schwebe wie ein Damoklesschwert über dem TGLB. „Unsere Aufgabe sehen wir darin, Menschen verschiedener Altersgruppen darauf aufmerksam zu machen, dass Kleingärten eine gute Möglichkeit sind, die Freizeit im Freien sinnvoll und gemeinsam zu verbringen“, sagte die Verbandsvorsitzende Andrea Lange dem Oberlausitzer Kurier. In Dresden, um nur ein Beispiel anzuführen, müssten Interessenten mittlerweile wieder bis zu zweieinhalb Jahre warten, um einen Garten ihr Eigen nennen zu dürfen. Der 57-Jährigen würde ein Stein vom Herzen fallen, wenn Bautzen eine ähnliche Entwicklung nimmt. Bisher sei das Kleingartenwesen eher stiefmütterlich behandelt worden. Oder wie es Andrea Lange schilderte: „Seit der Wende gab es keine ernsthafte Zusammenarbeit zwischen der Kommune und dem Verband.“ Das habe so weit geführt, dass die Wichtigkeit dieser Erholungsmöglichkeit durchaus verkannt wurde. Und so seien bereits einige Parzellen unwiederbringlich aus dem Stadtbild verschwunden, wie beide zu berichten wissen. Das Schicksal einer Kleingartensparte sei eng mit dem Bau der Westtangente verknüpft. Nun erfährt eine Anlage entlang des Kupferhammers eine ähnliche Entwicklung. Dort wird seit einiger Zeit bereits eine größere Fläche vom Eigentümer mit Einverständnis der Stadt beräumt, ist vom TGLB zu erfahren. Wo einstmals Lauben standen, sollen schon bald Einfamilienhäuser gen Himmel wachsen. Unabhängig davon steht für Reinhard Kliemann indes fest: „Die Kleingärtner pflegen einen Teil der grünen Lunge Bautzens. In Summe sind das ungefähr 30 Hektar Land. Vor diesem Hintergrund bemühen wir uns künftig um eine bessere Kooperation mit dem Rathaus. Unter anderem schwebt uns vor, gemeinsam mit der Stadtverwaltung in den kommenden Monaten ein Kleingartenentwicklungskonzept aufzustellen. Den Entwurf für eine Kooperationsvereinbarung zur Entwicklung des Kleingartenwesens in der Großen Kreisstadt Bautzen haben wir bereits vorgelegt. Für April vereinbarten wir mit der Baubürgermeisterin einen weiteren Gesprächstermin.“ Juliane Naumann wiederum zeigte sich von der Initiative nicht abgeneigt, konstatierte der Ver-bandsvorstand nach einem ersten Kontakt mit ihr. „Wohin die Reise geht, werden wir aber erst noch sehen.“ Dagegen war ein weiterer Vorstoß des TGLB zunächst nicht von Erfolg gekrönt. Wie in Glauchau, Zwickau oder Dresden üblich, wollte der Verband mit der Kommune eine Vereinbarung über einen so genannten Pachtrückfluss erzielen. Demnach sollten 20 Prozent der Pachtsumme, die er pro Jahr in Höhe von 30.000 Euro ans Rathaus entrichtet, auf diese Weise für anstehende Investitionen in die Verbandskasse zurückfließen. Scheinbar besteht dazu in der Verwaltung jedoch noch Diskussionsbedarf. Dem Vorhaben sei zunächst eine Absage erteilt worden, wie es hieß. „Doch wir lassen nicht locker im Interesse der Kleingärtner“, betonte Andrea Lange. „Sie sollen am Gemeinnutzen teilhaben.“ Fakt ist: Schrebergärtner leisten ehrenamtliche Arbeit und sie sorgen für einen Zusammenhalt untereinander. Mauerblümchen blühen regelrecht auf, das konnte Reinhard Kliemann bereits des Öfteren beobachten und verbindet in dem Zusammenhang eine soziale Verantwortung, die sowohl der TGLB als auch die Kommune trage. Sein Fazit: „Wir möchten mit der Stadt etwas voranbringen.“ Vielleicht lässt sich am 19. März 2019 bereits Vollzug melden. Dann werden in Bautzen 100 Jahre organisiertes Kleingartenwesen gefeiert. Die Vorbereitungen für einen Festakt sind angelaufen. 
Wer sich ungeachtet dessen im Vorfeld über die Anliegen des Verbandes, der allein in Bautzen die Interessen von 41 Kleingartenvereinen, zu denen wiederum rund 2.690 Parzellen gehören, vertritt, schlau machen möchte, kann das am letzten Maiwochenende während des Bautzener Frühlings tun. Dann präsentiert sich dieser im Rahmen des Tages der Vereine. 

Wie wichtig dessen Fortbestand und der der Kleingärten an sich ist, zeigt allein folgende Tatsache. „Wir unterstützen die Tafel Bautzen, um nur ein Beispiel anzuführen, mit jährlich 400 Euro und stellen darüber hinaus einen halben Hektar Land für den Anbau von Obst und Gemüse zur Verfügung“, erläuterte Reinhard Kliemann. Das allein schon sollte eine solide Grundlage für eine künftige Kooperation mit dem Rathaus sein. 

Roland Kaiser / 10.04.2018

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