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Knallerei gegen lästige Fischräuber

Knallerei gegen lästige Fischräuber

Zu Dutzenden sitzen Kormorane auf alten, abgestorbenen Bäumen in einem Seitenarm des Stausees Quitzdorf. Von hier aus unternehmen sie ihre Beutezüge in den umliegenden Teichen. Warnschussanlagen sollen sie dabei stören. | Foto: fum

Es knallt an den Teichen in der Region. Anwohner befürchten den Abschuss von Vögeln. In einem Fall wurde sogar jüngst die Polizei alarmiert, um der angeblich wilden Schießerei ein Ende zu bereiten. Doch unkontrolliert ist das Knallen keineswegs. Verursacher sind die hiesigen Fischer.

Kreba/Rietschen/Ullersdorf. In einem Seitenarm des Stausees Quitzdorf sitzen sie zu Dutzenden auf kahlen Bäumen. Auch an vielen anderen Stellen der Teichlandschaft nördlich von Niesky dösen sie mit ihrem in der Sonne dunkel schimmernden Gefieder vor sich hin: Kormorane. Sie sind für die hiesigen Fischereibetriebe der Fressfeind Nr. 1. Denn Jahr für Jahr lassen sich die geschickten Räuber den gezüchteten Fisch in den Teichen schmecken. „Für die Vögel ist es natürlich viel bequemer, sich in gut gefüllten Karpfenteichen zu bedienen, als sich an Fließgewässern auf die Lauer zu legen“, weiß Jens Schönfelder von der Teichwirtschaft Niederspree/Ullersdorf, die zur Kreba Fisch GmbH gehört. Die Räuber wüssten ganz genau, wo Fische in der für sie günstigen Größe zu finden sind und hätten bei der Dichte des Besatzes natürlich leichtes Spiel.

Deshalb knallt es seit einiger Zeit an manchen Teichen. Denn die Fischer haben an jenen Gewässern Warnanlagen errichtet, in denen sich für die Kormorane fressbare Fische befinden. Das sind weniger die großen Karpfen, die in Kürze auf den Tischen der Verbraucher landen. Sondern jene, die noch im Wachstum begriffen sind. „Die wiegen 500 bis 600 Gramm, was für den Kormoran etwa eine Tagesportion ist“, erläutert der Fischereifachmann.

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Fast wie wir Menschen halten sich die Kormorane an bestimmte Essenszeiten. „Morgens um 9.00 Uhr, mittags gegen 14.00 Uhr und abends um 16.00 oder 17.00 Uhr sind sie besonders aktiv und fliegen von ihrem Ausgangsort – oft sind es die knorrigen Bäume am Stausee – in die Teiche ein. Entsprechend programmieren wir unsere Warnanlagen“, erklärt Schönfelder. Wobei man die Taktzeit der Schüsse so niedrig wie möglich halte, um auf Veränderungen in der Kormorandichte reagieren zu können. „Man kann da zwischen mehreren Varianten variieren. In der Regel gibt so eine Anlage je Viertelstunde ein bis vier Schüsse ab. Man kann es aber auch nur einmal in der Stunde oder aller vier Stunden knallen lassen. Das liegt an den Erfahrungen, die man bei dem jeweiligen Teich gesammelt hat“, erläutert der Fischwirtschaftsmeister.

Die Karpfen scheint die Knallerei nicht zu stören und auch Anwohner beschweren sich nur in Ausnahmefällen. „Wenn die Anlage plötzlich einen Fehler hat und aus vereinzelten Schüssen ein Dauerfeuer wird, kann das schon ziemlich nervig sein“, sagt Schönfelder. Solche Zwischenfälle gebe es aber äußerst selten.

Zur Vertreibung der Kormorane haben sich die Warnschussanlagen als wirksames Mittel erwiesen, vor allem wenn sie zusammen mit der echten Vergrämung eingesetzt werden. In Sachsen ist der Abschuss der gefiederten Räuber laut der vom Freistaat getroffenen Kormoranverordnung für die Fischereiwirtschaft erlaubt. Die Hoch-Zeit sei der Sommer, aber auch im Frühjahr und Herbst könne man vor den Vögeln nicht sicher sein. „Wir haben ja zu fast jeder Zeit Fische in fressbarer Größe in unseren Teichen. Werden sie in dem einen durch das natürliche Wachstum für Kormoranschnäbel zu groß, spüren sie kleinere Fische in einem anderen Teich auf“, weiß Jens Schönfelder längst Bescheid über die Taktik der Jäger.

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In den Warnschussanlagen werden übrigens keine echten Schüsse erzeugt, es sind vielmehr mit Propangas betriebene Geräte, bei denen das Gas in einem Knallraum elektronisch gezündet und das Geräusch durch ein Rohr nach außen geleitet wird. Dies hört sich dann an wie ein echter Schuss. Da die Konkurrenz zwischen Fischern und Kormoranen auch in Zukunft bestehen bleiben wird, dürfte sich an der kontrollierten „Knallerei“ an den Teichen bis auf Weiteres nichts ändern.

Frank-Uwe Michel / 12.09.2016

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