22.02.2012
GRÖDITZ
Jedes Schloss braucht sein eigenes Gespenst
MONIKA LENZ
Einer der bereits wieder hergerichteten Räume im Schloss Gröditz. | Monika Lenz
Wo war all die Schönheit hin, von der ihm seine Tante immer erzählt hatte? Diese Frage stellte sich Beat von Zenker zu Pommritz, als er in den 90er Jahren zum ersten Mal das Schloss Gröditz sah. Eine Frage, die er gemeinsam mit dem Verein Pro Gröditz e.V. inzwischen beantwortet hat: Verborgen, aber nicht verschwunden.
Verborgen unter braunem und grünem Lack, wie er in Kliniken der DDR häufig üblich war. Unter abblätterndem Putz, verfallenden Mauern, unter wild wuchernden Ahornbäumen und Robinien, hinter grauen Wänden. Als Beat von Zenker das Schloss, das früher seiner Tante gehört hatte und später ein Pflegeheim war, 2006 kaufte, wollte er vor allem eins: Es vor dem Verfall retten. Ein Denkmal erhalten, das sowohl den Park, wie auch die Gröditzer Skala und das Schloss selbst einschloss.
"Auf kleinstem Raum ist hier so viel Geschichte, so viel Vergangenheit, das hat man sonst nirgends", sagt Beat von Zenker. Tatsächlich ist der Flecken Erde regelrecht vollgepfropft mit Historie. Da ist das Gotische Haus, das entlang der Gröditzer Skala verläuft und früher als Gästehaus genutzt wurde. Der Keller stammt aus dem 13. Jahrhundert, das Erdgeschoss aus dem 15. Jahrhundert, der erste Stock aus dem 16. Jahrhundert und der Dachstock ist frühes 17. Jahrhundert.
Einige Einheimische nennen das Schloss bereits die weiße Perle von Gröditz. | Monika Lenz
Da ist das Herrenhaus mit seinen zwei Eingängen, den meterdicken Wänden und ihren verborgenen Gängen. Da ist der Park mit den Resten einer etwa 1.000 Jahre alten slawischen Befestigungsanlage. Die Gröditzer Schanze mit ihren beiden Druidenhügeln ist in Form eines Abschnittwalles angelegt. Hans von Gersdorff integrierte sie um 1732 in den von ihm gestalteten Park. "Ist das nicht ein toller Ausblick ins Bergland", fragt Beat von Zenker, der durch das verschneite Anwesen führt. Dabei weist er auf das Panorama. Seine Augen strahlen. Der Schweizer, der so enttäuscht vom Verfall gewesen war, fühlt sich inzwischen auch in der Oberlausitz zu Hause. Mindestens drei bis vier Monate im Jahr.
Wenn Beat von Zenker in Gröditz ist, wohnt er in einem der Zimmer im Obergeschoss des Schlosses. Auch wenn dort noch viel zu tun ist. Und auch, wenn ihm in der Nacht bereits die weiße Frau, die einer Legende nach ein gutes Omen ist, auf der Treppe erschienen ist. Mit ihrem Jagdhund an der Seite. Zwei Uhr morgens. "Sie war wunderschön, jung, blond", erzählt er. Er sei erschrocken gewesen, Angst aber habe er keine gehabt. Ob er das ernst meint? Er lächelt verschmitzt: "Jedes Schloss braucht sein eigenes Gespenst."
Beat von Zenker vor dem Schloss. Im Hintergrund rechts ist das historisch besonders wertvolle gotische Gebäude zu sehen. | Monika Lenz
Einige der Räume und Zimmer zeigen bereits wieder ihre ursprüngliche Schönheit. Auch die plumpen Heizkörper aus DDR-Vergangenheit können den Eindruck nicht zerstören. Fußböden wurden verlegt, alte Farben entfernt, Decken restauriert, Fresken angebracht, alte Stickereien zieren die Wände, passende Möbel vervollständigen die Räume. Einige Zimmer werden inzwischen wieder genutzt - für Hochzeiten, Feiern, andere Veranstaltungen. Und dennoch: "Es ist immer noch unglaublich schwer, den Menschen begreiflich zu machen, wie schön das alles einmal war", sagt Beat von Zenker. Und wieder werden soll. Dabei begreifen Verein und Schlossherr das Ensemble als Gesamtheit. "Hier stoßen vier Bereiche aufeinander, wie man es sonst nie erlebt", sagt von Zenker. Das seien der Denkmalschutz, der Parkschutz, die Archäologie und der Naturschutz. Vor allem letzterer hat dem Wiederaufbau einen heftigen Schub gegeben.
Das Projekt Naturschutzpark Schloss Gröditz wird unter anderem von der Deutschen Stiftung Umweltschutz (DBU) unterstützt. Denn hier, auf 40 Hektar Fläche, haben sich viele seltene Tiere und Pflanzen angesiedelt. Regelmäßig veranstaltet der Verein darum entsprechende Seminare. Die Arbeitsstunden, die die Freiwilligen, denen Unterkunft und Verpflegung gestellt wird, leisten, gelten als Eigenleistungen und bringen wieder Fördermittel. Geld, das der Verein dringend braucht. "Wir sind auf Förderung und Spenden angewiesen", sagt Beat von Zenker. Geld wie das von der Sparkassenstiftung, das in die Restaurierung des Speisesaals fließt.
Wer das kostenlose Seminar im Schloss Gröditz besuchen will, kann sich kurzfristig noch anmelden. Das Seminar beginnt bereits am Freitag, Unterkunft und Verpflegung werden gestellt. Anmeldungen sind möglich unter www.pro-groeditz.de.
Nicht nur Einheimische schätzen die wilde und romantische Natur in der Skala. "Inzwischen kommen wieder sehr viele Menschen von außerhalb, um diese Natur zu genießen", sagt von Zenker. Immerhin: Für Berliner war das hier früher das Erholungsziel Nummer Eins. Und auch wenn es diesen Status voraussichtlich nicht mehr bekommen wird, so soll der Naturschutzpark doch nicht mehr in der Bedeutungslosigkeit versinken. Beat von Zenker schwebt vor allem die wissenschaftliche Nutzung vor. "Eben weil sich die verschiedenen Bereiche so überlappen, kann man hier sehr gut forschen", meint er. Was der Verein derzeit vor allem braucht sind "kompetente Mitarbeiter". "Leute, die historisches Interesse haben und Verantwortungsgefühl, die erkennen, was wir hier bereits geschaffen haben", sagt Beat von Zenker. Dann betrachtet er die Front des Herrenhauses und nickt zufrieden. "Einige sprechen schon von der weißen Perle von Gröditz", erzählt von Zenker und lacht: "So weit würde ich zwar nicht gehen, aber es macht schon stolz.
stehenden Code hier ein*: