26.02.2012
GÖRLITZ
Grenzüberschreitende Proteste gegen Acta
UWE MENSCHNER

Hauptsächlich Jugendliche beteiligten sich an der Anti-Acta-Demonstration am vergangenen Samstag in Görlitz.
Hauptsächlich Jugendliche beteiligten sich an der Anti-Acta-Demonstration am vergangenen Samstag in Görlitz. | Uwe Menschner
Etwa 250 zumeist junge Görlitzer und Zgorzelecer haben am vergangenen Samstag in der Neißestadt gegen das Acta-Abkommen (Anti Counterfeiting Trade Agreement) demonstriert. Sie sehen durch die (von Deutschland und Polen noch nicht unterzeichnete) Vereinbarung die Freiheit des Internets und ihre Privatsphäre bedroht.

An der grenzüberschreitenden Demo waren etwa 250 Teilnehmer beteiligt. | Uwe Menschner

Max Tenschert wirkt ein wenig verunsichert, fast schüchtern. "Ich mache so etwas zum ersten Mal", sagt er zu dem breitschultrigen Kameramann, der sich vor ihm aufgebaut hat. Der lächelt, nickt verständnisvoll und meint: "Nicht so schlimm. Wir können noch mal alles auf Anfang setzen." Doch dann kommt der 20-jährige Görlitzer in Fahrt. "Wir sind gegen das Acta-Abkommen, weil es eine umfassende Überwachung aller Aktivitäten im Internet vorsieht. Dies geht weit über das hinaus, was für die berechtigten Interessen des Urheberschutzes erforderlich wäre." Freilich, so Max Tenschert, müsse geistiges Eigentum auch im weltweiten Netz respektiert und geschützt werden: "Doch dieses Abkommen dient nur den Interessen der Industrie und wendet sich gegen die Nutzer des Internet.

Erste grenzüberschreitende Demo mit etwa 250 Teilnehmern Görlitz.
ANZEIGE



"Mitten im Satz fragt ein Mitstreiter Max, wann es denn nun losgehe: "Fünf Minuten", erwidert dieser. Und wieder in die Kamera: "Facebook, überhaupt die sozialen Netzwerke - das sind die Wege, auf denen die Jugend heutzutage kommuniziert. Wenn diese permanent überwacht würden, dann wäre dies ein nicht hinnehmbarer Eingriff in unsere Privatsphäre."

Max Tenschert ist ein ganz normaler Görlitzer Jugendlicher - keine Partei, keine spezielle politische Richtung steht hinter seiner Initiative, den Protest gegen das Anti-Acta-Abkommen nach Görlitz und Zgorzelec zu tragen. Gemeinsam mit seinem Freund Enrico Merker hat er den Aufruf zu der Demonstration im Internet verbreitet, Flyer machten darauf aufmerksam, auch eine kleine Ankündigung in der lokalen Tageszeitung.

"Diese Demonstration ist ein gutes Beispiel, wie die direkte Kommunikation im Netz funktioniert", erklärt Enrico, während Max an das nahe der Vierradenmühle aufgebaute Mikrofon tritt und zum Sammeln bläst. Enrico betont noch einmal, dass "keine Partei, keine politische Gruppierung hinter der Demo steht. Es handelt sich um eine rein bürgerliche Initiative." Freilich sind später im Demonstrationszug auch die Fahnen der Piratenpartei zu sehen, geht es doch hier um eines ihrer "ureigensten" Anliegen.

Die berühmten Guy-Fawkes-Masken zierten nur de Hinterköpfe, da das Landratsamt ein striktes Vermummungsverbot ausgesprochen hatte. | Uwe Menschner

Auch die mittlerweile berühmten Guy-Fawkes-Masken aus der weltweiten Occupy-Bewegung tauchen auf, allerdings ausschließlich an den Hinterköpfen. "Das Landratsamt hat den Teilnehmern verboten, ihre Gesichter zu maskieren", so Enrico. "Nicht in erster Linie, weil man Gewalttätigkeit befürchtet, sondern aus Gründen der Gleichbehandlung." Schließlich gelte auch bei anderen Demonstrationen im Landkreis ein striktes Vermummungsverbot. "Das Landratsamt will da von vornherein jeden Stress vermeiden, wir akzeptieren das natürlich und halten uns daran", versichert Enrico Merker.

Schließlich setzt sich der Zug, pfeifend und Sprechchöre skandierend, in Bewegung. Die jugendlichen Teilnehmer nehmen den Weg von der Altstadtbrücke durch die historische Innenstadt, um später wieder in Richtung Neiße zu schwenken. Über die Stadtbrücke geht es dann auch für einen kurzen Abstecher nach Polen - eine Premiere für eine Demonstration. "Acta ist keine deutsche und keine polnische Angelegenheit, sondern eine Angelegenheit der ganzen Welt", hat Max Tenschert noch vor Beginn der Demonstration erklärt. Und diese ist keineswegs die kleinste im deutschlandweiten Reigen: An die über 1.000 Teilnehmer in Leipzig, Hamburg oder Stuttgart kommt Görlitz zwar nicht heran, doch die 150 in Chemnitz, Trier oder Ulm (jeweils nach dpa-Angaben) überbietet es locker. Der Beweis, dass in der Jugend des oft als "Rentnerstadt" bezeichneten Görlitz durchaus Potenzial steckt.

Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

Lars:
*Wenn wir uns selber regieren, bzw. das Recht
in die eigene Hand nehmen, dann machen
wir nichts falsch.*

Das heißt, wer zuerst
schiesst hat recht!

Zumindest ist diese Variante immer noch besser
als zu einem Richter zu gehen, der heimlich
Gerichtsprotokolle fälscht.

Wir müssen euch leider korrigieren. Die DPA angaben zu Ulm sind definitiv falsch. Die Polizei schätzt auf ca. 300 unsere Schätzungen liegen bei 400 - 500. Irgendwo dazwischen werden wir uns wohl treffen, aber 150 sind um längen geschlagen :)

Gruß aus Ulm. Keep up the good work.

Hallo,hallo Erhard ! Glaubst Du ernsthaft,das es hier um Prävention hinsichtlich von Kriminalitätsvorbeugung geht ? Hier gehts einzig und allein darum,mit perfiden Überwachungsmethoden gleich welcher Art ein Machtfeld des Staates zu schaffen,in dem der Bürger nur noch aus Glas besteht.Die das betreiben,sind perverse Menschen und leider vom Volk,wie kann es anders sein,gewählt.Es soll doch alles auch demokratisch legitim sein,nicht wahr oder ? Diese Polit-Mafia gehört endlich in die politische Bedeutungslosigkeit verbannt auf nimmer wiedersehen.
Jedoch Kameraüberwachung auf Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen,Bussen,Bahnen,Zügen,Flugzeugen,Schiffen,Raumschiffen und U-Booten finde ich in Ordnung.Denn sie dient der eindeutigen Vorbeugung oder Bekämpfung von Verbrechen und schützt die Bürger,falls man irgendwann die entsprechenden Täter finden kann.Vorher aber auch nicht.Aber es ist gut,das es sie gibt.Über Telefonüberwachung brauchen wir uns aber überhaupt nicht aufregen,denn es werden nicht nur private Telefonate,egal ob Funk oder Festnetz,überwacht,sondern alle Anschlüsse weltweit von jedem Staat gegen jeden Staat.Alle Staaten spionieren sich gegenseitig aus bis Oberkannte Möglichkeit,egal ob das "Freund"oder "Feind" ist.Das sichert ausserdem viele tausend Arbeitsplätze und weltweit ein paar Millionen.
Aber was Volksvertreter betrifft,so kenne ich einen persönlich,der zweifelhafte Tugenden besitzt,die man dem Strafrecht zuordnen kann.Er gibt sich als der Gütige aber hat zwei Gesichter.Mieser gehts nicht.Wollte sogar mal Oberbürgermeister einer Kleinstadt werden in unserer Nähe und ist glücklicherweise gescheitert bei der Wahl.Hätte lieber Koch oder Laienmaler bleiben sollen.Soviel zu Volksvertretern und wie man ihnen trauen kann.Freiheit,Demokratie,Parteizugehörigkeit sind verschiedene Dinge.Ich würde denen nichts anvertrauen,denn die wollen nur eines.Und zwar unser Geld,statt arbeiten zu gehen.Nichts anderes.Wenn wir uns selber regieren,machen wir nichts falsch und es ist vor allem billig.

LLuisa ! Verunsichern oder einschüchtern war nicht meine Absicht.Es ist nur ein Fakt und darüber solltest Du und die anderen informiert sein,das wenn man eine Demonstration angemeldet ist mit mehr als z.B. Leuten,da auch meist paar eingeschleuste Leute mitmarschieren.Das ist gängige Praxis von Nachrichtendiensten.Hab ich nicht erfunden.Aber das ist normal und niemand braucht hier irgendwelche Angst zu haben,auch Du nicht.Die N- Dienste wollen ganz einfach nur immer dort sein,wo sie noch nicht genau wissen,wo das Ganze enden könnte.Ich habe selber mit sowas nichts zu tun,mir ist es aber bekannt,das dies Praxis ist.Also sei unbesorgt.Das ist Normalität.

Cracky,

Gesetze werden ausschließlich von Volksvertertern
(hier: MdB) erarbeitet, öffentlich darüber debattiert
und eventuell beschlossen.

Die Politiker sind von dir und mir (zumindest von
den Meisten von uns) in ihre hohen Ämter
gewählt worden. Und zwar in einer ge-
heimen, demokratischen und
freien Wahl.

Dieses Gesetz schützt die Opfer
und schadt den Tätern.

Craky, warum versteckst du dich feige hinter einer
Maske? Warum zeigst du nicht mutig dein
Gesicht, wie ein ehrlicher, aufrichtiger
und couragierter Mensch mit Herz,
Seele und Verstand?

Mit diesem Gesetz ist es der Polizei besser möglich
Gerichtsprotokollfälschern, Hehlern, Strafvereitelern,
Totschweigern, Kinderschändern, Dieben und
Mördern auf die Schliche zu kommen.

Dieses Gesetz begrüsse ich genauso, wie die
Überwachungskammeras in Banken, Bahnen,
öffentlichen Plätzen vorallem U-Bahnhöfen.

Ich finde es schlimm, dass sich in Kurzer Zeit
unsere Gesellschaft so in eine Verbrecher-
gesellschaft gewandelt hat, dass solche
Maßnahmen notwendig sind.



 Seite 1 von 2
weiter >
  >>


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.




Wetter

Für die Wettervorschau benötigen Sie den freien Adoble Flash Player, den Sie hier laden können.

Meistgeklickt


Zittauer Stadtrat ist jetzt neu besetzt
Der neue Stadtrat der Großen Kreisstadt Zittau ist zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengetreten. Im Anschluss an die Verpflichtungder neuen... mehr

Jetzt beginnt wieder die fünfte Jahreszeit!
Am 7. und 8. November startet der Rietschener Karnevals Club in seine 60. Saison! Dieses Mal steht das ausgelassene Treiben  unter dem Thema ... mehr

Schlittenhunde an der Bockwindmühle
Der Schlittenhundesportverein Sachsen kommt am Samstag, 25. Oktober, und am Sonntag, 26. Oktober,  zu seinem traditionellen Herbsttreffen an der... mehr

Bikertreffen auf der Village Ranch
Am 31. Oktober öffnet der Ausschank der Forest Village Ranch in diesem Jahr zum letzten Mal. Von 11.00 bis 17.00 Uhr sind alle Gäste in die... mehr

Linker bald Regierungschef?
In der "Umfrage der Woche" wollen wir wissen, wie Sie über aktuelle Themen denken. In der vergangenen Woche wollten wir von Ihnen wissen... mehr

Seniorin plant Speed-Dating für einsame Singles über 60
mit 6 Kommentaren

Eine Bautzenerin will etwas gegen die Einsamkeit der Senioren unternehmen und ein Speed-Dating für Menschen über 60 ins Leben rufen. Marie Bauch – auf... mehr

Linker bald Regierungschef?
mit 6 Kommentaren

In der "Umfrage der Woche" wollen wir wissen, wie Sie über aktuelle Themen denken. In der vergangenen Woche wollten wir von Ihnen wissen... mehr

Zehn Tage pro Jahr für Familienpflege
mit 5 Kommentaren

In der "Umfrage der Woche" wollen wir wissen, wie Sie über aktuelle Themen denken. In der vergangenen Woche wollten wir von Ihnen wissen... mehr

Wandbehänge wie Tag und Nacht
mit 1 Kommentar

Voller Stolz können die Oberlausitzer Patchworkfrauen am Wochenende, Samstag 18. Oktober, und Sonntag, 19. Oktober, jeweils von 13.00  bis 18.00 Uhr... mehr

Größter Wunsch: Fahrzeug für Ausflüge mit Marie
mit 65 Kommentaren

Die Familie möchte mit der schwerstkranken Marie mehr Ausflüge machen und braucht dafür Hilfe. Ideal wäre ein Fahrzeug... mehr


Anzeige
Neue Kommentare
um 22:53 von Bernd in
War die DDR ein Unrechtsstaat?

um 20:56 von Bernd in
Linker bald Regierungschef?

um 16:58 von Erhard in
War die DDR ein Unrechtsstaat?

um 16:50 von Erhard in
Linker bald Regierungschef?

um 13:28 von Herbert in
War die DDR ein Unrechtsstaat?
Webcam Görlitz

Polizeimeldungen

Zittau, Chopinstraße:
Wer kennt diese Schmuckstücke? Polizei sucht Eigentümer und Zeugen!
Bereits im Frühjahr hatten Polizeibeamte auf der Zittauer Chopinstraße einen polnischen Staatsangehörigen kontrolliert. Der Mann hatte verschiedene

Görlitz, B 6, Höhe Wiesbadener Straße:
Cowboys mit Blaulicht
Am Mittwochmittag erreichte die Polizei in Görlitz ein Notruf mit der Meldung, dass mitten am Tag auf der Bundesstraße 6 eine Kuh umherläuft. Ein

Bautzen, OT Niederkaina, Purschwitzer Straße:
Geschwindigkeitskontrolle
Beamte des Verkehrsüberwachungsdienstes Bautzen führten am Mittwochnachtmittag in der Purschwitzer Straße in Niederkaina eine

Großdubrau, OT Särchen, Dorfstraße:
Dieseldiebstahl
In der Nacht zum Mittwoch waren Diebe in Särchen zu Gange. Die bislang Unbekannten verschafften sich gewaltsam Zugang zu einem Betriebsgelände an der

Neukirch, OT Gottschdorf, Ortsverbindung Gottschdorf-Neukirch:
Verkehrsbeeinträchtigungen durch Lkw-Unfall
Am Mittwochabend verunglückte auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Gottschdorf und Neukirch ein tschechischer Lkw DAF mit Auflieger. Der 32-jährige


Digitale Ausgabe 25. Oktober 2014

Web 2.0
Folge uns bei