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Mehr als eine Million für das Kinderschloss

Mehr als eine Million für das Kinderschloss

Auch sie freuen sich über den Fortschritt des Projektes: Landrat Bernd Lange (CDU), CDU-Bundestagsabgeordneter Michael Kretschmer und Staatssekretär Herbert Wolff (v.l.n.r.). | Foto: um

Die Gemeinde Waldhufen bekommt vom Freistaat Sachsen 1,24 Millionen Euro für die Sanierung des ehemaligen Herrenhauses in ihrem Ortsteil Jänkendorf und dessen Umbau zur Kindertagesstätte. Dies ist der größte Einzelbetrag, den das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in diesem Jahr im Rahmen des Förderprogramms „Vitale Dorfkerne und Ortszentren im ländlichen Raum“ vergibt.

Jänkendorf.
Herbert Wolff ist ein alter Bekannter in Waldhufen. Schon mehrmals besuchte der Staatssekretär im sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium (SMUL) die Gemeinde südlich von Niesky, um frohe Kunde zu überbringen. Was er allerdings diesmal im Gepäck hatte, übertraf alles Bisherige. „Innerhalb des in diesem Jahr erstmals aufgelegten Programmes ’Vitale Ortskerne’ stehen insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung. Sie verteilen sich auf 35 Projekte im gesamten Freistaat, wobei der größte Einzelbetrag bei 1,24 Millionen Euro liegt. Und der ist für das Projekt ’Kinderschloss Jänkendorf’ bestimmt.“

Und dies aus gutem Grund: „Der Umbau des früheren Herrenhauses, das seit 2010 leer steht, zur Kindereinrichtung entspricht dem Geist dieses Förderprogramms in geradezu idealer Weise.“ Schließlich sei es die Intention gewesen, leer stehende und Ortsbild prägende Gebäude in Dorfzentren zu erhalten und einer neuen, zeitgemäßen Nutzung zuzuführen.

Und dass das Herrenhaus – man kann es aufgrund seiner Größe auch ohne weiteres als Schloss bezeichnen – das Ortsbild von Jänkendorf prägt, steht außer Frage. In seiner langen Geschichte erfuhr es zahlreiche Nutzungen, doch zumeist hatten diese etwas mit Kindern zu tun. Dies traf bereits 1855 zu, als die sozial engagierte Standesherrin Eleonore Fürstin Reuß eine „Kleinkinderschule“ einrichtete. Von 1945 bis 1958 und von 1961 bis 2010 (die Unterbrechung war einem Brand geschuldet) befand sich eine Schule in dem altehrwürdigen Gemäuer.

„Schon damals begann die Diskussion, was aus dem Herrenhaus werden soll“, blickt Bürgermeister Horst Brückner (Freie Wähler) zurück. Diese Diskussion verknüpfte sich schon bald mit der um das Kinderbetreuungskonzept der Gemeinde Waldhufen, hatte doch das Landesjugendamt einschneidende Veränderungen gefordert. So entstand die Idee, das Herrenhaus zum „Kinderschloss“ umzubauen.

Alternativer Text Infobild

Von außen ist das Herrenhaus bereits fertig saniert und vermittelt einen „frischen“ Eindruck. Im Inneren wartet aber noch ein großer Berg Arbeit. | Foto: um

Anfangs von vielen belächelt, doch nun auf dem Weg der Realisierung. Die neue Einrichtung bietet 80 Kindergarten- und 20 Krippenkindern Platz.
Ein großer Teil der erforderlichen Arbeiten ist bereits geschafft: „Der erste Bauabschnitt, der die Erneuerung von Dach, Fenstern und Fassade beinhaltete, konnte unlängst abgeschlossen werden“, berichtet Heike Hübner vom Bauamt der Gemeinde Waldhufen. Dieser schlug mit circa 900.000 Euro zu Buche. Der zweite Bauabschnitt – für den die jetzt ausgereichte Förderung vorgesehen ist – stellt mit 2,7 Millionen Euro noch ein ganz anderes Kaliber dar. Er lässt sich kurz mit „Innensanierung“ beschreiben und soll im November 2017 abgeschlossen sein.

Der gemeindliche Eigenanteil liegt trotz dieser und weiterer Fördermittel noch immer bei stolzen 780.000 Euro.
Diesen „Berg“ ein wenig abzutragen, sieht der Förderkreis als seine Aufgabe an. „Unsere Mitglieder haben sich stark bei den vorbereitenden Abriss- und Entkernungsarbeiten eingebracht. Sie sammeln Spenden und verkaufen unseren selbst gestalteten Kalender“, so die Vorsitzende Julia Liebig. Und so hat das Projekt Kinderschloss – neben den rein „praktischen“ Effekten – auch noch eine weitere Wirkung entfaltet: „Es stärkt unsere Dorfgemeinschaft“, freut sich Bürgermeister Horst Brückner.

Uwe Menschner / 21.11.2016

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Kommentare zum Artikel "Mehr als eine Million für das Kinderschloss"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Harald Mysliwczyk schrieb am

    Hallo,

    mit Freude habe ich gelesen, welche Fortschritte es bei der Restaurierung und Nutzung des ehemaligen Herrenhauses in Jänkendorf gibt.

    Ich stamme aus dem Nachbarort Diehsa und habe von 1957-1959 die damalige Mittelschule Jänkendorf besucht. Ich kann mich noch gut an den großen Brand, der am 30.10.1958 das Gebäude heimsuchte, erinnern. Kurz zuvor waren am Dach Sanierungsarbeiten erfolgt!

    Der Schulunterricht erfolgte dann in Räumen der Gemeinde und der Sportunterricht fand im Tanzsaal der Gaststätte statt. Während eines Klassentreffens im Jahr 1984, also 25 Jahre nach dem Schulabschluss, konnten wir auch die ehemaligen Unterrichtsräume im Herrenhaus besichtigen. In den Räumen, die an den Dachboden grenzten, konnte man tatsächlich immer noch den Brandgeruch wahrnehmen.

    Also, ich freue mich, dass es nun auch mit staatlicher Hilfe vorwärts geht.

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