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Neue Wolfsfamilie am Truppenübungsplatz

Neue Wolfsfamilie am Truppenübungsplatz

Seit diesem Winter wurde in der Nähe des Truppenübungsplatzes Oberlausitz, nah dem Spreetaler Ortsteils Neustadt, wiederholt ein junges Wolfspaar beim Reviermarkieren fotografiert. | Foto: Lupus

Oberlausitz. Zwei neue Wolfsrudel haben sich in Sachsen etabliert. Das aktuelle Wolfsmonitoring bestätigt damit 14 Rudel in Sachsen und weitere Hinweise auf einzeln lebende Wölfe. Tierhalter sollten deshalb überall in den Landkreisen Bautzen und Görlitz entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen.

Ein neues Wolfsrudel hat sich im westlichen Bereich des Truppenübungsplatzes Oberlausitz zwischen dem Milkeler und dem Spremberger Rudel etabliert. Zu diesem Ergebnis kommt Vanessa Ludwig vom Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“.

Das Gebiet, in dem die Wolfseltern mit ihren Nachkommen im Monitoring zwischen April 2015 und Mai 2016 nachgewiesen wurden, war von 2004 bis 2008 das Kerngebiet des Neustädter Rudels. Anschließend wurde es vom Milkeler Rudel übernommen und gehörte seitdem zum Milkeler Territorium. Seit dem Winter wurde dort wiederholt ein junges Wolfspaar beim Reviermarkieren fotografiert. Die aktuell vorliegenden Fotofallenaufnahmen einer Fähe mit Gesäuge lassen darauf schließen, dass dieses neue Paar Nachwuchs bekommen hat. Inwieweit das Milkeler Rudel sein Territorium in eine andere Richtung verlagert hat, ist noch nicht bekannt.
Auch in drei anderen sächsischen Wolfsterritorien gibt es aktuell Fotos von Fähen mit Gesäuge. „In den nächsten Wochen werden vermehrt auch die Anfang Mai geborenen Welpen auf Fotofallenaufnahmen erwartet“, so Vanessa Ludwig. Die diesbezüglichen Monitoringarbeiten dauern noch den ganzen Sommer an. Voraussichtlich im Spätsommer oder Frühherbst werden die Daten ausgewertet sein.

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Außerdem hat sich westlich der Königsbrücker Heide – im Landkreis Meißen – ein neues Wolfsrudel etabliert. In diesem Bereich gibt es seit Ende 2015 einzelne Nachweise, zuletzt berichtete das Kontaktbüro Anfang März 2016 von einer Wolfssichtung bei Großenhain. Am 27. Juni wurde dem Wolfsmanagement der Nachweis von drei Wolfswelpen gemeldet. Somit steht fest, dass sich dort eine neue Wolfsfamilie gegründet hat. Noch liegen keine genetischen Proben aus dem Gebiet vor. Auch muss im Rahmen des Monitorings geklärt werden, inwieweit sich das Territorium des neuen Rudels möglicherweise nach Norden in das Land Brandenburg erstreckt. Dort war im Bereich von Schraden bzw. der Ruhlander Heide im letzten Monitoringjahr ein Rudel bestätigt worden. Die am nächsten gelegenen, bekannten sächsischen Wolfsvorkommen sind das Königsbrücker Heide- und das Laußnitzer Heide-Rudel östlich der Autobahn 13, sowie das Gohrischheide Rudel.

Sicher nachgewiesen ist ein im Hohwald lebender weiblicher Wolf (Fähe). Ob sie inzwischen einen Partner gefunden hat, ist noch nicht abschließend geklärt. In den Landkreisen Görlitz und Bautzen südlich der Autobahn 4 gibt es weitere einzelne Nachweise und bestätigte Hinweise auf Wölfe. Dies betrifft die Bereiche Cunewalde, Löbau, Kottmar, Bernsdorf a.d. Eigen und Zittau. Im Rahmen des Monitorings wird hier weiterhin versucht, den Status zu klären. Darüber hinaus haben drei Wolfsterritorien (Annaburger Heide, Ruszow und Zschorno) einen kleinen Teil ihres Gebiets auf sächsischer Seite. Da der größere Teil der Territorien in anderen Ländern liegt, werden sie in den jeweiligen Nachbarländern mitgezählt.

Im Rahmen des Wolfsmonitorings werden die erhobenen Daten jährlich basierend auf dem Monitoringjahr zusammenfassend ausgewertet. Das Monitoringjahr läuft jeweils vom 1. Mai eines Jahres bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres. Die Daten für das Monitoringjahr 2015/2016 werden aktuell noch ausgewertet. Der abschließende Stand zur Verbreitung von Wölfen in Sachsen für das Monitoringjahr 2015/16 wird deshalb erst im Spätsommer bzw. Frühherbst bekannt sein.

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Tierhalter in der Region zwischen der Königsbrücker Heide und Großenhain sollten die Etablierung von Wölfen in diesem Gebiet zum Anlass nehmen, die Schutzvorkehrungen für ihre Schafe und Ziegen bzw. Gatterwild zu überprüfen und ggf. zu verbessern. Die Umzäunung darf keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden bieten und muss an allen Seiten geschlossen sein – über offene Gräben oder angrenzende Gewässer können Wölfe leicht in die Umzäunung eindringen. Stromführende Zäune haben sich als effektiver Schutz gegen Wölfe bewährt. Nicht-stromführende Festzäune müssen mindestens 120 Zentimeter hoch sein. Hier ist ein Untergrabungsschutz empfehlenswert. Alternativ bietet die Unterbringung der Tiere in einem geschlossenen Stall über Nacht einen guten Schutz. Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern im gesamten Freistaat Sachsen haben die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen zu 80 Prozent der Nettokosten fördern zu lassen.

Zuständig für Fragen rund um den Herdenschutz und die Förderung ist in den Landkreisen Görlitz und Bautzen André Klingenberger von der Biosphärenreservatsverwaltung in Malschwitz OT Wartha, Telefon 0172/ 3757 602 oder E-Mail: andre.klingenberger@smul.sachsen.de.

Mehr Informationen im Internet unter: www.wolfsregion-lausitz.de

Redaktion / 06.07.2016

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