Direkt zum Inhalt springen
Info & Kommentare

Rekord: Falkenpaar zieht sieben Junge auf

Rekord: Falkenpaar zieht sieben Junge auf

Diese sieben jungen Turmfalken hat Thomas Mörbe zum Beringen aus nur einem einzigen Nest geholt. Foto: Andreas Mörbe

Rekord sind die sieben Turmfalken in einem Nest. Damit sich die eleganten Vögel wohlfühlen, bauen zwei Brüder in Temritz Nisthilfen, pflanzen Bäume und Hecken und unterstützen so auch andere Vögel und Wildtiere.

Temritz. Erstaunt ist selbst Vogelkenner Frank Urban. Sieben junge Turmfalken hat Thomas Mörbe gerade aus der Nistkiste unter dem Giebel geholt. Sie sollen an diesem Nachmittag beringt werden.

Alternativer Text Infobild

Geübt befestigt Frank Urban die Vogelringe am Fuß des jungen Turmfalken. Foto: Andreas Mörbe

Normalerweise brüten Turmfalkenpärchen drei bis fünf Eier pro Jahr aus. Abhängig sei dies vom Nahrungsangebot. Turmfalken ernähren sich von Wühlmäusen, Mäusen und anderen Kleinsäugern, berichtet Tierfreund und Falkenliebhaber Thomas Mörbe. Der kleine Ort Temritz ist von zahlreichen Feldern umgeben. „Hier bekommen die eleganten Jäger die Nahrung wie auf einem Tablett serviert“, so Mörbe.
Tatsächlich scheinen die Bedingungen in Temritz ideal. Zwei weitere Falkenpaare haben in dem Ort mit etwas mehr als 60 Einwohnern Nester gebaut. Dafür bevorzugen die Turmfalken alte Gemäuer, wo sie hinter Gebäudeöffnungen oder -spalten ihre Nester haben. Beliebt sind auch die runden Giebelfenster alter Bauernhöfe. Damit sich die Falken sicher fühlen und vor Mardern und anderen Eierdieben geschützt sind, haben Thomas Mörbe und sein Bruder das Fenster etwas verkleinert und dahinter einen hölzernen Verschlag angebracht. Dieser dient den Greifvögeln als Kinderstube.

Das Brüten übernimmt zum großen Teil das Weibchen. Nach etwa vier Wochen schlüpfen die Jungen und werden von den Eltern mit Futter versorgt. Schon nach drei Wochen haben die kleinen Falken das Gewicht eines erwachsenen Turmfalken erreicht. Nach vier Wochen legen sie das Daunenkleid ab und starten die ersten Flugversuche.

Die sieben Turmfalken, die Frank Urban jetzt beringt, sind noch flauschige Federbälle. Wehrlos sind die Jungvögel keinesfalls. Fühlen sie sich bedroht, drehen sich die Tiere auf den Rücken und verteidigen sich mit Krallen und Schnabel. „Ihre Krallen sind scharf und spitz“, erklärt Thomas Mörbe. Feste Handschuhe sind deshalb nötig.

Mit geübten Handgriffen klipst Frank Urban die Plastik-
ringe mit der Nummer am Fuß der Vögel fest. Seit drei Jahren begleitet der Hobbyornithologe die Turmfalken in Temritz. Im vergangenen Jahr zogen vier Brutpaare insgesamt 21 Junge auf. Registriert werden die beringten Vögel bei der Beringungszentrale Hiddensee. Werden die Turmfalken an einem anderen Ort wieder erfasst, kann man daraus Rückschlüsse über ihren Lebensraum erhalten.

Die Brüder Thomas und Andreas Mörbe sorgen seit einigen Jahren dafür, dass sie Turmfalken in Temritz in Ruhe brüten können. Darüber ist Frank Urban erfreut: „Leider ist das Verständnis vieler Menschen nicht immer vorhanden.“ Hauseigentümer wollten Ärger vermeiden, fürchten das Kreischen und den weißen Kot unterhalb des Einfluglochs und würden deshalb im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen Gebäudeöffnungen und -spalten verschließen. Doch nicht nur die eleganten Jäger haben es den Mörbe-Brüdern angetan. Auf dem gesamten Grundstück und im Umfeld des Ortes haben sie Brutkästen für verschiedene Vogelarten aufgehängt. Über 400 Stück müssten es sein, schätzt Andreas Mörbe.

Doch nicht nur Nistmöglichkeiten helfen den Vögeln. Hecken und Bäume, die während der intensiven Landwirtschaft in der DDR entfernt wurden, sind für Vögel und Niederwild wichtig als Windschutz, Versteck und Unterschlupf. In den zurückliegenden 25 Jahren hat Thomas Mörbe mindestens 1.000 Bäume und Hecken selbst gezogen und in die Natur gepflanzt. Leider sei auch hier nicht bei allen das Verständnis da. „Aber mein Onkel Christian Mörbe ist selbst Landwirt und hat gegen die Idee Bäume und Hecken auf und an seine Felder zu pflanzen, nichts einzuwenden“, sagt Thomas Mörbe.

Andreas und Thomas Mörbe wollen weiterhin viel für die Erhaltung der Natur tun. Nur reden und warten ist nicht ihr Ding. Die Brüder handeln nach der Devise: „Irgendjemand muss ja mal anfangen und was tun!“

Anzeige

Katrin Kunipatz / 06.07.2016

Was sagen Sie zu dem Thema?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Die Mail-Adresse wird nur für Rückfragen verwendet und spätestens nach 14 Tagen gelöscht.

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.

Weitere aktuelle Artikel