13.08.2011
BAUTZEN
"Mal sehen, wer schneller weg ist..."
MONIKA LENZ

Wölfe in der Lausitz - das Thema ist immer noch umstritten. Gerade erst haben Naturschützer dagegen protestiert, dass der Wolf ins Jagdgesetz übernommen wird.

Doch ist er damit zum Abschuss freigegeben, wie einige befürchten? Monika Lenz wollte es von Sachsens Umweltminister Frank Kupfer ganz genau wissen.

Der Wolf soll in das Jagdgesetz, ein Thema, das viele nicht nur in der Region beschäftigt. Warum muss er denn überhaupt ins Jagdgesetz?

Frank Kupfer: Der Wolf soll nicht ins Jagdgesetz. Er wird unter den Schutz des Jagdrechts gestellt. Das ist ein feiner Unterschied.

Inwiefern Schutz?

Frank Kupfer: Ich bin froh, dass er Wolf wieder in Sachsen beheimatet ist. Für mich ist das ein Ausdruck dass die Natur wieder ein Stückchen gesünder geworden ist. Wir haben jetzt die Situation, dass der Wolf sich in Sachsen ausbreitet. Über kurz oder lang wird er sich in allen Teilen Sachsens niederlassen.
Ich möchte, dass sich der Wolf hier wohlfühlt. Dazu müssen wir mehr Menschen in die Verantwortung nehmen. Ich brauche mehr Menschen, die sich um den Schutz des Wolfes kümmern. Das hat für mich oberste Priorität.

Wie kann das aussehen?

Für Sachsens Umweltminister Frank Kupfer hat der Schutz der Lausitzer Wölfe oberste Priorität | Monika Lenz

Frank Kupfer: Wir haben vor zwei Jahren den Wolfsmanagementplan verabschiedet. Wir haben versucht, alle Interessengruppen unter einen Hut zu bekommen. Das ist auch fast gelungen. Es gibt eine Bürgerinitiative in der Lausitz, die das partout nicht mitmachen will, weil sie sagt, der Wolf gehört ausgerottet. Um den Plan umzusetzen brauchen wir Mitstreiter.  Wir haben das Kontaktbüro, wir haben Lupus und wir haben in jedem Landkreis zwei Wolfsbeauftragte. Es sind also nicht viele. Ich habe mir überlegt, was kann man machen, um mehr Leute in die Verantwortung zu nehmen! So bin ich auf die Jäger gekommen. Sie sind in der Natur, im Wald, sind als Jagdverband ein anerkannter Naturschutzverband. Ich will sie ganz einfach in die Pflicht nehmen.

Was sagen die Jäger dazu?

Frank Kupfer: Ich habe überwiegend positive Resonanz erhalten. Die Jäger sind derselben Ansicht wie ich, dass er Wolf in die Natur gehört und dass man ihn schützen muss.

Was erwarten Sie konkret von den Jägern?

Frank Kupfer: Wir haben Berichtspflichten gegenüber der Europäischen Union. Ich möchte die Jäger mit ins Boot nehmen, beim Monitoring mitzumachen. Ich möchte, dass die Jäger sich für den Schutz engagieren. Ich weiß, dass es auch unter den Jägern Meinungen gibt, dass der Wolf nicht in die Natur gehört. Aber das ist ein geringer Teil. Wenn ich die Jäger insgesamt verantwortlich mache für den Wolf, verspreche ich mir, dass auch die paar mit anderer Meinung eingebunden werden.

Wölfe im Jagdrecht, heißt das nicht, sie dürfen auch gejagt werden?
Frank Kupfer: Nein, diese Unter-Schutzstellung unter das Jagdrecht heißt nicht, dass der Wolf geschossen werden kann. Das muss man den Jägern auch jetzt schon zugutehalten. Wenn die Jäger gewollt hätten, dass es den Wolf nicht gibt, dann gäbe es ihn in dieser Anzahl in Sachsen auch nicht. Denn der Jäger ist nachts allein im Wald. Und wenn er schießt, schießt er. Die Unterstellung, die Jäger wollen, dass der Wolf geschossen werden darf, ist einfach nicht richtig.

Die Jäger sind die eine Seite. Die andere sind betroffene Bauern. Wollen Sie auch die mit ins Boot holen?

Frank Kupfer: Ich kann die Landwirte jetzt nicht zu Wolfsexperten machen. Es ist ja auch nur ein kleiner Teil, der betroffen ist. Ich brauche Experten. Leute, die sich mit Wald und Wild auskennen.

Wäre es nicht besser, man würde die gesamte Lausitz mehr einzubeziehen? Momentan habe ich den Eindruck, dass das Wolfsbüro sein Ding macht und etwas losgelöst ist vom Rest der Bevölkerung.

Frank Kupfer: Das wäre schlimm, wenn es so wäre. Das Wolfsbüro ist ja dafür da, den Kontakt herzustellen, Informationen und Verständnis zu vermitteln. Mein Interesse ist es, den Menschen die Angst zu nehmen.

Der Wolf als Pfund, mit dem die Lausitzer wuchern können - können oder sollten das auch mehr Privatleute tun?

Frank Kupfer: Man muss vorsichtig sein. Sobald man zuviel Tourismus zu seltenen Dingen bringt, sind die bald nicht mehr da. Tourismus ja, aber man muss schon sehen, dass man es nicht übertreibt.

Also sanfter Tourismus und Beobachtung?

Frank Kupfer: Es ist wichtig, dass wir wissen, wo kommt der Wolf vor, wie verhält er sich. Er ist natürlich ein Wildtier. Wir müssen  aufpassen, dass es keinen Wolf gibt, der über die Stränge schlägt. Einer, der dauernd Herden angreift oder zu nah an der Wohnbebauung ist.

Der Wolfsexperte Günther Bloch sagt, der  Wolf ist ein Kulturfolger, wird sich also nahe an der Zivilisation aufhalten, weil er leichter an sein Futter ran kommt.

Frank Kupfer: Der Wolf bleibt aber ein Wildtier, und als solches hat er eine natürliche Scheu vor den Menschen. Er nutzt natürlich die Gegebenheiten, die er in Sachsen hat. Er wird sicherlich Siedlungen tangieren. Aber mir ist kein Fall bekannt, wo er in Siedlungen geht, um dort nach Nahrung zu suchen. Es liegt natürlich in der Verantwortung des Menschen, dass es so bleibt. Wenn jemand ein halbes Hähnchen auf den Misthaufen legt, zieht das den Wolf natürlich auch an. Oder wenn jemand anfüttert, um den Wolf zu sehen. Das ist natürlich kreuzgefährlich.

Ist das schon vorgekommen?

Frank Kupfer: Nein, ich hoffe auch, dass das so bleibt. Wir müssen natürlich auch Distanz wahren. Der Wolf ist ein intelligentes Tier. Der schaut natürlich, wo er ohne großen Eigenenergieaufwand Nahrung bekommt.

Es gibt Fälle, in denen Kälber nach Meinung der Bauern vom Wolf gerissen wurden. Wäre es nicht sinnvoller, wenn man in solchen unklaren Fällen die Untersuchungen weniger restriktiv angehen würde? Einfach schon wegen der Akzeptanz des Wolfes?
Frank Kupfer: Ich sage, im Zweifel zugunsten des Landwirtes. Auch als vertrauensbildende Maßnahme sollte man das machen, um nicht zusätzlich Ärger zu provozieren.

Es gibt in anderen Ländern wie Namibia zum Beispiel die Angewohnheit, dass Farmer Futterstellen für Wildtiere einrichten, um sie von ihren Herden fern zu halten. Wird es so etwas in Sachsen geben?

Frank Kupfer: Um Gottes willen, nein! Wenn wir die Distanz zwischen Wolf und Mensch verringern, ist die Gefahr größer, dass es zu Wolfsübergriffen auf den Mensch kommen könnte.
Ebenso müssen wir verhindern, dass es zu Hybriden kommt, also Kreuzungen zwischen Hund und Wolf. Ein Hund hat einen ganz anderen Umgang mit dem Menschen.

Was glauben  Sie, warum sich der Naturschutzbund NABU so vehement gegen diese Entwicklung wehrt?

Frank Kupfer: Ich kann es nicht sagen. Ich war auf der Jahresmitgliederversammlung im Frühjahr, habe dort meine Meinung gesagt. Ich habe Beifall bekommen. Aber die Abstimmung ist dann doch dagegen ausgegangen. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb die Kritik vor allem in den letzten Tagen so hart formuliert wird.

Jetzt kommen vielleicht einige und sagen, der Wolf ist der Anfang, als nächstes kommen die Bären, was dann?

Frank Kupfer: Das ist in Ordnung. Es ist Natur. Wenn Tiere sich die Natur zurückholen, warum soll der Mensch dagegen sein? Überall schauen wir, dass wir die Artenvielfalt erhalten. Wenn sich Tiere hier von selbst wieder ansiedeln, hier ihre Heimat finden, warum nicht? Der Mensch hat kein Recht zu sagen, das Tier gehört hier nicht her.
Aber er kann es ihm schwer machen. Zum Beispiel durch Straßen.

Gerade im Wolfsgebiet gibt es stark befahrene Straßen und es kommt öfter zu Unfällen mit Wölfen.


Frank Kupfer: Jeder Unfall ist bedauerlich, ob Reh oder Wolf. Man hat darüber nachgedacht, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Da gibt es Gespräche, in die auch Naturschützer eingebunden sind.

Angenommen, Ihnen würde beim Wandern in der Lausitz der Wolf begegnen, hätten Sie Angst?

Frank Kupfer: Respekt ja, Angst nicht. Ich bin überzeugt, der Wolf hat größere Angst vor mir, als ich vor ihm. Ich habe im Wildgehege Moritzburg einen Wolfswelpen auf dem Arm gehabt. Auch wenn man so einen Wolf aus dem Gehege nicht mit einem wilden vergleichen kann. Aber der hat dermaßen gezittert, der hatte wirklich Angst.
Ich glaube nicht, dass ich jemals einen zu sehen bekomme. Falls doch, mal sehen wer schneller weg ist. Er oder ich.


Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

Lovis, hier erinnere ich an Winston Churchill:
*Ich glaube nur an Statistiken, die ich selbst
gefälscht habe.*

Ich bin mir sicher, dass Jäger die Verbrechen der "Wildschützer* auf 4,4% schätzen.

Das sind wohl 400.000 Verbrechen, bezogen
auf zirka 9 Millonen Verbrechen.

So gesehen eigentlich noch eine
recht gute Qoute.

Es gibt ganz sicher Bereiche bei denen
ist die Quote viel schlechter.

Ist ja interessant, selbst Herr Kupfer räumt ein, dass Jäger das Gesetz in die eigene Hand nehmen: "Wenn die Jäger gewollt hätten, dass es den Wolf nicht gibt, dann gäbe es ihn in dieser Anzahl in Sachsen auch nicht. Denn der Jäger ist nachts allein im Wald. Und wenn er schießt, schießt er." Die Dunkelziffer der durch Jäger begangenen Straftaten ist unermesslich .... Wildtierschutz Deutschland schätzt, dass pro Jahr mindestens 200.000 Schonzeit-Vergehen begangen werden, gemessen an 9 Mio. getöteten Tieren (inkl. Dunkelziffer) sind das allerdings "nur" 2,2 %.

Also, die Überschrift hat´s in sich
und ist ganz große Klasse!

Auch ich vertrete die Ansicht, dass der Wolf in die Natur gehört. Nur nimmt der Mensch immer mehr Natur weg. Ich denke da mit welch immens großer
Geschwindigkeit heutzutage der Urwald abgeholzt wird. Mit der gleichen Geschwindigkeit wurde vor nicht allzulanger Zeit auf dem jetzigen Gebiet von
Deutschland bzw. Sachsen der Wald gerodet. Auf dem heutigen Gebiet den Wolf wieder ansässig zu machen, ist sicher für den Menschen falsch
und für die Natur richtig.

Zurück zur Überschrift:
In Hinblick auf den ganz sicher kommenden Zusam-
menbruch des Dollars und des somit weltweiten
Zusammenbruch der Finanzwelt (Menschen-WELT)
erinnere ich an die Worte von Berthold Brecht:

*Dem Kapitalismus wohnt der Krieg
inne, wie der Wolke der Regen*.

Albert Einstein wurde nach dem Zweiten Weltkrieg
mal gefragt, ob er sich vorstellen kann, mit welchen
verheerenden Waffen der Dritte Weltkrieg
geführt werden wird?

Seine Antwort:
*ich habe keine Vorstellung. Aber ich habe eine
klare Vorstellung, mit welchen Waffen der
Vierte Weltkrieg geführt werden wird -
und zwar mit Steinaxt und Faustkeil.*

So gesehen, wird sich die Frage des
Wolfes von selbst beantworten.

Wenn die paar Menschen dann höchstens noch einen Pfeil und Bogen haben, kann sich doch
der Wolf sowieso die Gebiete wieder zurück
holen, welche ihn der Mensch damals
weg genommen hat.


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.




Meistgeklickt


Ärger auf der Strandpromenade
Ein 26-Jähriger war mit zwei Freundinnen und seinem 4-jährigen Sohn am Sonntagabend auf der Strandpromenade am Bautzener Stausee unterwegs. Dort kam... mehr

Jede Menge Action auf dem Neugersdorfer Jacobimarkt
Die Vergnügungssüchtigen aus nah und fern lieben ihren Neugersdorfer Jacobimarkt, auch wenn das Geld an diesen Tagen schnell durch die Hände rinnen... mehr

Accord of Sounds in Milstrich
Am 1. August, 22.00 Uhr, heißt es in Milstrich an der Begegnungsstätte (ehemaliger Kindergarten) am Auenweg wieder "Accord of Sounds". Auf die Ohren... mehr

Bautzen bekommt ein neues Berufsschulzentrum
Der Landkreis Bautzen hat seine größte Investition seit Bestehen in der jetzigen Form begonnen: Am vergangenen Freitag erfolgte der erste Spatenstich... mehr

McDonald's siedelt sich in Zittau an
Jetzt ein Coke Glas zum McMenü! Die seit vielen Jahren geführten Standortdiskussionen zwischen der Wirtschaftsförderung der Stadt und McDonald´s... mehr

Schiebocker Unternehmer fühlen sich abgehängt, Kamenz entwickelt sich recht solide
mit 4 Kommentaren

Die Unternehmen im Landkreis Bautzen sind mit den hier herrschenden Standortfaktoren größtenteils zufrieden. Dies ist das Ergebnis der ... mehr

Nerven Sie die Straßenbaustellen in der Region?
mit 3 Kommentaren

In der "Umfrage der Woche" wollen wir wissen, wie Sie über aktuelle Themen denken. In der vergangenen Woche wollten wir von Ihnen wissen... mehr

Lebendiger Markt für eine Woche
mit 2 Kommentaren

Eine Woche lang – vom 6. bis zum 13. September – soll sich der Bischofswerdaer Altmarkt mit Leben füllen... mehr

Gehören Elefanten in den Zirkus und auf die Straße?
mit 1 Kommentar

Durch die Innenstadt spazierende Elefanten sorgten in der vergangenen Woche in Bautzen für viel Aufsehen. Auch der Oberlausitzer Kurier berichtete... mehr

Für Novellierung des Sorbengesetzes
mit 1 Kommentar

Die demokratischen Oppositionsfraktionen im Sächsischen Landtag sind sich einig: Das Sächsische Sorbengesetz muss in der nächsten Legislaturperiode... mehr


Anzeige
Frage der Woche

Derzeit wird bei der Instandsetzung der Straßen in der Region geklotzt und nicht gekleckert. Nerven Sie die zahlreichen Baustellen auf den Straßen?






Webcam Bautzen
Bautzen - Kornmarkt

Nachdem das Hochhaus auf dem Kornmarkt vor Jahren abgerissen worden war und die Fläche als Parkplatz genutzt wurde, entsteht auf dem Areal nun ein Gebäudekomplex mit rund 5.500 Quadratmeter Nutzfläche für Büros, Geschäfte und Wohnungen.