Wölfe in der Lausitz - das Thema ist immer noch umstritten. Gerade erst haben Naturschützer dagegen protestiert, dass der Wolf ins Jagdgesetz übernommen wird.
Doch ist er damit zum Abschuss freigegeben, wie einige befürchten? Monika Lenz wollte es von Sachsens Umweltminister Frank Kupfer ganz genau wissen.
Der Wolf soll in das Jagdgesetz, ein Thema, das viele nicht nur in der Region beschäftigt. Warum muss er denn überhaupt ins Jagdgesetz?
Frank Kupfer: Der Wolf soll nicht ins Jagdgesetz. Er wird unter den Schutz des Jagdrechts gestellt. Das ist ein feiner Unterschied.
Inwiefern Schutz?Frank Kupfer: Ich bin froh, dass er Wolf wieder in Sachsen beheimatet ist. Für mich ist das ein Ausdruck dass die Natur wieder ein Stückchen gesünder geworden ist. Wir haben jetzt die Situation, dass der Wolf sich in Sachsen ausbreitet. Über kurz oder lang wird er sich in allen Teilen Sachsens niederlassen.
Ich möchte, dass sich der Wolf hier wohlfühlt. Dazu müssen wir mehr Menschen in die Verantwortung nehmen. Ich brauche mehr Menschen, die sich um den Schutz des Wolfes kümmern. Das hat für mich oberste Priorität.
Wie kann das aussehen?
Für Sachsens Umweltminister Frank Kupfer hat der Schutz der Lausitzer Wölfe oberste Priorität | Monika Lenz
Frank Kupfer: Wir haben vor zwei Jahren den Wolfsmanagementplan verabschiedet. Wir haben versucht, alle Interessengruppen unter einen Hut zu bekommen. Das ist auch fast gelungen. Es gibt eine Bürgerinitiative in der Lausitz, die das partout nicht mitmachen will, weil sie sagt, der Wolf gehört ausgerottet. Um den Plan umzusetzen brauchen wir Mitstreiter. Wir haben das Kontaktbüro, wir haben Lupus und wir haben in jedem Landkreis zwei Wolfsbeauftragte. Es sind also nicht viele. Ich habe mir überlegt, was kann man machen, um mehr Leute in die Verantwortung zu nehmen! So bin ich auf die Jäger gekommen. Sie sind in der Natur, im Wald, sind als Jagdverband ein anerkannter Naturschutzverband. Ich will sie ganz einfach in die Pflicht nehmen.
Was sagen die Jäger dazu?Frank Kupfer: Ich habe überwiegend positive Resonanz erhalten. Die Jäger sind derselben Ansicht wie ich, dass er Wolf in die Natur gehört und dass man ihn schützen muss.
Was erwarten Sie konkret von den Jägern?Frank Kupfer: Wir haben Berichtspflichten gegenüber der Europäischen Union. Ich möchte die Jäger mit ins Boot nehmen, beim Monitoring mitzumachen. Ich möchte, dass die Jäger sich für den Schutz engagieren. Ich weiß, dass es auch unter den Jägern Meinungen gibt, dass der Wolf nicht in die Natur gehört. Aber das ist ein geringer Teil. Wenn ich die Jäger insgesamt verantwortlich mache für den Wolf, verspreche ich mir, dass auch die paar mit anderer Meinung eingebunden werden.
Wölfe im Jagdrecht, heißt das nicht, sie dürfen auch gejagt werden?Frank Kupfer: Nein, diese Unter-Schutzstellung unter das Jagdrecht heißt nicht, dass der Wolf geschossen werden kann. Das muss man den Jägern auch jetzt schon zugutehalten. Wenn die Jäger gewollt hätten, dass es den Wolf nicht gibt, dann gäbe es ihn in dieser Anzahl in Sachsen auch nicht. Denn der Jäger ist nachts allein im Wald. Und wenn er schießt, schießt er. Die Unterstellung, die Jäger wollen, dass der Wolf geschossen werden darf, ist einfach nicht richtig.
Die Jäger sind die eine Seite. Die andere sind betroffene Bauern. Wollen Sie auch die mit ins Boot holen?Frank Kupfer: Ich kann die Landwirte jetzt nicht zu Wolfsexperten machen. Es ist ja auch nur ein kleiner Teil, der betroffen ist. Ich brauche Experten. Leute, die sich mit Wald und Wild auskennen.
Wäre es nicht besser, man würde die gesamte Lausitz mehr einzubeziehen? Momentan habe ich den Eindruck, dass das Wolfsbüro sein Ding macht und etwas losgelöst ist vom Rest der Bevölkerung.Frank Kupfer: Das wäre schlimm, wenn es so wäre. Das Wolfsbüro ist ja dafür da, den Kontakt herzustellen, Informationen und Verständnis zu vermitteln. Mein Interesse ist es, den Menschen die Angst zu nehmen.
Der Wolf als Pfund, mit dem die Lausitzer wuchern können - können oder sollten das auch mehr Privatleute tun?Frank Kupfer: Man muss vorsichtig sein. Sobald man zuviel Tourismus zu seltenen Dingen bringt, sind die bald nicht mehr da. Tourismus ja, aber man muss schon sehen, dass man es nicht übertreibt.
Also sanfter Tourismus und Beobachtung?Frank Kupfer: Es ist wichtig, dass wir wissen, wo kommt der Wolf vor, wie verhält er sich. Er ist natürlich ein Wildtier. Wir müssen aufpassen, dass es keinen Wolf gibt, der über die Stränge schlägt. Einer, der dauernd Herden angreift oder zu nah an der Wohnbebauung ist.
Der Wolfsexperte Günther Bloch sagt, der Wolf ist ein Kulturfolger, wird sich also nahe an der Zivilisation aufhalten, weil er leichter an sein Futter ran kommt.Frank Kupfer: Der Wolf bleibt aber ein Wildtier, und als solches hat er eine natürliche Scheu vor den Menschen. Er nutzt natürlich die Gegebenheiten, die er in Sachsen hat. Er wird sicherlich Siedlungen tangieren. Aber mir ist kein Fall bekannt, wo er in Siedlungen geht, um dort nach Nahrung zu suchen. Es liegt natürlich in der Verantwortung des Menschen, dass es so bleibt. Wenn jemand ein halbes Hähnchen auf den Misthaufen legt, zieht das den Wolf natürlich auch an. Oder wenn jemand anfüttert, um den Wolf zu sehen. Das ist natürlich kreuzgefährlich.
Ist das schon vorgekommen?Frank Kupfer: Nein, ich hoffe auch, dass das so bleibt. Wir müssen natürlich auch Distanz wahren. Der Wolf ist ein intelligentes Tier. Der schaut natürlich, wo er ohne großen Eigenenergieaufwand Nahrung bekommt.
Es gibt Fälle, in denen Kälber nach Meinung der Bauern vom Wolf gerissen wurden. Wäre es nicht sinnvoller, wenn man in solchen unklaren Fällen die Untersuchungen weniger restriktiv angehen würde? Einfach schon wegen der Akzeptanz des Wolfes?Frank Kupfer: Ich sage, im Zweifel zugunsten des Landwirtes. Auch als vertrauensbildende Maßnahme sollte man das machen, um nicht zusätzlich Ärger zu provozieren.
Es gibt in anderen Ländern wie Namibia zum Beispiel die Angewohnheit, dass Farmer Futterstellen für Wildtiere einrichten, um sie von ihren Herden fern zu halten. Wird es so etwas in Sachsen geben?Frank Kupfer: Um Gottes willen, nein! Wenn wir die Distanz zwischen Wolf und Mensch verringern, ist die Gefahr größer, dass es zu Wolfsübergriffen auf den Mensch kommen könnte.
Ebenso müssen wir verhindern, dass es zu Hybriden kommt, also Kreuzungen zwischen Hund und Wolf. Ein Hund hat einen ganz anderen Umgang mit dem Menschen.
Was glauben Sie, warum sich der Naturschutzbund NABU so vehement gegen diese Entwicklung wehrt?Frank Kupfer: Ich kann es nicht sagen. Ich war auf der Jahresmitgliederversammlung im Frühjahr, habe dort meine Meinung gesagt. Ich habe Beifall bekommen. Aber die Abstimmung ist dann doch dagegen ausgegangen. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb die Kritik vor allem in den letzten Tagen so hart formuliert wird.
Jetzt kommen vielleicht einige und sagen, der Wolf ist der Anfang, als nächstes kommen die Bären, was dann?Frank Kupfer: Das ist in Ordnung. Es ist Natur. Wenn Tiere sich die Natur zurückholen, warum soll der Mensch dagegen sein? Überall schauen wir, dass wir die Artenvielfalt erhalten. Wenn sich Tiere hier von selbst wieder ansiedeln, hier ihre Heimat finden, warum nicht? Der Mensch hat kein Recht zu sagen, das Tier gehört hier nicht her.
Aber er kann es ihm schwer machen. Zum Beispiel durch Straßen.
Gerade im Wolfsgebiet gibt es stark befahrene Straßen und es kommt öfter zu Unfällen mit Wölfen.Frank Kupfer: Jeder Unfall ist bedauerlich, ob Reh oder Wolf. Man hat darüber nachgedacht, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Da gibt es Gespräche, in die auch Naturschützer eingebunden sind.
Angenommen, Ihnen würde beim Wandern in der Lausitz der Wolf begegnen, hätten Sie Angst?Frank Kupfer: Respekt ja, Angst nicht. Ich bin überzeugt, der Wolf hat größere Angst vor mir, als ich vor ihm. Ich habe im Wildgehege Moritzburg einen Wolfswelpen auf dem Arm gehabt. Auch wenn man so einen Wolf aus dem Gehege nicht mit einem wilden vergleichen kann. Aber der hat dermaßen gezittert, der hatte wirklich Angst.
Ich glaube nicht, dass ich jemals einen zu sehen bekomme. Falls doch, mal sehen wer schneller weg ist. Er oder ich.
*Ich glaube nur an Statistiken, die ich selbst
gefälscht habe.*
Ich bin mir sicher, dass Jäger die Verbrechen der "Wildschützer* auf 4,4% schätzen.
Das sind wohl 400.000 Verbrechen, bezogen
auf zirka 9 Millonen Verbrechen.
So gesehen eigentlich noch eine
recht gute Qoute.
Es gibt ganz sicher Bereiche bei denen
ist die Quote viel schlechter.