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Studie soll klären: Zieht Busbahnhof um?

Studie soll klären: Zieht Busbahnhof um?

Rollen in Zukunft Busse über den Rathenauplatz? Stadträte sind in diesem Punkt geteilter Meinung. Voraussichtlich im nächsten Frühjahr wird eine Machbarkeitsstudie für Klarheit sorgen. Foto: RK

Geht es nach dem Willen der SPD-Stadträte, lässt sich bereits in vier Jahren ein neuer Busbahnhof vor dem Bautzener Bahnhofsgebäude in Betrieb nehmen. Kommune, Landkreis, Verkehrsverbund und ein privater Investor arbeiten den Angaben zufolge in diese Richtung. Doch das Engagement ist nicht unumstritten. Denn in der Frage, was passiert mit dem zentralen Haltepunkt am Bebel-Platz, scheiden sich die Geister.

Bautzen. Dass der Busbahnhof einmal an den Bahnhof umzieht, ist absolut realistisch und mittelfristig durchführbar. Davon zeigt sich der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion Roland Fleischer überzeugt. Doch die Vorstellungen seiner Genossen gehen weit darüber hinaus. Wichtig sind zudem der Bau eines Pendlerparkplatzes in unmittelbarer Nachbarschaft, Fahrradabstellmöglichkeiten, Taxi-Halteplätze sowie Toiletten, Läden, ein Fahrkartenverkauf und ein Imbiss in einem Teil des dann fertig sanierten Bahnhofsgebäudes, ließ er auf Anfrage den Oberlausitzer Kurier wissen. Für die Sozialdemokraten steht fest: „Der Rathenauplatz muss für den Busbahnhof genutzt werden.“ In diesem Zusammenhang sollten Fußgänger einen geschützten Raum vorfinden, der ihnen einen störungsfreien Übergang zwischen Bahnhof, Verwaltungsgebäude, Busbahnhof, Pendlerparkplatz und Fahrradabstellplatz gewährleistet.

Weniger euphorisch gibt sich die CDU in dieser Angelegenheit. Die Christdemokraten begrüßen zwar die Initiative, das Bahnhofsareal an sich mit neuem Leben zu erfüllen und dieses für Reisende noch attraktiver zu gestalten. Allerdings stößt in deren Reihen eine komplette Verlagerung des Busbahnhofes vom Bebel- an den nur wenige hundert Meter entfernten Rathenauplatz auf Kritik. Karsten Vogt, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion: „Für eine Verlagerung des Busbahnhofes an den Bahnhof müssten wir ein völlig intaktes und auch in einem guten Zustand befindliches Objekt abreißen. Da erhebt sich die Frage, wie wir dies mit anderen wichtigen Maßnahmen in Einklang bringen wollen. Der Stadt fehlen momentan etliche Einrichtungen, die zu errichten sind, um unsere gesetzlichen Pflichtaufgaben zu erfüllen. Dazu zählen eine weitere Kita, eine Grundschule und eine Turnhalle. Ferner steht die Sanierung der Allende-Oberschule aus und auch in der Fichte-Grundschule muss eine Ertüchtigung der Toiletten geplant werden. Neben diesen Pflichtaufgaben wird die zusätzliche Spreequerung zur weiteren Erschließung der Altstadt diskutiert. 

All diese Maßnahmen verschlingen Millionen-Beträge. Sie sind demnach so auszuarbeiten, dass sie finanzierbar bleiben.“ Angela Palm von der Linkspartei kann sich gut vorstellen, dass am Bebel-Platz irgendwann einmal Fernbusse einen Zwischenstopp einlegen. Momentan dient der Parkplatz an der Schliebenstraße der Fahrzeugflotte eines Münchener Unternehmens als Haltepunkt. Zudem spricht sich ihre Fraktion gegen eine Inanspruchnahme des Rathenauplatzes aus, sollte der Busbahnhof doch ans Bahnhofsgelände umziehen. „Der Standort muss aus unserer Sicht auf dem Platz rechts neben dem Bahnhofsgebäude bis hin zum Gelände des Penny-Marktes angeordnet sein.“

Indes hegt der stellvertretende Geschäftsführer vom Verkehrsverbund ZVON, Christoph Mehnert, Zweifel daran, dass der bisherige Busbahnhof in irgendeiner Form eingedampft wird. Er spricht eher von einer Verknüpfungsstation, die auf einer städtischen Fläche am Rathenauplatz entstehen könnte. Aufschluss soll eine Machbarkeitsstudie zu dem Nahverkehrsvorhaben in Bautzen bringen, die der ZVON eigenen Angaben zufolge bis zum Monatsende in Auftrag geben will. „Ich möchte den Untersuchungen nicht vorgreifen, kann mir jedoch nicht vorstellen, dass es in absehbarer Zeit zu einer gravierenden Veränderung der Größe des Busbahnhofes kommt. Änderungen im Bedienungskonzept Bahnhof/Busbahnhof sind vermutlich aber zu erwarten“, erklärte er. „Nach Vorlage der Ergebnisse können wir auch abschätzen, welche Kosten bei baulichen Veränderungen zu erwarten sind und welche Buslinien in Zukunft Halt am Bahnhof machen. Ziel ist auf jeden Fall, die Umstiegsbeziehungen zu verbessern.“ Klarheit darüber dürfte im nächsten Frühjahr herrschen. Bis zum März 2018 soll die Studie den Entscheidungsträgern vorliegen.

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Ungeachtet dessen hat der Verkehrsverbund für die Etablierung eines Vor-Ort-Reiseservices eigenen Angaben zufolge bereits eine etwa 140 Quadratmeter große Fläche im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes angemietet. „Wer den dann tatsächlich erbringt, muss noch entschieden werden“, fügte Christoph Mehnert hinzu. 

Die SPD zeigt sich zufrieden darüber, dass nach Jahren, in denen lediglich viel diskutiert aber das Thema nicht ernsthaft angepackt wurde, endlich Bewegung in die Causa Bautzener Bahnhof kommt. Roland Fleischer: „Vielleicht sollte man in die Überlegungen auch die mittelfristig bis langfristige Entwicklung des Güterbahnhofes einbeziehen. Darüber hinaus sollte der öffentliche Teil der Bahnhofshalle wieder belebt werden.“ Die Vorstellungen seiner Fraktion reichen dabei von einem Bistro, über einen Zeitungsladen, einen Sanitärtrakt, einen Ticket- und Infoschalter bis hin zu einem Blumengeschäft. Karsten Vogt kann sich mit solch einer Vorstellung ebenfalls anfreunden: „Die Belebung der Bahnhofshalle muss so angedacht werden, dass sie nicht allein auf die Reisenden als Kundschaft setzt, sondern Personen von außerhalb anzieht.“ Denkbar seien für ihn unter anderem gastronomische Angebote, um nicht ausschließlich Pendler anzusprechen. Die Linkspartei sieht zu alledem eine Filiale der Touristinformation am richtigen Ort.

Vorstellungen der Liberalen gehen unterdessen in eine noch ganz andere Richtung. FDP-Stadtrat Mike Hauschild hatte sich in der Vergangenheit wiederholt dafür ausgesprochen, dass die Kreismusikschule, deren Domizil in Bautzen von Schimmelbefall geprägt ist, in die Bahnhofsimmobilie einzieht. „Das ist nach wie vor eine ungelöste Aufgabe, für die wir uns einsetzen.“ Man sei offen für Gespräche mit dem Eigentümer. Bedauern herrscht allerdings darüber, dass sich „die Stadtführung seinerzeit geweigert hat, mit den Stadträten über den Erwerb des Gebäudes zu beraten und damit die Nutzung mitzubestimmen“. Das sieht Claus Gruhl von den Grünen ähnlich, ohne sich dabei einen Nebenhieb auf die Verwaltung zu verkneifen, die momentan den Verkauf einer Fläche am Burglehn forciert. „So ist das nun mal, wenn man Stadtentwicklung nicht als Aufgabe der Stadt versteht, sondern diese ausschließlich Investoren überlässt, die natürlich hauptsächlich wirtschaftliche Interessen verfolgen. Jetzt kann man gar nichts mehr besser oder anders machen.“

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Unterm Strich bleibt fraktionsübergreifend die Zuversicht, dass sich nach der Schließung des Bahnhofsgebäudes vor mehr als drei Jahren endlich etwas tut. Fakt ist: Ab 2019 will der Landkreis einen Großteil der Immobilie nutzen. Auf einer rund 4.000 Quadratmeter großen Fläche sollen einmal 250 Beschäftigte ihrer Verwaltungsarbeit nachgehen. Der mit dem Eigentümer geschlossene Vertrag hat eine Laufzeit von zunächst 15 Jahren. Im Landratsamt wird bis 2025 aufgrund der beschlossenen Liegenschaftskonzeption und bezogen auf die Betriebs- und Bewirtschaftungskosten von Einsparungen im unteren Millionenbereich ausgegangen. Alles andere wird sich schrittweise ergeben.

Roland Kaiser / 14.10.2017

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