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Unternehmer bangen um die Krone

Unternehmer bangen um die Krone

André Paulick, Steffen Hohlfeld, René Wolf und Utta Winzer (v.l.) verkörpern unterschiedlichste Altersgruppen. Im Kampf um den Erhalt der Stadthalle Krone sind sie vereint. Foto: RK

Bautzen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit und die Krone samt der 220 Pkw-Stellflächen wird an einen privaten Investor veräußert. Davon zumindest gehen die Unternehmer aus, deren Firmen seit Jahren im Stadthallengebäude eingemietet sind. Erst vor drei Wochen habe sich ein weiterer Kaufinteressent auf dem Gelände umgeschaut, weiß André Paulick. Der junge Mann arbeitet für einen Pizza-Lieferanten. Der wiederum beschäftigt in seinen Räumlichkeiten zwischen Stein- und Töpferstraße bis zu 15 Angestellte. „Wenn wir aus dem Krone-Gebäude ausziehen müssten, wird sich ein Umzug als äußerst schwierig gestalten“, schätzt André Paulick ein. Er bezweifelt, dass sich in der Spreestadt noch einmal so ein idealer Unternehmensstandort finden lässt. „Aufgrund der zahlreichen Stellflächen haben wir viel Laufkundschaft und auch das Personal braucht sich über Parkplatznot keine Gedanken zu machen.“ Dass die Gefahr inzwischen sehr reell sei, dass die Krone vielleicht schon bald eingestampft werden könnte, lasse sich nicht von der Hand weisen. Der Bautzener bezieht sich dabei auf die möglichen Konzepte interessierter Käufer. Keines dieser hatte sich bislang den Erhalt der Stadthalle zum Ziel gesetzt.

Auch Steffen Hohlfeld von der Billardgarage bedauert diese Entwicklung. Der MSV-Trainer, der im Krone-Gebäude Übungsstunden für alle Altersklassen und Menschen unterschiedlicher Herkunft abhält, wünscht sich, dass ein zentraler Anlaufpunkt wie dieser im Zentrum der Spreestadt nicht den Abrissbaggern geopfert wird. „Das Rathaus kann das verhindern, indem es sich nicht länger gegen einen Kauf sperrt“, ist er der Ansicht. Und weiter: „Wir wollen unsere Lokale behalten und hier am Standort ausbauen.“ Selbst die Billardgarage hätte das Nachsehen im Fall eines Krone-Abrisses. Seit 22 Jahren ist sie – egal ob Profi oder blutiger Anfänger – Anlaufpunkt für Billardfreunde, Snooker-Fans, Bowler, Darts-Spieler und Vereinssportler inklusive Meisterschaften. „Solch eine Möglichkeit anderswo in Bautzen zu finden, würde mittlerweile einem Ding der Unmöglichkeit gleichkommen, da es einfach an den entsprechenden Räumlichkeiten fehlt.“

Warum bislang niemand auf die Belange der Unternehmer einging, können Steffen Hohlfeld und André Paulick nicht nachvollziehen. Auch, dass sich die Stadtspitze so schwer tut mit dem Gebäudekomplex zwischen Stein- und Töpferstraße, vermag keiner von ihnen so recht begreifen. Immerhin: Eine Betriebserlaubnis für das Veranstaltungshaus nebst Gewerbeflächen liegt nachweislich vor. Und mehr noch: Ein Gutachten kommt zu der Einschätzung, dass dies in 20 Jahren noch immer der Fall sein wird. Zudem gehen Experten nicht davon aus, dass es sich bei der Krone um ein einsturzgefährdetes Bauwerk handelt. Das wurde Stadtrat Mike Hauschild während der jüngsten Sitzung des Bauausschusses eigenen Angaben zufolge auch noch einmal bestätigt. Er zitierte Gerald Schneider von der Abteilung Bauaufsicht des städtischen Bauverwaltungsamtes mit den Worten: „Der bauliche Zustand ist gut, da passiert nichts.“

Diese Einschätzung des Fachmannes sowie der Einsatz von Steffen Hohlfeld und André Paulick geben einer Bürgerinitiative (BI), die seit einiger Zeit kräftig Unterschriften dafür sammelt, dass die Krone in kommunale Hand wechselt, Rückendeckung. „In dem einzigen Saal im Herzen von Bautzen lässt sich lebendige Kultur etablieren“, meint BI-Sprecherin Utta Winzer. Allen, die an einem Erfolg zweifeln, hält sie entgegen: „Wir Bautzener und die Bürger der umliegenden Gemeinden wollen keinen Luxus, wir setzen auf machbare und niveauvolle Veranstaltungen für alle Altersgruppen in unserer Stadthalle.“ Außerdem ist die BI der Auffassung, dass Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung in Höhe von mehr als 200.000 Euro im Jahr die Krone nicht zu der defizitären Halle werden lassen, wie es gern Kritiker den Bautzenern weismachen möchten.

Stadtrat entscheidet über Kaufverhandlungen

Der Noch-Eigentümer verlangte zuletzt für das 9.000 Quadratmeter große Krone-Areal rund 2,2 Millionen Euro. Die Bürgerinitiative brachte in diesem Zusammenhang frühzeitig die Idee ins Spiel, eine Förderung aus frei gewordenen SED-Millionen zu beantragen. Eigenen Angaben zufolge prüft die Verwaltung momentan eine entsprechende Vorgehensweise – jedoch in Verbindung mit der angedachten neuen Spreequerung.

Ungeachtet dessen wird sich, wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt, der Stadtrat in seiner Sitzung am 25. April abermals mit einem fraktionsübergreifenden Antrag zur Krone befassen. Diesen hatten vor geraumer Zeit CDU, Bürgerbündnis Bautzen, FDP und Grünen-Alleinkämpfer Claus Gruhl eingebracht. Am Dienstag machte der Finanzausschuss mit knapper Mehrheit und gegen den Willen von Finanzbürgermeister Dr. Robert Böhmer den Weg für eine Beschlussfassung frei. Sollte das Papier eine Mehrheit finden, wird die kommunale Wohnungsbaugesellschaft BWB dazu aufgefordert, unverzüglich Kaufverhandlungen mit der Berliner Onnasch-Gruppe aufzunehmen. Zudem soll den Bürgervertretern eine Kaufsumme präsentiert werden, die der Verkäufer letztendlich auch akzeptiert. Und: Die Verwaltung müsste von da an die rechtlichen Voraussetzungen für einen Erwerb der Stadthalle samt Parkplatz schaffen. Oberbürgermeister Alexander Ahrens kündigte bereits vor Wochen an, dass er dagegen sein Veto einlegen werde. Auf welche rechtliche Grundlage er dieses stellt, bleibt abzuwarten. Die Fürsprecher der Krone können zumindest einen Verstoß gegen die Sächsische Gemeindeordnung nicht erkennen. Am Ende befindet die Kommunal- und Rechtsaufsicht des Landkreises darüber, ob der Einspruch des Stadtoberhauptes rechtens ist oder nicht. Die anstehenden Verhandlungen mit dem Eigentümer würden sich auf diese Weise weiter hinauszögern.

Unterdessen appellierte FDP-Mann Mike Hauschild noch einmal an alle Unschlüssigen in den Reihen des Stadtrates: „Wir brauchen die Krone für eine Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen und es gibt keine vergleichbaren Objekte im gesamten Umkreis. Wir brauchen die Parkplätze für die Bürger und Gäste Bautzens, und wir müssen die Entwicklung unserer Stadt selbst beeinflussen können, indem wir eigene Grundstücke haben. Wir denken in Jahrzehnten und nicht ob in zwölf Monaten die Investition Gewinn abwirft.“

Vorausschauend nahm CDU-Fraktionschef Karsten Vogt Kontakt mit der Sächsischen Aufbaubank auf. Von dort hieß es, dass die Kommune zunächst prüfen müsse, inwieweit das Krone-Areal zur Förderkulisse zählt. Für die Verwaltung bedeutet das zusätzliche Arbeit. Sollte eine Finanzspritze tatsächlich fließen, käme diese allein für eine Rekonstruktion der Krone-Immobilie in Frage. Ein Neubau an dieser Stelle scheide aus.

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Krone-Kauf steht auf des Messers Schneide

„Wir Stadträte müssen letztendlich eine sinnvolle Entscheidung treffen und wir dürfen die Stadt vor dem Hintergrund weiterer geplanter Baumaßnahmen nicht überfordern“, schränkte Karsten Vogt ein. Dennoch stehe er nach wie vor zu dem Inhalt des Beschlussantrages. Der CDU-Politiker rechnet am 25. April mit einer knappen Entscheidung pro Krone.

Claus Gruhl steht, wie er betont, dem Kauf des Areals, auf dem sich die Krone befindet, grundsätzlich positiv gegenüber. „Für mich geht es in erster Linie darum, das letzte innerstädtische Filetstück für die Kommune, für die weitere Stadtentwicklung zu sichern. Wenn sich die Möglichkeit zu einem vertretbaren Preis ergibt, sollte die Stadt sie nutzen.“ Gleichzeitig plädiert der Grünen-Politiker dafür, etwas auf die Bremse zu treten. „Insgesamt bin ich nicht mehr davon überzeugt, hier Eile an den Tag zu legen, da ich nicht glaube, dass ein konkreter Käufer für den aufgerufenen Preis auf der Matte steht.“

„Ich persönlich werde, wenn er sich nicht umfassend ändert, vor allem was einen konkreten Kaufpreis und einen Nutzungszweck angeht, gegen den Antrag stimmen“, erklärte Steffen Grundmann von der Linkspartei. Seinen Fraktionskollegen legte er nahe, das Gleiche zu tun. „Ein Weiterbetrieb der Krone ist wirtschaftlich nicht möglich. Es wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass wöchentlich eine Großveranstaltung nötig wäre, um kostendeckend arbeiten zu können. Es ist nicht Aufgabe der Stadt, sehenden Auges ein defizitäres Objekt zu erwerben, vor allem auf die Gefahr hin, dass wir dafür zukünftig andere Freiwilligkeitsleistungen streichen müssten. Dies ist für uns ein absolutes No-Go!“ Bautzen als Kreisstadt und Zentrum Ostsachsens habe zwar eine Veranstaltungshalle verdient, in dem Fall jedoch eine, die den heutigen Anforderungen an Größe, Ausstattung, Technik und Lage entspricht. Dies sei in keinem Punkt bei der Krone gegeben.

Die vierköpfige SPD-Stadtratsfraktion sieht das ähnlich. Auch sie lehnt laut ihrem Vorsitzenden Roland Fleischer einen Erwerb der Fläche zwischen Stein- und Töpferstraße geschlossen ab. „Der Kauf des Krone-Areals ist keine dringende Maßnahme der Daseinsfürsorge. Die Stadthalle ist marode, zu klein, betriebswirtschaftlich nicht annähernd zu führen und kostet zur Wiederinbetriebnahme laut Gutachter zwischen fünf und sechs Millionen Euro – ohne Kaufpreis. Ein Erwerb bedeutet einen Nachtragshaushalt, der durchaus rechtswidrig sein könnte, da die Dringlichkeit fehlt. Zudem gibt es kein vorliegendes Konzept der Antragsteller.“

An diesem feilen allerdings schon Utta Winzer und ihre Mitstreiter, deren Zahl von Tag zu Tag zunimmt – und das quer durch alle Altersschichten. Im Ringen um „ihre“ Krone ergreifen die Vertreter der Bürgerinitiative jede Chance, um auf das Schicksal der Bautzener Stadthalle aufmerksam zu machen. So auch am Freitag vergangener Woche in Niesky. Dort warben sie während des Sachsengespräches in Anwesenheit von Ministerpräsident Michael Kretschmer und seiner Ministerriege um Unterstützung. Parallel dazu sammeln die Spreestädter weiter fleißig Unterschriften. Auf diese Weise wird sich zeigen, welchen Rückhalt das nunmehr geschlossene Veranstaltungshaus tatsächlich in der Bevölkerung genießt. Eine entsprechende Petition lässt sich im Internet aufrufen. Fragen dazu beantwortet die BI per E-Mail unter rettung.der.krone.bautzen@gmx.de.

Roland Kaiser / 14.04.2018

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