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Verlassenes Haus wird zum Leben erweckt

Verlassenes Haus wird zum Leben erweckt

Arbeitsatmosphäre: Studenten der Görlitzer Hochschule kümmern sich um „Zukunftsvisionen 2017“. Foto: privat

Die Vorbereitungen laufen seit mehreren Monaten. Doch nun steht der Beginn des Festivals für zeitgenössische Kunst kurz bevor. Studenten wollen das marode Häuserensemble in der Steinstraße 2 bis 5 für ein paar Tage ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Ihr Motto: „Visionen ohne Aktionen bleiben Illusionen“.

Görlitz. Die Suche war nicht leicht, doch das Ergebnis erfüllt die jungen Leute mit Zufriedenheit: Mit dem Gebäudekomplex Steinstraße 2 bis 5 hat das Studententeam der Hochschule Zittau/Görlitz offenbar den richtigen Ort gefunden, an dem die „Zukunftsvisionen 2017“ präsentiert werden können. Sie wollen ein verlassenes Haus wieder zum Leben erwecken – und wenn es nur für ein paar Tage ist.


Carolin Renner, Sophia Haug und Franziska Brandts, die mit der Öffentlichkeitsarbeit des Projektes betraut sind, finden, dass ihr Motto „illusionen.verfallen“ gut zu dem Gebäude passt. „Es ist vom Leerstand der vergangenen Jahre gezeichnet, besitzt aber trotzdem ein gewisses Flair, einen ganz besonderen Charme.“ Gleich nach dem Eintreten treffe man auf eine große Treppe, die vom Glanz vergangener Zeiten zeugt. „Das macht es für den heutigen Besucher gut vorstellbar, wie es früher hier zugegangen sein mag.“

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Immerhin haben die Studenten aus der Geschichte einiges Interessante zu Tage gebracht: Der aus mehreren Gebäuden bestehende Komplex wurde von dem 1868 gegründeten jüdischen Konfektionshaus Totschek genutzt. Hier gingen Textilien aller Art über den Ladentisch. „Eigentlich viel zu schade, um es weiter verfallen zu lassen“, finden die Studenten. 1936 mussten die jüdischen Geschäftsleute wegen der damals herrschenden politischen Situation schließen, aber auch danach kam das Objekt nie wieder richtig auf die Beine. „Wir möchten die Menschen in Görlitz dazu aufrufen, sich öfter den eigenen Illusionen und Träumen hinzugeben um daraus dann Ideen und Zuversicht für künftige Projekte zu schöpfen.“ Um das Geschehen im einstigen Kaufhaus oder in den Nachfolgegeschäften erlebbar zu machen, werden Zeitzeugen gesucht, die als Verkäufer hier gearbeitet haben oder das Objekt als Kunden oder Nachbarn besuchten bzw. kennen.

Vom 20. bis 27. Mai wird es in der Steinstraße 2 bis 5 das besagte „Festival für zeitgenössische Kunst“ geben – inzwischen das elfte seiner Art. Mit ihm will man dem herunter gekommenen Gemäuer versuchen, neues Leben einzuhauchen. Werke von mehr als 20 nationalen und internationalen Künstlern werden zu bestaunen sein. Installations-, Medien- und Videokunst ebenso wie Gemälde, Skulpturen und Performances. Spannend war es in den vergangenen Wochen, den Entstehungsprozess der Ausstellung zu begleiten, wo welches Objekt platziert werden kann, wo Absperrungen gestellt werden müssen, wo Wände unter Umständen zu verstärken sind, um Kunstwerke daran aufzuhängen.


Darüber hinaus gibt es Workshops – unter anderem Impro-Theater, Bodypainting, dazu Live-Auftritte und Abendveranstaltungen. Der genaue Plan ist im Internet auf www.zuvi-festival.de zu finden.
Ihre Motivation, an dem Projekt mitzuwirken, schöpfen die Studenten aus verschiedenen Dingen: „Es ist nicht nur eine Floskel – aber wir wollen Görlitz mitgestalten. Nicht nur, weil wir jetzt hier ein paar Jahre leben. Sondern weil wir diese Stadt näher kennenlernen wollen. Und weil es eine tolle Erfahrung ist, in die Geschichte einzutauchen und Neues, Kreatives aus dieser Begegnung entstehen zu lassen“, so Carolin Renner, Sophia Haug und Franziska Brandts vom Öffentlichkeitsteam der „Zukunftsvisionen 2017“.

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Die Einwohner der Neißestadt laden sie dazu ein, sich in der Festivalwoche selbst ein Bild von diesem Stück Stadtgeschichte und den hier stattfindenden Kulturangeboten zu machen.

Frank-Uwe Michel / 02.05.2017

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