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Zu Besuch bei den Nachfahren der Babylonier

Zu Besuch bei den Nachfahren der Babylonier

Restaurator und Grafiker Peter Domschke vor der an der Taubenheimer Trauerhalle angebrachten Ecksonnenuhr.

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In der Sonnenuhrenstube wird an Martin Hölzel erinnert, der Taubenheim den Ruf als Sonnenuhrendorf verschaffte. Fotos: RK

Sohland/Spree. Das gibt es hier zu Lande kein zweites Mal: Im Ortsteil Taubenheim schwören immer mehr Hausbesitzer auf Sonnenuhren. Inzwischen lassen sich an den Gebäudefassaden bereits 39 Zeitmesser entdecken – Tendenz steigend. Seit Kurzem ist auch an der Trauerhalle wieder eine Sonnenuhr zu finden. Das macht Jürgen Walter besonders stolz, weil dies bundesweit einzigartig sei. 
Der Wahl-Lausitzer führt seit einigen Jahren mitunter ganze Reisegruppen durchs Dorf und erklärt den interessierten Besuchern, was es mit der Geschichte auf sich hat. Mittlerweile hat der Dorfclub, dem er angehört, auch eine Sonnenuhrenstube im ehemaligen Gemeindeamt eingerichtet. Aufgrund des geplanten Umbaus des Hauses, der voraussichtlich gegen Ende dieses Jahres starten soll, ist das Unterfangen zwar nur von kurzer Dauer. Doch wenn erst einmal die Sanierungsmaßnahme abgeschlossen ist, bekommen die Ausstellungsstücke an angestammter Stelle wieder einen Platz. So viel steht bereits fest. „Wir haben hier Martin Hölzel, dem Vater unserer Sonnenuhren, ein Denkmal gesetzt“, erzählt Jürgen Walter. „Einst hatte ihn ein Kamerateam der DEFA, das entlang der Spree eine Dokumentation drehen wollte, dazu angespitzt, zwei aus dem 18. Jahrhundert stammende Zeitmesser zu restaurieren.“ Was daraus geworden ist, lässt sich in Taubenheim inzwischen nicht mehr übersehen. 
„Die Sonnenuhren sind exakt berechnet“, weiß der Grafiker Peter Domschke. Nach Hölzels Tod im Jahre 1994 trat er dessen Erbe an. Auch die so genannte Eckuhr an der Trauerhalle bildete er aufwendig nach. Einzig der Rahmen erinnert noch an das Original, für das Martin Hölzel zu seiner Zeit wie ein Löwe kämpfte. Seine künstlerischen Argumente – die Sanduhr als Symbol für dahinrinnendes Leben und die trauernde Witwe – überzeugten letztendlich auch den damaligen Bürgermeister und Dorfpfarrer. Das war Ende der 80er Jahre. Seit 2017 befand sich der Zeitmesser in den Fittichen von Peter Domschke. „Für einen Teil des Schriftzuges habe ich hochwertiges Blattgold verwendet“, erklärt der Fachmann. „Zur Anwendung kamen zudem Hochleistungsfolien, die dem Kunstwerk einen entsprechenden Schutz geben. Auf diese Weise wird dem Betrachter der Eindruck vermittelt, dass bei der Gestaltung der Uhr Pinsel und Farbe zum Einsatz gelangten. Die Restaurierung dauerte entsprechend lange.“
Unterdessen geht Jürgen Walter davon aus, dass der originale Vorgänger dieser Sonnenuhr, die aufgrund ihres Standortes die Zeit vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang anzeigen kann, auch irgendwann einmal einen Platz in dem kleinen Museum des Dorfclubs finden wird. Dort steht sie dann dicht an dicht mit den beiden ältesten in Taubenheim montierten Sonnenuhren. 
Inmitten des digitalen Zeitalters wird im Sonnenuhrendorf ein Relikt aus der Vergangenheit wieder salonfähig gemacht und damit ein wertvolles Kulturgut, das schon vor etwa 5.000 Jahren ein fester Bestandteil der Menschen in Fernost und später bei den Babyloniern war. 
An einer Sonnenuhr lässt sich die wahre Sonnenzeit eines Ortes ablesen. Der Schattenstab (Gnomon) muss dabei parallel zur Erdachse ausgerichtet sein. Es gibt Äquatorial-, Horizontal-, Vertikal- und Polarsonnenuhren. 
Eine Mixtur aus zwei dieser Varianten lässt sich in Taubenheim in Form der Eckuhr an der Trauerhalle wiederfinden. Das macht diesen Zeitmesser zu etwas ganz Besonderem. 
Übrigens: Führungen durchs Sonnenuhrendorf lassen sich telefonisch unter (035936) 398 21 vereinbaren beziehungsweise per E-Mail unter walter.sonnenuhrendorf@gmx.de.

Roland Kaiser / 16.04.2018

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