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Zwei Leichen und ganz viel Lokalkolorit

Zwei Leichen und ganz viel Lokalkolorit

Ivonne Hübner hat einen historischen Kriminalroman geschrieben, an dem auch ihre Schüler im Nieskyer Gymnasium Freude haben. | Foto: um

Unter dem Rad einer Mühle am Löbauer Wasser werden kurz nacheinander zwei Frauenleichen geborgen. Welches düstere Geheimnis verbindet die beiden toten Mägde Henriette und Gertrude? Wer war ihr Mörder, oder haben sie selbst Hand an sich gelegt? Antworten gibt die Horkaer Autorin und Gymnasiallehrerin Ivonne Hübner in ihrem neuen Roman „Die Lausitzer Musen.“

Horka/Niesky. „Ich hoffe, die haben sich jetzt alle schön verdächtig gemacht.“ Ivonne Hübner freut sich über das Heimspiel, das ihr die Stadtbibliothek Niesky an diesem Abend in ihren Räumen bereitet. „Viele bekannte Gesichter hier“, hat sie zu Beginn der Lesung festgestellt.
Darunter befinden sich auch einige ihrer Schüler aus dem Nieskyer Schleiermacher-Gymnasium, die es sich in der ersten Reihe bequem gemacht haben, um ihrer Deutschlehrerin zu lauschen. Sie erhalten eine Extra-Lektion darüber, wie unterhaltsam und spannend deutsche Literatur sein kann.

Denn: Unterhaltsam und spannend  sind die Lausitzer Musen allemal. Ein „klassischer Krimi, gestrickt nach Schema F“, wie die Autorin selbst einschätzt. Und das bedeutet: Zunächst natürlich zwei Leichen, möglichst effektvoll drapiert. Eine ganze Anzahl von Figuren, von denen jede einzelne der Täter sein kann und die mit viel Geschick in die Geschichte eingeführt werden. So beispielsweise der feinsinnige Graf Adrian von Gersdorff, dem Gertrude bei seinen Malversuchen Modell stand. Oder der grobschlächtige Müllergeselle Michel, der seinen Kollegen gern fiese Streiche spielt? Der wandernde Geselle Jakub, der möglichst schnell wieder in seine böhmische Heimat zurück will, der Arzt Cornelius Waldeck und die überlebende Magd Mathilde bemühen sich zwar um die Aufklärung des Falls, doch wer weiß?

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Eine Mühle bildet den Hauptschauplatz des historischen Romans – davon gab es einst viele am Löbauer Wasser. | Foto: Archiv

Neben den handelnden Figuren gibt es noch einen weiteren Hauptdarsteller in Ivonne Hübners Kriminalroman. Es ist die Landschaft rings um die tief eingegrabene Skala des Löbauer Wassers, über der weiß und mächtig das herrschaftliche Schloss thront. „Ich finde es schön, wenn die Leser rätseln, um welches Dorf es sich handelt, und am Ende fast jeder auf die richtige Antwort kommt“, erklärt Ivonne Hübner schmunzelnd. So soll die Auflösung auch hier nicht verraten werden. Nur so viel: Dorf, Kirche, Schloss und Skala bilden auch heute noch eine viel bewunderte Einheit. Nur das Wirtshaus sucht man heutzutage vergeblich.

Auch die Mühle ist – anders als viele ihrer Pendants am Löbauer Wasser – nicht mehr erhalten. Das Lokalkolorit hat auch bei Ivonne Hübners vorherigen Romanen schon eine wichtige Rolle gespielt. So in „Teufelsfarbe“, wo es um einen historisch belegten Vorfall aus dem Jahre 1510 in ihrem Heimatdorf Horka geht, der im Zusammenhang mit der berühmten Färbepflanze Waid steht. Oder in „Die Tuchhändlerin“, wo die Tochter eines Damasthändlers in das knallharte Männergeschäft einsteigt. „Meine früheren Bücher sind historische Romane, eng an wahre Begebenheiten angelehnt“, erklärt Ivonne Hübner.

In den „Musen“ hingegen hat sie ihrer Fantasie etwas freieren Lauf gelassen, ohne jedoch zu „spinnen“: „Für die detaillierten Beschreibungen, beispielsweise über die Arbeiten in einer Mühle, habe ich viel in Archiven recherchiert. Das Internet ist für solche Themen eher keine so große Hilfe“, wie die Autorin bekennt. Erstaunlich, dass sie das mehr als 400-seitige Werk in knapp drei Wochen geschrieben hat. „Die Nachbearbeitung hat aber ewig gedauert“, seufzt sie. Ihr Mann habe ihr geholfen, die Logik aufrecht zu erhalten, „denn das ist nicht so meine Stärke. Sonst wäre ich schließlich Mathelehrerin geworden“, sagt Ivonne Hübner, und ihre Schüler in der ersten Reihe grinsen ...   

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Uwe Menschner / 03.07.2016

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