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Zwei Oberlausitzer bei der Orient-Rallye

Zwei Oberlausitzer bei der Orient-Rallye

In Kürze starten die beiden Oberlausitzer Elisa Lorenz und Stephan Model in ihr nächstes Abenteuer: Anfang Mai machen sie bei der Allgäu-Orient-Rallye mit. Foto: privat

Abenteuer sind auch in der heutigen Zeit noch möglich. Das beweisen zwei Oberlausitzer, die Anfang Mai drei Wochen lang an der diesjährigen Allgäu-Orient-Rallye teilnehmen. Zusammen mit vier Freunden vom Team „BorderCross“ begeben sich Elisa Lorenz aus Bernstadt und Stephan Model aus Rennersdorf auf große Fahrt über den Balkan, die Türkei, Israel nach Jordanien. Redakteur Frank-Uwe Michel sprach mit ihnen.

Von Deutschland aus in den Orient – eine aktuell nicht ganz so ruhige Region. Wie ist euer Team „BorderCross“ entstanden und wie seid ihr überhaupt aus Bernstadt und Rennersdorf dazu gestoßen?

Stephan Model: Die Idee zur Teilnahme an der Allgäu-Orient-Rallye entstand eigentlich relativ spontan. Sascha, unser Teamleader, ist ein Arbeitskollege von mir und war der Drahtzieher der ganzen Aktion. Der Rest des Teams setzt sich aus Familie, Lebenspartnern oder Freunden zusammen. Und während eines gemeinsamen Brainstormings entstand dann der Name Team „BorderCross“.

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Was ist die Allgäu-Orient-Rallye? Und mit welchem Ziel wird sie durchgeführt?

Elisa Lorenz: Die Allgäu-Orient-Rallye (www.allgaeu-orient.de) ist eine Rallye für Jedermann, mit dem Ziel innerhalb von drei Wochen von Oberstaufen nach Amman in Jordanien zu fahren. Dabei gilt es gewisse Aufgaben zu erfüllen, die allesamt einen sozialen Hintergrund haben. Ein paar Regeln müssen wir auch einhalten, die die ganze Tour aber gleichzeitig noch spannender machen. Unter anderem dürfen die Fahrzeuge nicht jünger als 20 Jahre sein und falls doch, darf der Wert 1.111,11 Euro nicht übersteigen. Navis werden aus den Autos verbannt – das ist Ehrensache! Und übernachtet wird unterwegs im Auto oder im Zelt. Falls sich doch jemand nach einem Hotelbett sehnt, darf es nicht mehr als 11,11 Euro pro Nacht kosten. Die Fahrzeuge werden außerdem am Zielort gespendet.

Muss man ein „Fahrzeugnarr“ sein, um teilzunehmen? Oder ist der soziale Background der entscheidende Aspekt?

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Elisa Lorenz: Nein, man muss kein Fahrzeugnarr sein. Einzig eine gute Portion Abenteuerlust und Durchhaltevermögen sind Voraussetzungen für die Tour. Schließlich fährt man stundenlang durch teilweise entlegene Gegenden, übernachtet im Freien und kommt sicherlich auch mal an seine persönlichen Grenzen. Der soziale Hintergrund ist ein wichtiger Aspekt, das finden wir auch besonders spannend. Wir freuen uns schon sehr darauf, Einrichtungen und Organisationen mit unseren Sachspenden zu unterstützen und auch mal direkt vor Ort etwas bewirken zu können.

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Treuer Begleiter auf vielen Reisen: der Bulli. Bei der Allgäu-Orient-Rallye muss er zu Hause bleiben. Stephan und Elisa nutzen einen anderen fahrbaren Untersatz. Foto: privat

Seid ihr die geborenen Abenteurer oder war euch die Heimat in der Oberlausitz auf Dauer zu „eng“?

Stephan Model: Ich glaube, ein bisschen von beidem. Wir lieben das Abenteuer und sind immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Berufsbedingt mussten wir die Oberlausitz leider vor ein paar Jahren verlassen, für Kurztrips kommen wir aber immer wieder gerne zurück. Es gibt einfach so viele wunderbare Ecken auf unserer Welt und das Fernweh wird mit jeder Reise größer. Dabei zieht es uns hauptsächlich in die entlegeneren Gegenden. Die Natur hat es uns angetan und wir genießen während unserer Reisen die Zeit draußen. Egal ob wir schnell mal für eine Wanderung in die Alpen fahren oder wochenlang durch den Norden Norwegens.

Wie lange dauert dieses „Nomaden-Dasein“ denn schon?

Stephan Model: Wir reisen bereits seit Jahren durch die Welt, immer individuell. Ob durch die Weiten des Outbacks in Australien, durch die Wälder Sri Lankas, entlang der Küste in Frankreich oder im Hinterland Montenegros. Angefangen hat alles vor mehreren Jahren mit einem Roadtrip durch Australien, seitdem sind wir süchtig nach Abenteuern. Mittlerweile konnten wir schon einige Wunschziele bereisen, aber die Liste ist noch lang.

Sucht ihr euch gezielt solche Herausforderungen?

Elisa Lorenz: Eigentlich ja. Einen klassischen Pauschalurlaub können wir uns gar nicht vorstellen. Da wir die meiste Zeit mit unserem Camper unterwegs sind, kommen wir immer wieder in den Genuss eines Gefühls von Freiheit, das man schwer beschreiben kann. Falls wir für manche Ziele in weiter Ferne unseren „Bulli“ zu Hause lassen müssen, packen wir auch mal unsere Rucksäcke und mutieren wieder zu Backpackern.

Stephan, du kannst – wenn man dem Eintrag auf eurer Internetseite glauben darf – von allem etwas, aber nichts richtig. Ist man mit diesen Fähigkeiten der ideale Abenteurer?

Stephan Model: Mit diesen Fähigkeiten bleibt es zumindest immer spannend. Wir haben auf unseren Reisen gelernt, dass es gut ist, einen breit gefächerten Erfahrungsschatz zu besitzen. Dabei muss man nicht alles perfekt beherrschen können, aber man sollte ein bisschen Ahnung haben, wovon man gerade spricht. Und natürlich ist die Aussage auch mit einem kleinen Augenzwinkern zu betrachten.

Elisa ist am liebsten mit einer Matratze im Kofferraum und dem Rucksack auf der Rücksitzbank auf den Straßen dieser Welt unterwegs. Warum eigentlich?

Elisa Lorenz: Ich bin in unserem Team diejenige mit der größten Wanderlust. Sobald es Zeit und Geld zulassen, bin ich in der ganzen Welt unterwegs. Und mittlerweile habe ich auf jeden Kontinent unserer Erde einmal meinen Fuß gesetzt. Die wahrscheinlich spannendsten Reisen habe ich in den letzten Jahren während eines Solo-Roadtrips in den Norden Norwegens erlebt, in der Antarktis auf einem Expeditionsschiff, mit dem Rucksack durch Mexiko und beim Surfen in Marokko. Mit dabei ist natürlich immer meine Kamera und das Notizbuch. Meine Geschichten von unterwegs gibt’s auf meinem Blog (www.takeanadvanture. com).

Kommen wir noch einmal zur Allgäu-Orient-Rallye. Spaß und Völkerverständigung stehen hier im Vordergrund. Kommt das euren eigenen Vorstellungen entgegen?

Stephan Model: Das ist für uns ein spannender Aspekt. Es ist immer interessant mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen und Gespräche mit Händen und Füßen zu führen. Man lernt dabei viel über sich selbst. Wir möchten gerne mehr über die Kulturen in den Ländern erfahren, sind doch die eigenen Vorstellungen oft mit Vorurteilen behaftet. Wir hatten auch immer die Absicht, Menschen zu unterstützen, denen es nicht so gut geht, wie uns selbst. Doch wo fängt man da an? Die Rallye bietet uns die Möglichkeit, direkt an Ort und Stelle zu helfen. Natürlich ist die Rallye auch ein Wettbewerb, aber wir möchten bei der Tour nicht mit Stress und total verkrampft an den Start gehen. Wir wollen Spaß haben und unseren eigenen Horizont erweitern. Falls wir doch gewinnen sollten, freuen wir uns natürlich. Falls nicht, ist das auch nicht schlimm. Auf jeden Fall wird es eine der schönsten Reisen der letzten Jahre. Da sind wir uns schon sicher.

Wie seid ihr als Team „BorderCross“ zu euren drei Fahrzeugen gekommen?

Stephan Model: Bisher sind wir leider noch auf der Suche nach dem dritten Fahrzeug. Der Peugeot Boxer war bereits vor der Anmeldung zur Rallye im Besitz von Sascha und Tanja. Das Feuerwehrauto wurde kurz danach von unseren beiden Carstens gekauft. Und wir zwei haben noch nicht das richtige Gefährt gefunden.

Wie bereitet ihr euch auf die Rallye vor?

Elisa Lorenz: Gleich nach der Anmeldung haben wir eine Homepage (www.teambordercross.de) und eine Facebook-Seite (www.facebook. com/ Team.BorderCross) erstellt, um potenziellen Sponsoren eine Plattform zu bieten und alle Leser und Follower über den aktuellen Stand auf dem Laufenden zu halten. Wir haben unser Logo entworfen und es auf T-Shirts, Pullover und Visitenkarten drucken lassen. Jetzt basteln wir gerade unabhängig voneinander an den Autos rum, schließlich müssen sie fit für die Rallye gemacht werden. Zurzeit suchen wir noch nach weiteren Sponsoren und überlegen uns gerade die genaue Route. Denn die ist – bis auf ein paar Fixpunkte – frei wählbar. Danach müssen wir uns noch um die ganze Ausstattung kümmern, schließlich sind wir ziemlich autark unterwegs.

Wie können euch Sponsoren unterstützen?

Stephan Model: Wir freuen uns über Sach- oder Geldspenden für die Tour. Sachspenden benötigen wir für diverse Einrichtungen, die wir gerne unterstützen möchten. Da wären zum Beispiel Spielzeuge, Klamotten und Schreibzeug für Kinder oder Rollatoren und Rollstühle für Alten- und Behinderteneinrichtungen das Richtige.
Außerdem freuen wir uns über Hinweise für unterstützenswerte Projekte.
Falls also jemand eine Idee oder sogar einen Kontakt zu einer Einrichtung zwischen Oberstaufen und Jordanien hat, dann kann man uns jederzeit schreiben.

Wie eng ist der Kontakt noch in die Oberlausitz? Wissen die Leute hier, was ihr für Abenteurer seid?

Elisa Lorenz: Unser Kontakt in die Heimat ist noch sehr eng. Familie und Freunde besuchen wir regelmäßig, wir haben sie nie aus den Augen verloren.

Auch wenn sich unser Lebensmittelpunkt in den Süden verschoben hat, im Herzen bleibt unsere Heimat die Oberlausitz. Zu Hause kennt man unsere Reiselust und es wird auch oft nachgefragt, wohin es denn als nächstes für uns geht. Wir wissen, dass unsere Tour in den Orient von allen gespannt mitverfolgt wird.

Frank-Uwe Michel / 07.03.2017

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