Aus der Oberlausitz in die weite Welt

Jenny in Hinterzarten im Schwarzwald bei den Deutschen Meisterschaften im Skispringen und in der Nordischen Kombination. Foto: privat
Cunewalde/Klingenthal. Wenn Jenny Nowak heute an ihre Kindheit zurückdenkt, muss sie lachen. „Ich war als Kind einfach ununterbrochen draußen und bin nur herumgerannt“, erzählt die 24-Jährige aus Cunewalde gut gelaunt. Dass aus dem quirligen Mädchen aus der Oberlausitz einmal eine echte Vorreiterin des deutschen Wintersports werden würde, ahnte damals noch niemand.
Alles begann mit sechs Jahren beim Skiklub Sohland. Erst versuchte sie sich im Skilanglauf, doch schon bald kam die entscheidende Frage, ob sie nicht mal das Skispringen ausprobieren möchte. Jenny wollte – und das Fliegen durch die Luft machte ihr sofort riesigen Spaß.
Schon früh sammelte sie bei regionalen Nachwuchs-Wettkämpfen wie dem Sachsenpokal oder dem Oberlandpokal erste Medaillen. Mit gerade einmal 13 Jahren folgte im Jahr 2015 der große Schritt an den Sportcampus nach Klingenthal. Erst lag ihr Fokus ganz auf dem reinen Skispringen, doch bald zog es sie zur Nordischen Kombination – einer Mischung aus Skispringen und dem Ausdauerlauf auf Skiern. In den Wintern 2016 und 2017 bedeutete das für Jenny allerdings, dass sie direkt in der Trainingsgruppe der Jungs landete. Eine eigene Gruppe für Mädchen gab es in dieser Sportart damals einfach noch nicht. Sie biss sich durch, sammelte im Schülercup deutschlandweit Erfahrungen und reiste für Wettbewerbe bis in den Alpenraum.
Der unermüdliche Fleiß zahlte sich aus, als die offizielle Förderung für Frauen endlich anlief. Jenny feierte Erfolge: Im Jahr 2020 wurde sie Junioren-Weltmeisterin und krönte sich kurz darauf in Oberstdorf zur ersten deutschen Meisterin in der Nordischen Kombination. Auch auf internationaler Bühne lief es rund, wo sie mit dem Team bereits glänzendes WM-Silber einfahren konnte. Doch die Sportwelt hält nicht nur Höhen bereit. Im Juli 2026 beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC), die Nordische Kombination der Frauen ab den Winterspielen 2030 in den französischen Alpen komplett zu streichen. Für Jenny ist das ein herber Schlag. Es sei unglaublich schade, sagt sie enttäuscht, schließlich hängen an so einer Entscheidung auch immer wichtige finanzielle Förderungen für den gesamten Nachwuchs.
Als vollberufliche Leistungssportlerin trainiert Jenny zweimal täglich am Bundesstützpunkt in Klingenthal. Finanziert wird ihr großer Traum über die Sportfördergruppe der Bundeswehr, die sie als Sportsoldatin absichert. „Wir sind ja quasi die Aushängeschilder für die Bundeswehr“, erklärt sie stolz. Die nötigen Lehrgänge und die Grundausbildung absolviert sie meist im Frühjahr. Das Praktische daran: Ihre Grundausbildung dauerte für sie als Profisportlerin nur vier Wochen statt der üblichen drei Monate. Den Rest des Jahres genießt sie das Privileg, einfach Sport treiben zu dürfen, was sie sehr zu schätzen weiß. Ihr großes sportliches Ziel hat sie fest vor Augen: Sie will unbedingt eine Einzelmedaille bei einer Weltmeisterschaft einfahren, nachdem es im Team schon mit Silber geklappt hat.
Trotz des weltweiten Erfolgs bleibt Jenny extrem heimatverbunden und stolz, den Skiklub Sohland rund um den Globus zu repräsentieren. Der Kontakt zu ihrem langjährigen Trainer Sven Hohlfeld ist nach wie vor eng. Da sie ein absoluter Familienmensch ist, nutzt sie jede freie Sekunde für ihre Familie und Freunde in Cunewalde. Ihre Eltern unterstützen sie oft direkt vor Ort an den Strecken, bei Oma und Bruder ist das bei fernen Auslandswettkämpfen verständlicherweise schwieriger. Ihre weiteste Reise führte sie bisher nach Park City in den US-Bundesstaat Utah, doch für Sightseeing blieb im engen Zeitplan absolut keine Zeit. Ganz anders in Skandinavien: Vor allem Norwegen hat es ihr angetan. In Städten wie Oslo oder Trondheim war zwischen den Wettkampftagen immer Zeit. „Da waren immer ein paar freie Tage und man konnte sich die Stadt anschauen“, schwärmt sie.
Bei dem straffen Trainingsprogramm bleibt kaum Zeit für Hobbys, doch neuerdings hat Jenny das Kochen für sich entdeckt. Auf die Frage, was sie denn am liebsten koche, antwortet sie bescheiden: „Ach, das ist nichts Außergewöhnliches. Aber ich koche gerne Süßkartoffel-Curry und backe Bananenbrot.“ Sie weiß aber auch genau, dass die Zeit im Leistungssport irgendwann vorbei ist. Für die Zukunft hat sie deshalb schon einen klaren Plan geschmiedet und möchte später Sportmanagement studieren, um ihrer großen Leidenschaft treu zu bleiben. Den alltäglichen Leistungsdruck verheimlicht sie dabei nicht. Die Erwartungen an einen selbst und auch die von außen würden mit den Jahren natürlich steigen. Die Nervosität vor dem Start gehört für sie aber einfach dazu. „Wenn es nicht so wäre, müsste ich mir Gedanken machen, ob es noch das Richtige ist“, sagt Jenny offen.
Für Kinder und Neulinge, die gerade erst mit dem Sport anfangen, hat die sympathische Oberlausitzerin einen einfachen, aber goldenen Rat parat: „Das absolut Wichtigste ist und bleibt, dass man immer den Spaß und die Freude an der Sache behält!“