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Was die Polizeistatistik so alles (nicht) verrät

Was die Polizeistatistik so alles (nicht) verrät

Das videogestützte Personen-Identifikations-System PerIS Foto: Steffen Linke

Die Polizeidirektion Görlitz verzeichnete 2025 eine deutlich gesunkene Kriminalität. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl registrierter Straftaten um 17.682 Fälle – ein Minus von 36,3 Prozent. 

Landkreis Görlitz. Die Zahl der registrierten Straftaten ist in den Landkreisen Bautzen und Görlitz 2025 deutlich zurückgegangen. Dies bekundete die Polizeidirektion Görlitz der von ihr erfassten 31.054 Fälle, die 17.682 weniger seien als im Vorjahr. Ausschlaggebend sei vor allem der Rückgang ausländerrechtlicher Straftaten um 14.193 Fälle beziehungsweise 82 Prozent.

Der Rückgang ist nicht primär als Rückgang „von Kriminalität“ im üblichen Sinn zu verstehen, sondern vor allem als Rückgang von registrierten Verstößen gegen das Aufenthaltsrecht, die unmittelbar mit unerlaubter Einreise und unerlaubtem Aufenthalt zusammenhängen. Die Polizei selbst kommunizierte letztlich auch selbst zuletzt die im Frühjahr 2025 nochmals verstärkten Einreisekontrollen der Bundespolizei. Eine unerlaubte Einreise wird überhaupt erst dann als Fall der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik registriert, wenn sie entdeckt und polizeilich bearbeitet wird. Wird die unerlaubte Einreise durch verstärkte Grenzkontrollen verhindert, zurückgewiesen oder gar nicht erst ermöglicht, entsteht in der Statistik des Hinterlandes kein entsprechender abgeschlossener Fall. Das bedeutet faktisch: Die 14.193 Fälle weniger können nicht einfach als „14.193 Straftaten weniger“ interpretiert werden. Ein Teil des Effekts besteht vielmehr darin, dass weniger entsprechende Vorgänge im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Görlitz registriert wurden!

Nicht berücksichtigt sind in der Polizeilichen Kriminalstatistik unter anderem Verkehrsstraftaten und Staatsschutzdelikte. Erfasst werden die der Polizei bekannt gewordenen und im jeweiligen Jahr abgeschlossenen Fälle.

Unabhängig einer also eigentlich notwendigen Bereinigung der Zahlen gibt die Polizeidirektion an, dass im Landkreis Bautzen ohne ausländerrechtliche Verstöße 13.055 Straftaten registriert wurden, 9,7 Prozent weniger als 2024.

Im Landkreis Görlitz waren es 14.877 Fälle, ein Rückgang um 12,3 Prozent. Die Häufigkeitszahl lag im Landkreis Bautzen bei 4.462 Straftaten je 100.000 Einwohner, im Landkreis Görlitz bei 6.098. Für die Polizeidirektion Görlitz insgesamt wurden 5.206 Fälle je 100.000 Einwohner errechnet, für Sachsen 6.373.

Die Polizei klärte 63,5 Prozent der registrierten Straftaten auf. Damit lag die Aufklärungsquote über dem sächsischen Durchschnitt. Die Eigentumskriminalität ging um 2.103 Fälle zurück und machte 27,2 Prozent aller Straftaten aus. Gestohlen wurden 280 Kraftfahrzeuge, 77 weniger als im Vorjahr. Bei Fahrraddiebstählen gab es einen Rückgang um 271 Fälle auf 955. Die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg dagegen um 14 Fälle auf rund 500. Die durch Eigentumsdelikte verursachte Schadenssumme lag bei etwa 11,4 Millionen Euro.

Bei den Vermögensdelikten stieg die Zahl der Fälle um 192 auf rund 4.500. Betrugsdelikte nahmen um 252 Fälle beziehungsweise 9,3 Prozent zu. Dazu zählen unter anderem Schockanrufe, Computer- und Callcenterbetrug sowie Gewinnversprechen. Der dadurch entstandene Vermögensschaden lag bei 9,5 Millionen Euro; insgesamt wurden bei Vermögensdelikten Schäden von 12,5 Millionen Euro registriert.

Bei der politisch motivierten Kriminalität wurden 560 Fälle weniger als im Vorjahr registriert. Den größten Anteil hatten erneut rechtsmotivierte Straftaten. 155 Fälle wurden dem linksmotivierten Spektrum zugerechnet. Die Zahl der rechtsmotivierten Straftaten dürfte allerdings schon traditionell im Grund wesentlich durch Delikte wie das Verwenden von Hakenkreuzen und anderen verfassungswidrigen Kennzeichen bestimmt sein. Die Fallzahl lässt daher nicht ohne Weiteres auf das Ausmaß anderer substanzieller Formen politisch motivierter Kriminalität schließen.

Ein einzelner ungeklärter Fall im Bereich der Straftaten gegen das Leben geht auf einen Arbeitsunfall mit Todesfolge im August 2024 zurück. Das Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung wurde 2025 ohne hinreichenden Tatverdacht gegen einen konkreten Menschen abgeschlossen.

Das videogestützte Personen-Identifikations-System PerIS, das seit Ende 2023 auch in Zittau eingesetzt wird, lieferte nach Angaben der Polizei 2025 mehr als 300 tatrelevante Treffer. Die damit verbundenen Fälle verursachten Schäden von mehr als 750.000 Euro. Aber auch das bringt datenschutzrechtlich und damit politisch Diskussionspotenzial mit sich.

Till Scholtz-Knobloch / 08.10.2026

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