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Der Tellerrand ist breiter geworden

Der Tellerrand ist breiter geworden

Die Großharthauer Grundschüler können jetzt auch direkt unter dem Dach ihres Schulgebäudes lernen und arbeiten.

Dank der Leader-Förderung wachsen Regionen von unten her zusammen. Doch es gibt auch Probleme.

Großharthau. Die Leader-Förderung ist eine feine Sache. Darin besteht Einigkeit zwischen Jens Krauße und seinen Bürgermeisterkollegen im westlichen Teil des Landkreises Bautzen, deren Kommunen das Leader-Gebiet „Westlausitz“ bilden. 8,3 Millionen Euro stehen in der aktuellen Förderperiode von 2014 bis 2020 für diese „Gebietskulisse“ zur Verfügung. 2,8 Millionen Euro wurden bereits rechtsverbindlich bewilligt, 2,2 Millionen beantragt und zum Teil auch schon befürwortet. Die Entscheidung, was gefördert wird, trifft der Koordinierungskreis – ein Gremium aus regionalen Akteuren – und nicht etwa ein Beamter in Bautzen, Dresden oder Brüssel.

„Durch Leader ist der Zusammenhalt in der Region gewachsen. Wir schauen viel mehr über den Tellerrand als früher, wo jeder für sich allein kämpfte“, nennt der Bürgermeister der Gemeinde Großharthau, der auch gleichzeitig Vorsitzender des Trägervereins „Westlausitz – Regionale.Wirtschaft.Leben.“ ist, einen wesentlichen Vorteil des aktuellen Prozederes. Von dem Geld aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) profitieren sowohl kommunale als auch private Bauherren: Die Familie im Großharthauer Ortsteil Schmiedefeld, die ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus als Wohnung ausbaut, ebenso wie die Gemeinde, die das bislang leer stehende Dachgeschoss des altehrwürdigen Schulhauses für Unterrichtszwecke nutzbar macht. Beide besuchte der sächsische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) zu Wochenbeginn im Rahmen einer Tour, auf der er sich über die Wirksamkeit des Leader-Programmes informieren wollte. Und was der Minister zu sehen bekam, stimmte ihn positiv: „Die Westlausitz zeigt, wie vielfältig die Vorhaben sein können, die mit Leader unterstützt werden – ob Umnutzung vorhandener Baukultur zum Mehrgenerationenhaus, ob Tourismuskonzept, Spielplatz oder individuelle Unternehmensförderung. Die heute besuchten Projekte bereichern die Region und bringen die Dörfer voran.“

Und weiter: „Hier wird deutlich, dass das Programm ganzheitlich in den ländlichen Raum hineinwirkt und dabei die großen Freiheiten der Leader-Gebiete hervorragend und kreativ eingesetzt werden.“
Also alles eitel Sonnenschein? Wohl doch nicht ganz. Denn: Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser gemacht werden könnte. Und beim aktuellen Leader-Prozedere stören insbesondere der hohe Dokumentationsaufwand und die damit verbundene Rechtsunsicherheit die Akteure vor Ort. „Es wird nicht zwischen Fehler und Betrug unterschieden“, bringt es Jens Krauße auf den Punkt.

„Die Bürokratisierung entstand aus der Angst, Fehler zu machen und Geld zurückzahlen zu müssen“, erläutert Thomas Schmidt und versichert, dass die Bürokratie in der nächsten Förderperiode „ein bisschen zurückgenommen wird.“

Doch plagen die Gemeinden – gerade jene, die wie Großharthau von der Nähe zur Landeshauptstadt Dresden profitieren – noch weitere Sorgen: „Der aktuelle Entwurf des Landesentwicklungsplans hemmt uns in unserer Entwicklung“, klagt der Großharthauer Bürgermeister. So dürften Gemeinden ohne überörtliche Zentrumsfunktion keine Einkaufsmärkte errichten, deren Verkaufsfläche größer ist als 800 Quadratmeter: „Das ist unter dem Gesichtspunkt der Seniorenfreundlichkeit nicht mehr zeitgemäß.“ In Großharthau entsteht gerade nach langem Kampf ein Norma-Verbrauchermarkt. Und auch bei der Ausweisung von Baugebieten würden den ländlichen Gemeinden Steine in den Weg gelegt, „die uns behindern. Wo bleibt da die kommunale Selbstverwaltung?“

 

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Uwe Menschner / 25.09.2018

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