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Die Küpper wird wieder aufgebaut

Die Küpper wird wieder aufgebaut

So friedlich wie hier fließt die Wittig (Witka) nicht immer durch Radmeritz (Radomierzyce). Ziel ist es, ein Hochwasser sicher abzuleiten, das statistisch gesehen alle 100 Jahre auftreten kann. Foto: privat

Polen plant den Wiederaufbau des vom Jahrhunderthochwasser 2010 zerstörten Flusslaufes der Küpper (Miedzianka), die von Reichenau (Bogatynia) aus, am Tagebau Turów vorbei zur Neiße strebt und gegenüber von Hirschfelde in diese einmündet. Hat das neißeabwärts Folgen?

Hirschfelde/Hagenwerder. Nach den Angaben der niederschlesischen Regionaldirektion für Umweltschutz in Breslau sollen die Gewässersohle teilweise verbreitert und die Böschungen wiederhergestellt sowie teils mit Steinschüttungen, teils mit Stützmauern gesichert werden. „Ziel des Vorhabens ist es, ein Hochwasser sicher abzuleiten, das statistisch gesehen alle 100 Jahre auftreten kann“, erklärt die Direktion. Damit solle insbesondere die Stadt Reichenau (Bogatynia) vor Hochwasser geschützt werden.


Im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung wurde auch die deutsche Seite angehört und um eine Stellungnahme gebeten. Dabei gab es den Hinweis, dass sich die Abflussgeschwindigkeit der Küpper (Miedzianka) ändern und diese mit erhöhter Geschwindigkeit auf die Neiße treffen werde.

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Daraufhin versicherte die polnische Seite, dass es keine negativen Einflüsse auf die Lausitzer Neiße und die deutschen Ufergebiete geben werde. Die Auswirkung auf den Wasserstand sei als „klein und unbedeutend“ einzustufen. Auch auf die 19 Kilometer entfernt gelegene Kiesgrube Hagenwerder – ein weiterer Punkt der deutschen Stellungnahme – seien keine Auswirkungen zu erwarten.


Die Wiederherstellung der Küpper ist nur eines von mehreren Teilprojekten zur Instandsetzung der von dem Hochwasser zerstörten hydrologischen Strukturen in Polen. So befindet sich auch noch ein Projekt für den Fluss Wittig (Witka), der bei Hagenwerder in die Neiße mündet, in Vorbereitung. Dieser hatte 2010 durch seine Flutwelle für große Verwüstungen auf der deutschen Seite gesorgt. Der Staudamm Nieda (Niedów), dessen Bruch die Welle verursacht hatte, ist zwischenzeitlich wieder aufgebaut worden.


In diesem Zuge sind die Erhöhung von Dämmen entlang der Wittig sowie Befestigungsmaßnahmen entlang eines Entlastungskanals in der Ortschaft Radmeritz (Radomierzyce) geplant.
 

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Der Entlastungskanal führt oberhalb des Ortes einen Teil des Hochwassers der Wittig in die Lausitzer Neiße ab, wodurch sich das Überschwemmungsrisiko für die Ortschaft Radmeritz verringert. In unmittelbarer Nähe des Planungsgebietes befindet sich das kulturhistorisch äußerst wertvolle Schloss Joachimstein (Palac Radomierzyce), das 1722 durch den Kammerherrn Augusts des Starken als „Fräuleinstift“ errichtet und 2003 als Hotel und Kongresszentrum saniert wurde.


Das auf einer Insel zwischen den verschiedenen Flussarmen liegende Schloss ist lediglich auf einer Seite durch eine Brücke mit dem umliegenden „Festland“ verbunden, die im Zuge der Planungen eine wesentliche Rolle spielte. „Die Konstruktion der Brücke verursacht einen Rückstau des Hochwassers, was zur Folge hat, dass der Hochwasserschutzdamm auf der rechten Seite der Wittig nicht den Anforderungen entspricht“, heißt es dazu im Bericht der Generaldirektion für Umweltschutz. Deshalb sei als „alternative Variante“ ein Umbau der Brücke betrachtet worden, nach dem diese den Wasserablauf nicht mehr so stark behindert hätte.


Diese Variante werde jedoch nicht favorisiert, da die Brücke „einen Bestandteil des historischen Schlosskomplexes darstellt“ und ihre Erhöhung „die Sichtachse und kompositorische Anlage der Schlossanlage beeinträchtigt.“ Als unumgänglich hingegen betrachtet die Behörde die Sanierung des beim Hochwasser 2010 komplett zerstörten Kanals Ulga, da sonst die Böschung der über polnisches Gebiet führenden Bahnstrecke Görlitz-Zittau gefährdet wäre. Der Kanal liegt normalerweise trocken und führt nur in Hochwassersituationen Wasser.


Auswirkungen durch die geplanten Arbeiten auf die Hochwassergefahr am Unterlauf der Neiße sieht die polnische Umweltbehörde nicht: „Das geplante Vorhaben hat keinen Einfluss auf den Wasserstand der Neiße unterhalb der Wittig-Einmündung mit den Ortslagen Hagenwerder und Leuba auf deutscher Seite.“


Ein Fischadlernest, das sich auf einem Strommast zwischen Wittig und Ulga-Kanal befindet, soll während der Bauarbeiten besonders geschützt werden. Doch auch in der Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg hat sich etwas getan. Ende 2019 wird eine Plattform online gehen, die den Behörden im Dreiländereck die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich des Krisenmanagements und des Katastrophenschutzes ermöglicht. Zudem soll über diese eine detaillierte Information der Öffentlichkeit in den betreffenden Regionen sichergestellt werden.


Am 9. Oktober wurde bei einem Treffen der Projektpartner dieses Ziel bestätigt und mit ersten Teilergebnissen untersetzt. Der Landkreis Görlitz als Projektträger diskutierte mit Vertretern des Powiat Zgorzelecki, des Fraunhofer-Institutes und der Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH sowie mit Feuerwehren und Hilfsorganisationen den aktuellen Sachstand. „Besonders gefreut hat es uns, dass die Landrätin des Landkreises Zgorzelec, Ursula Ciupak, und der Referatsleiter Brand-, Katastrophenschutz und Rettungs-wesen im Sächsischen Innenministerium, Dirk Benkendorff, ihre Teilnahme ermöglicht haben.“, so die zweite Beigeordnete Martina Weber.


Die Anwendung „Mobikat“ ist das Herzstück der zu entwickelnden Online-Plattform. Sie bündelt die Informationen im Bereich der Feuerwehren, der Katastrophenschutzeinheiten, des Rettungsdienstes sowie weiterer Fachdienste, wie beispielsweise der Lebensmittelüberwachung und des Veterinäramtes. Interessierte Bürger werden Zugriff auf Pegelstände und Livebilder von Webcams erhalten. In erster Linie wird eine Schnittstelle zur Dateneinspeisung polnischer Informationen geschaffen.


Außerdem werden die Kommunikationswege kürzer und effektiver, um im Notfall zu jeder Tages- und Nachtzeit zuständige Entscheidungsträger zu erreichen.

Uwe Menschner, Till Scholtz-Knobloch / 09.12.2018

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